Vorwurf widerlegt: Eritreer reisten gar nicht heim, um zu heiraten
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Vorwurf widerlegtEritreer reisten gar nicht heim, um zu heiraten

Eritreische Flüchtlinge aus dem Kanton Schwyz sollen zum Heiraten in ihre Heimat gereist sein. Nun hat sich der Verdacht aber als falsch herausgestellt.

von
bz
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Zum Heiraten in ein Land zurückkehren, in dem sie verfolgt werden? Laut dem Bundesrat haben keine Schwyzer Asylsuchende in Eritrea geheiratet.

Zum Heiraten in ein Land zurückkehren, in dem sie verfolgt werden? Laut dem Bundesrat haben keine Schwyzer Asylsuchende in Eritrea geheiratet.

AP/Jean-marc Bouju
Der Freienbacher Gemeindepräsident Daniel Landolt stellte fest: «Behaupten Flüchtlinge, in ihrem Heimatland gefährdet zu sein, heiraten dann aber ausgerechnet dort, stellt sich die Frage nach Asylmissbrauch.»

Der Freienbacher Gemeindepräsident Daniel Landolt stellte fest: «Behaupten Flüchtlinge, in ihrem Heimatland gefährdet zu sein, heiraten dann aber ausgerechnet dort, stellt sich die Frage nach Asylmissbrauch.»

zvg/ Website Gemeinde Freienbach

Der Gemeindepräsident von Freienbach im Kanton Schwyz gelangte Anfang September mit einem schwerwiegenden Verdacht an die Öffentlichkeit. Aufgrund einer Meldung des Zivilstandsamts von Ausserschwyz machte Daniel Landolt auf «mutmassliche Mängel im Asylvollzug» aufmerksam. Er ging davon aus, dass Flüchtlinge in neun Fällen zum Heiraten nach Eritrea, in den Sudan oder nach Äthiopien gereist waren.

Es handle sich um Männer, die zwischen 2005 und 2008 eingereist seien. Zwischen 2010 und 2012 seien ihnen die frisch angetrauten Frauen in die Schweiz gefolgt. «Behaupten Flüchtlinge, in ihrem Heimatland gefährdet zu sein, heiraten dann aber ausgerechnet dort, stellt sich die Frage nach Asylmissbrauch», sagte Landolt.

«Keine der Hochzeiten fand in Eritrea statt»

Inzwischen haben sich die Vorwürfe der Ferien-Heiraten jedoch als haltlos herausgestellt, wie die «Neue Luzerner Zeitung» berichtet. Dafür sorgte Ruedi Lustenberger, abtretender Luzerner CVP-Nationalrat und letztjähriger Nationalratspräsident. In der letzten Session wandte er sich an Justizministerin Simonetta Sommaruga, um zu erfahren, ob ihr derartige Vorfälle bekannt und ob sogar Zwangsheiraten vorgekommen seien.

Gemäss dem Zeitungsbericht teilte die SP-Bundesrätin in einer schriftlichen Antwort mit, «die aktuellen Pressemitteilungen» könnten nicht bestätigt werden. Sommaruga macht darauf aufmerksam, dass das Staatssekretariat für Migration bei Indizien auf unrechtmässige Reisen von Flüchtlingen in ihr Heimatland immer die Faktenlage abkläre und dies auch in diesen Fällen getan habe. «Unsere Abklärungen haben ergeben, dass keine einzige der neun Hochzeiten, die gemäss Berichterstattung in Eritrea stattgefunden haben sollen, effektiv in Eritrea stattgefunden hat.»

«Am Sachverhalt ändert sich nichts»

Daniel Landolt war für eine Stellungnahme ferienbedingt nicht erreichbar. Albert Steinegger, Gemeindeschreiber von Freienbach, sagt, durch die Abklärung habe sich lediglich ergeben, dass auch die neunte Heirat nicht in Eritrea selber, sondern im Sudan stattgefunden habe. «Am Sachverhalt, dass ein Flüchtling von der Schweiz aus zum Heiraten nach Afrika fliegt, ändert sich nichts.»

SP-Nationalrat Cédric Wermuth wertet es als positiv, dass die Fälle sauber abgeklärt wurden. Die Angelegenheit hat für ihn aber einen bitteren Nachgeschmack: «Der Fall zeigt, dass man im Zusammenhang mit Flüchtlingen leider relativ schnell bereit ist, starke Anschuldigungen zu formulieren.» Seiner Ansicht nach sollten gerade Behördenmitglieder bei einem Verdacht grössere Vorsicht walten lassen. «Man hätte sich den Weg über die Öffentlichkeit sparen können, bevor nicht sauber abgeklärt war, was Sache ist.»

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