Aktualisiert 10.08.2017 10:15

«Unglaubliche Geschichte»Ermittler zweifeln an Model-Entführungs-Story

Das Model Chloe Ayling soll entführt und im Darknet als Sexsklavin angeboten worden sein. Dann wurde sie freigelassen. Ermittler setzen nun ein Fragezeichen.

von
ehs
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Das 20-jährige Model Chloe Ayling wurde in Mailand entführt und auf dem Darknet zum Kauf angeboten.

Das 20-jährige Model Chloe Ayling wurde in Mailand entführt und auf dem Darknet zum Kauf angeboten.

kein Anbieter/Instagram
Ein vermeintliches Fotoshooting brachte die Britin nach Mailand.

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Mit diesem Foto meldete sie ihren Instagram-Fans, dass sie in Italien angekommen ist.

Mit diesem Foto meldete sie ihren Instagram-Fans, dass sie in Italien angekommen ist.

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Das britische Model Chloe Ayling soll am 10. Juli unter dem Vorwand eines Fotoshootings nach Mailand gelockt, dort betäubt, entführt und im Darknet als Sex-Sklavin zur Auktion angeboten worden sein. Als Haupttäter nannte die italienische Polizei L. H., einen 20-jährigen, in England wohnhaften Polen. H. soll die 20-jährige Ayling sechs Tage nach der Entführung selbst zum britischen Konsulat in Mailand gebracht haben. Dabei trug er ein Pamphlet der Gruppe Black Death auf sich, in welcher die Gruppe die Entführung als Fehler bezeichnete, weil Ayling Mutter sei. Aus Grosszügigkeit sei sie freigelassen und nicht wie geplant online als Sexsklavin versteigert worden.

Die Polizei habe die Geschichte erst nicht geglaubt, sagt Aylings Anwalt Francesco Pesce zu Sky News. Die Behörden hätten verständlicherweise Zweifel gehabt: «Die Geschichte tönt unglaublich.» Mutmassungen, wonach Ayling selbst in die Entführung involviert sei, bezeichnete Pesce als «böse». Aylings Entführer habe ihr gesagt, dass sie als Sexsklavin in den Mittleren Osten verkauft werden solle.

Entführer erhielt halbe Million

Der mutmassliche Entführer hat gemäss britischen Medien eine andere Version der Geschichte erzählt. Er habe Geld verdienen wollen, um seine Leukämie behandeln zu können. Eine Gruppe von Rumänen habe ihn angeheuert, um Immobilien für den Verkauf von Kleidern in ganz Europa zu mieten. Er habe sich als Fotograf ausgegeben, als er Chloe Ayling getroffen habe. Dafür habe er 500'000 britische Pfund erhalten. Als er herausgefunden habe, dass die Rumänen die Frau kidnappen wollten, habe er sich vom Plan abgewandt, berichtet der «Telegraph».

Italienische Ermittler zweifeln offenbar an der Version. Der Entführer habe die Geschichte sogar dem britischen «Daily Mirror» verkaufen wollen, berichtet die Boulevardzeitung «Daily Mail». Ein Ermittler bezeichnete L.H. gemäss der Zeitung als chronischen Lügner. Er habe der italienischen Polizei fälschlicherweise sogar gesagt, die russische Mafia sei in den Fall involviert, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. In den ersten beiden Tagen hätten zudem weder Chloe Ayling noch ihr mutmasslicher Entführer mit der Polizei kooperiert, so die Zeitung. Die italienische Polizei untersuche deshalb, ob die beiden kollaboriert hätten.

«Ayling liebt die Kameras»

Zweifel an Aylings Version der Geschichte meldet auch ihr Ex-Freund und Vater des gemeinsamen, 21 Monate alten Sohnes, an. Conor Keyes sagte der «Daily Mail», er wisse nicht, was er mit der Geschichte anfangen solle. «Wenn das mir passiert wäre, wäre ich jetzt nicht schon wieder gut gelaunt in der Öffentlichkeit», sagte er der Zeitung. Aber so sei sie nun mal. Ayling liebe die Kameras und sei sehr auf ihre Modellkarriere fokussiert.

Wie die Zeitung berichtet, seien Ermittler «verdutzt», dass Ayling während ihrer Tortur mit ihrem Entführer Schuhe gekauft habe. Aylings Anwalt begründete das gegenüber der BBC damit, dass die Entführer ihr gedroht hätten, sie zu töten, wenn sie nicht kooperiere. Am Sonntag hatte sich Ayling bei den italienischen und britischen Behörden bedankt. Sie habe während jeder Sekunde ihrer Entführung um ihr Leben gefürchtet. Dem «Daily Mirror» liegt mittlerweile die Aussage vor, die Ayling über ihre Entführung gemacht hat. Sie sagte demnach aus, sie habe mit ihrem Entführer im selben Bett geschlafen. Angerührt habe er sie aber nicht, da die Organisation «Black Death» Mitglieder hart bestrafe, die sich an ihren Opfern vergingen.

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