Kritik - Villa von Xherdan Shaqiri erinnere an ein banales Agglo-Mehrfamilienhaus
Publiziert

Architekturblog über Shaqiri-Villa«Erinnert an ein banales Mehrfamilienhaus in der Agglo»

Xherdan Shaqiri plant ein eigenes Domizil im Villenviertel in Rheinfelden AG. Doch die Pläne stossen nicht nur bei den Anwohnern auf Kritik. Auch ein Architekturblog lässt kein gutes Haar an der Villa.

von
Jeanne Dutoit
1 / 5
Der Fussballprofi will im Rheinfelder Villenquartier dieses Haus bauen. Nachbarn haben bereits Einsprache gegen das geplante Einfamilienhaus eingelegt.

Der Fussballprofi will im Rheinfelder Villenquartier dieses Haus bauen. Nachbarn haben bereits Einsprache gegen das geplante Einfamilienhaus eingelegt.

kyburzarchimmo.ch
Neubau mit Pool, Garage und Einliegerwohnung: So oder auf jeden Fall so ähnlich soll die Villa des Stars aussehen.

Neubau mit Pool, Garage und Einliegerwohnung: So oder auf jeden Fall so ähnlich soll die Villa des Stars aussehen.

kyburzarchimmo.ch
Wie aus dem Baugesuch hervorgeht, ist der Pool mit fünf auf elf Metern nicht aussergewöhnlich gross. 

Wie aus dem Baugesuch hervorgeht, ist der Pool mit fünf auf elf Metern nicht aussergewöhnlich gross.

kyburzarchimmo.ch

Darum gehts

  • Xherdan Shaqiri plant, im Rheinfelder Villenviertel ein Haus zu bauen.

  • Anwohnerinnen und Anwohner wehren sich gegen den Neubau. Er passe nicht in die Nachbarschaft.

  • Auch ein Basler Architekt kritisiert die Visualisierungen: zu unruhig und unharmonisch komme die Villa daher.

Das öffentlich einsehbare Baugesuch und Visualisierungen verraten, wie der Fussballstar Xherdan Shaqiri im Städtchen Rheinfelden zu wohnen wünscht: In einem verwinkelten Kubus mit vielen Fenstern, grosser Garage mit Pool und Pergola im Aussenbereich. Einigen Anwohnern passt die Vorstellung einer Promi-Villa in der Nachbarschaft gar nicht. «Ich will hier kein Schloss sehen», sagte ein zukünftiger Nachbar des Fussballers gegenüber 20 Minuten. Andere haben gar Einsprache gegen das Projekt eingelegt.

Die Visualisierung des Nati-Domizils finden nicht nur Anwohnerinnen und Anwohner problematisch. Der Basler Architekt Lukas Gruntz zerreisst den geplanten Neubau auf seinem Blog Architektur Basel. Über Geschmack lässt sich nicht streiten? Oh doch, findet Gruntz und lässt kein gutes Haar an der Villa. «Gute Architektur sieht anders aus», lautet sein Fazit.

Mit seinen unzähligen verschieden grossen Fenstern und gestaffelten Balkonflächen wirke das Haus unruhig, bemängelt der Architekt. «Ebenso erzeugt das durchgehende Fenster des Treppenhauses auf der Rückfassade eine eigenartige, unangemessene Monumentalität – und erinnert gleichzeitig an ein banales Mehrfamilienhaus in der Agglo.» Die Volumetrie wirke zusammengewürfelt.

«Ein Architektenteam aus Basel wär wünschenswert gewesen»

Gegenüber 20 Minuten führt Gruntz aus: «Der Bau ist zu kompliziert und nicht schlüssig. Das macht das Ganze unruhig.» Geplant sei kein Palast, sondern ein sehr grosses Einfamilienhaus. «Da muss man eine gewisse Ruhe reinbringen.» Der federführende Architekt arbeite stattdessen mit zig verschiedenen Themen. Gruntz zieht einen symbolischen Vergleich: «Ein Strauss mit 50 Blumen, und die Blumen passen alle überhaupt nicht zusammen.»

Warum Shaqiri den Auftrag an besagten Architekten erteilt hat, kann sich Gruntz nicht erklären. «Schleierhaft», sei dessen Wahl. Renommiert seien Architektinnen und Architekten, wenn sie an Wettbewerben teilnehmen und «ab und zu auch mal einen gewinnen», erklärt Gruntz. Shaqiris Architekt sei in der Szene völlig unbekannt. Und Gruntz spricht einen weiteren Kritikpunkt an. Bei der Liebe des Fussballers zur Region und der Stadt Basel wäre ein lokales Architektenteam wünschenswert gewesen, findet Gruntz. «Schliesslich tummeln sich hier mitunter die weltbesten Architektinnen.»

Shaqiris Architekt wollte sich gegenüber 20 Minuten nicht zur Kritik am Bauvorhaben äussern.

Deine Meinung

236 Kommentare