Aktualisiert 08.12.2011 18:23

Manipulation in CL

Erkaufte sich Lyon das Weiterkommen?

Nach dem 1:7-Sieg von Lyon über Dinamo Zagreb kommt die Frage auf, ob beim Champions-League-Spiel alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Es laufen erste Untersuchungen.

Das aufällige Zwinkern von Domagoj Vida. (Quelle: YouTube)

Sechs Tore nach der Pause ermöglichten Lyon im Auswärtsspiel gegen Dinamo Zagreb die Qualifikation für die Champions-League-Achtelfinals. Sechs Tore in 28 Minuten sind auf diesem Niveau an sich undenkbar. Deshalb laufen bereits erste Untersuchungen.

Zagreb führte 1:0. Zur Pause stand es 1:1. Um den grossen Rückstand im Fernduell gegen Ajax Amsterdam wettzumachen, benötigte Olympique Lyon nach der Pause mindestens fünf Tore. Diese fielen - und wie. Schon nach 52 Minuten führte Lyon 4:1, eine Viertelstunde vor Schluss waren die sechs Tore, das 7:1 und die Qualifikation Tatsache. Bloss 28 Minuten brauchte Lyon für sechs Treffer. Das hat es in der 19-jährigen Geschichte der Champions League noch nie gegeben.

Wettkommission reagierte sofort

In Zeiten von Spielmanipulationen, Bestechungen und Wett-Skandalen bestellten die Ereignisse im Maksimir-Stadion von Zagreb den Boden für grosse Skepsis. Die französische Wett-Kommission reagierte umgehend. Schon am Donnerstag kündigte sie eine Untersuchung an. «Wetten auf dieses Spiel werden überprüft», hiess es. Gemäss den Lotterie-Betrieben «PMU» und «Française des Jeux» seien aber noch keine Auffälligkeiten registriert worden.

Auch die Uefa richtete am Donnerstag ihre Aufmerksamkeit auf das Spiel in Zagreb. Tätig wird sie aber noch nicht, wie sie gegenüber der französischen Agentur AFP sagte. «Es gibt noch keine Reklamation von Ajax. Im Moment haben die Warnsysteme der Wett-Portale keine Unregelmässigkeiten signalisiert», so ein Sprecher.

Eindeutige Anzeichen?

Die Spekulationen werden trotzdem weit gestreut. Die spanische Zeitung «AS» will während der TV-Direktübertragung eindeutige Anzeichen von einer Manipulation gesehen haben. «In einer Szene nähert sich der Lyon-Stürmer Gomis dem ballführenden Dinamo-Verteidiger Vida. Der Dinamo-Spieler gibt den Ball praktisch kampflos ab, lächelt und hebt gegenüber Gomis den Daumen», schreibt die Zeitung.

In Spanien bietet das bizarre Spiel in Zagreb die Gelegenheit, sich an den Franzosen zu «rächen». Die populäre französische Sport-Ikone Yannick Noah hatte vor wenigen Wochen die spanischen Sportler des Dopings bezichtigt («...wie Obelix in den Zaubertrank gefallen.»). Nun schlagen die spanischen Medien zurück. «Irgendetwas ist in der Pause geschehen...», kommentierte «AS» vielsagend.

Stossendes Resultat

Die direkt betroffenen Ajax-Protagonisten hielten sich in ihrer ersten Enttäuschung zurück. «Ich will nicht von Lyon sprechen. Aber das Resultat ist stossend. Aber wenn seltsame Dinge geschehen sind, muss man diese beweisen können», sagte Ajax-Trainer Frank de Boer. Hätte Lyon bloss 4:1 gewonnen, wäre Ajax trotz der 0:3-Heimniederlage gegen Real Madrid in die Achtelfinals vorgestossen.

Gegen eine Manipulation in diesem Spiel könnte der gesamte Verlauf der Zagreber Champions-League-Kampagne sprechen. Desolat waren die Kroaten nämlich fast immer aufgetreten: Sie verloren bei Ajax 0:4, gegen Real lagen sie zur Pause ebenfalls mit vier Toren im Rückstand, ehe sie 2:6 untergingen. In sechs Partien kassierte Dinamo 22 Tore. Die Verantwortlichen reagierten daher unverzüglich auf das Desaster. Trainer Krunoslav Jurcic wurde unmittelbar nach dem 1:7 gegen Lyon entlassen. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.