Aktualisiert 04.02.2013 10:50

Undercover und illegal

Ermittler stahlen Identitäten toter Kinder

Zwischen 1968 und 1994 haben rund 80 Polizisten in Grossbritannien die Personaldaten toter Kinder für sich gebraucht. Falsche Pässe und Führerscheine wurden ausgestellt. Die Eltern wussten nichts davon.

von
kub
Unter dem Gesichtspunkt der geklauten Identitäten beim MET erlangt der Slogan der Polizei eine ganz eigene Bedeutung.

Unter dem Gesichtspunkt der geklauten Identitäten beim MET erlangt der Slogan der Polizei eine ganz eigene Bedeutung.

Verdeckte Ermittler der Londoner Metropolitan Police sollen einem Medienbericht zufolge die Identitäten verstorbener Kinder zu Tarnungszwecken missbraucht haben. Mehrere Angehörige der Einheit «Special Demonstration Squad» (SDS) hätten unter den Namen der toten Kinder Aktivistengruppen infiltriert, ohne die Eltern der Verstorbenen informiert zu haben, berichtet die britische Zeitung «The Guardian» auf ihrer Website. Die Einheit sei 2008 aufgelöst worden.

Dem Blatt liege ein Dokument vor, wonach zwischen 1968 und 1994 rund 80 Polizisten die Identitäten toter Kinder verwendet hätten, hiess es. Weitere Fälle seien nicht ausgeschlossen. Zudem sprach die Zeitung mit zwei mutmasslich betroffenen Ermittlern, die ihr Vorgehen schilderten. Sogar falsche Pässe und Führerscheine sollen ausgestellt worden sein.

«Auf ein Grab treten»

Die Metropolitan Police erklärte dem «Guardian» zufolge in einer Mitteilung, sie habe eine entsprechende Beschwerde erhalten. Die Vorwürfe und der frühere Umgang verdeckter SDS-Ermittler mit fremden Identitäten würden untersucht. Aktuell sei die Praxis, die in der Beschwerde beschrieben würde, nicht zugelassen.

Keitz Vaz, ein Politiker, zeigte sich gegenüber dem Guardian geschockt. «Dieser Fall stresst die betroffenen Familien enorm, wenn sie erfahren, was mit den Identitäten ihrer toten Kinder passiert ist.»

Intern wurde diese Suche nach Identitäten für Undercover-Aktivitäten der Polizei «jackal run» genannt, in Anlehnung an den Roman von Frederick Forsyth «The Day of the Jackal». Die Zeitung hat mit zwei Agenten gesprochen, die diese Methode anwenden mussten. Einer sagte aus, er hätte sich gefühlt, als würde er «auf ein Grab herumtrampeln», als er die Identität des verstorbenen fünfjährigen Jungen angenommen hatte. Ein weiterer argumentierte, die Praxis könne dahingehend verteidigt werden, dass sie ein «höheres Ziel» gehabt habe. (kub/sda)

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