Aktualisiert 06.07.2016 13:53

Interlaken Eritreer jagen als Österreicher Wilhelm Tell

Den Tellspielen Interlaken fehlten Schauspieler. Also engagierte man fünf Eritreer aus dem Asylheim. Sie spielen Österreicher.

von
kaf
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Weil es nicht genug Soldaten für die Tellspiele Interlaken hatte, fragte Regisseur Ueli Bichsel beim Durchgangszentrum nach Schauspielern.

Weil es nicht genug Soldaten für die Tellspiele Interlaken hatte, fragte Regisseur Ueli Bichsel beim Durchgangszentrum nach Schauspielern.

Dany Rhyner
Insgesamt fünf Eritreer aus der Asylunterkunft Rugen in Matten bei Interlaken machen bei den Tellspielen Interlaken mit, so zum Beispiel Abdhanum.

Insgesamt fünf Eritreer aus der Asylunterkunft Rugen in Matten bei Interlaken machen bei den Tellspielen Interlaken mit, so zum Beispiel Abdhanum.

Dany Rhyner
Auch Medhane mimt auf der Bühne einen Soldaten von Vogt Hermann Gessler.

Auch Medhane mimt auf der Bühne einen Soldaten von Vogt Hermann Gessler.

Dany Rhyner

Vom Durchgangszentrum auf die Bühne: Fünf Eritreer aus der Asylunterkunft Rugen in Matten bei Interlaken spielen diesen Sommer an den Tellspielen Interlaken mit. Regisseur Ueli Bichsel hat die Männer als Schauspieler engagiert. Grund: Es fehlt an Soldaten für Gesslers Armee. Damit spielen die Nordafrikaner Österreicher, die die Schweiz besetzen.

Theater als Beschäftigung und Integration

Auf die Idee, Flüchtlinge aus der naheliegenden Asylunterkunft auf die Bühne zu holen, ist eine Schauspielerin des Ensembles gekommen. Regisseur Bichsel gefiel die Idee: «So können wir ihnen eine Beschäftigung geben und sie vielleicht besser integrieren.» Fünf Eritreer seien in der Folge zur Probe gekommen und hätten begeistert zugesagt.

Die Rollen als Soldaten von Vogt Hermann Gessler waren bereits vorgegeben. «Wir hatten nicht genug Anmeldungen, um das Soldatencorps zu füllen», sagt Bichsel. Die Eritreer schlüpfen damit in die Rolle der Unterdrücker. «Wir haben uns natürlich gefragt, ob wir ihnen das zumuten können», so Bichsel. Immerhin seien diese aus einem diktatorischen Land geflohen. Die Eritreer hätten die Bedenken im Gespräch aber weggewischt.

Eritreer sollen auch in Zukunft mitspielen

Die afrikanischen Laiendarsteller sind mit ihrer neuen Aufgabe zufrieden. Er sei sehr glücklich, dank dieser Rolle die Geschichte der Schweiz besser kennen zu lernen, sagt etwa Abdhanum. Auch Medhane interessiert sich für die Schweizer Vergangenheit: «Es ist schön zu sehen, wie sich die Leute für den Frieden einsetzen und gegen die Eindringlinge kämpfen.»

Regisseur Bichsel ist des Lobes voll: «Sie kommen an jede Probe, sind immer pünktlich und gut gelaunt.» Das Ensemble habe die Eritreer gut aufgenommen. Bichsel kann sich gut vorstellen, auch in Zukunft Flüchtlinge als Schauspieler zu engagieren, etwa als Volk. Selbst eine Sprechrolle schliesst der Regisseur nicht aus, sofern das Berndeutsch reicht.

Bei der Asylkoordination Thun ist man begeistert von Einsatz der fünf Eritreer: «Sie sind mit grosser Freude bei der Sache», sagt Barbara Jost, Leiterin Zentren bei der Asylkoordination. Der Alltag dieser Leute bestehe ansonsten sehr viel aus Warten. Jost: «Umso mehr geniessen sie dieses Engagement.»

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