Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe

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Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe

Deutsche Soldaten in Afghanistan sollen auf skandalöse Weise die Totenruhe eines Unbekannten gestört haben. Politiker reagieren bestürzt. Und die deutsche Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf.

«Wir ermitteln gegen Unbekannt wegen Störung der Totenruhe», sagte Staatsanwaltssprecher Wilfried Lehmann am Mittwoch. Die Potsdamer Behörde habe das Verfahren nach Publikation der Fotos von Amts wegen aufgenommen und sei wegen des Standortes des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr im nahen Geltow zuständig. Von dort aus werden alle deutschen Auslandseinsätze geleitet.

Fünf heute in der Bild-Zeitung veröffentlichte Aufnahmen zeigen deutsche Soldaten der Afghanistan- Schutztruppe (ISAF) in Tarnanzügen auf einer Patrouillenfahrt in der Umgebung der Hauptstadt Kabul.Dabei präsentieren sie mit zum Teil obszönen Gesten einen Totenschädel.

Politiker bestürzt

Jung sagte der Zeitung: «Es ist klar und unmissverständlich, dass ein derartiges Verhalten von deutschen Soldaten keinesfalls geduldet werden kann.»

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, würden die «erforderlichen dienstrechtlichen, disziplinarrechtlichen und gegebenenfalls auch strafrechtlichen Konsequenzen mit allem Nachdruck gezogen», sagte Jung.

Politiker von Union und SPD äusserten sich bestürzt über den Vorfall. Der Chef des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, nannte die Bilder «absolut abstossend und Ekel erregend.» Dass es sich um Bundeswehrsoldaten handle, da gebe es wohl keinen Zweifel.

Der Schädel könnte laut «Bild» aus einem mutmasslichen Massengrab in der Nähe von Kabul stammen. Unklar sei, ob es sich bei dem Totenschädel um die sterblichen Überreste eines Afghanen oder möglicherweise eines russischen Soldaten handle, der während der sowjetischen Besatzungszeit (1979-1989) gefallen sein könnte.

Aufenthalt der Soldaten unklar

Das Verteidigungsministerium hat bisher noch keine Erkenntnisse über die angebliche Schändung eines Toten. Ob die betreffenden Soldaten noch dort seien oder bereits zurück in Deutschland, sei noch unklar, sagte ein Sprecher.

«In der Bundeswehr wird aber mit Hochdruck ermittelt.» Man habe erst durch die «Bild»-Zeitung von dem Vorfall erfahren und bisher keine Original-Fotos zur Verfügung.

Die internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF sagte volle Unterstützung bei der Untersuchung der angeblichen Totenschändung zu. Ein Sprecher der ISAF warnte aber vor vorschnellen Urteilen. Die angeblich an dem Vorfall im Frühjahr 2003 beteiligten Soldaten hätten eine «vollständige und faire Untersuchung» verdient.

(dapd)

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