Bluttat auf den Philippinen: Ermordeter Schweizer suchte junge Frau im Web
Aktualisiert

Bluttat auf den PhilippinenErmordeter Schweizer suchte junge Frau im Web

Balthasar E. (78) und Robert L. (67) wurden hingerichtet. E. wollte 18-jährige Frauen treffen. Auslandschweizer auf den Philippinen reden über die Gefahren.

von
G. Brönnimann

Noch immer fehlt von den Killern jede Spur, die am Sonntag, 5. Oktober die beiden Schweizer Senioren Balthasar E.* und Robert L.* nach dem Mittagessen vor den Augen ihrer Begleiterinnen Teresita E.* und Rowelyn Jane O.* erschossen hatten. Die Frauen blieben unverletzt. Das Attentat geschah im Yasay Beach Resort im Städtchen Opol, unweit der Stadt Cagayan de Oro, wo Balthasar mit Teresita seit über einem Jahr in den noblen Xavier Estates beim Golfplatz wohnte.

Teresita ist Balthasars Ex-Frau. Der Schweizer und die Philippinerin heirateten 1991 in Zürich. Sie haben einen 22-jährigen Sohn. Ihre Ehe hielt 23 Jahre: Erst seit 13. August 2014 sind sie geschieden. Die Scheidungsverhandlung wurde telefonisch aus den Philippinen mit dem Bezirksgericht Willisau/LU durchgeführt. Der Rentner bezahlte seiner Ex-Frau seither 300 Schweizer Franken Rente pro Monat.

Schweizer, ledig, sucht ...

Im Internet vermittelte Balthasar E. ein anderes Bild von sich. Auf einer philippinischen Dating-Website suchte der Verheiratete bereits 2013 nach einer «jüngeren, gesunden, gutherzigen Frau, die treu und vertrauenswürdig ist». In seinem Profil fasste der damals 77-Jährige die Suchkriterien enger: Gesucht: Frau; Alter: 18 bis 28. Sich selbst beschrieb er als «Schweizer, 77 Jahre alt, gesund und abenteuerlustig». Er lebe derzeit auf den Philippinen - und zwar «mit einem Freund». Die angegebene Wohnadresse von E. und seinem «Freund»: Die Adresse in den Xavier Estates in Cagayan de Oro, wo er mit seiner Ex-Frau Teresita wohnte.

Balthasar versprach einer möglichen Partnerin: «Meine Traumfrau kann mit mir in die Schweiz kommen, dort die Schule besuchen und ein schönes Leben führen, zum Beispiel fremde Länder besuchen und Ferien machen.» Auch an den Lebensabend hatte er schon gedacht: «Später, wenn ich vielleicht nicht mehr so gut reisen kann, können wir zusammen an einem gemütlichen Ort leben und die schönen Seiten des Lebens geniessen.»

Im Yasay Beach Resort war E. mit der 18-jährigen Rowelyn Jane zusammen. Laut Medienberichten ist sie die Nichte seiner Ex-Frau Teresita. Diese wiederum soll mittlerweile die Partnerin des zweiten Mordopfers Robert L., einem Zürcher Financier, gewesen sein.

Auslandschweizer: «Wie man sich bettet, so liegt man»

Viele Schweizer leben seit Jahren unbehelligt auf den Philippinen. In der Schweizer Gemeinde herrscht Aufregung wegen der Verbrechen. «Niemand hat Verständnis für solche Typen, die jungen Girls nachjagen», sagt ein Schweizer, der nicht genannt werden will. Vor Ort, sei man sich einig, «dass es sich um ein Eifersuchtsdrama handelt», oder dass das «Auftreten der Schweizer» ein Problem gewesen sei. Ein anderer Schweizer, der seit Jahrzehnten auf den Philippinen lebt, sagt zu 20 Minuten: «Man darf nicht vergessen, dass die Philippinen ein von Armut geprägtes Entwicklungsland sind. Die meisten solcher Morde sind Vermögens- oder Beziehungsdelikte.» Er fügt an: «Es ist leichtsinnig für ältere Schweizer, mit ihrem ganzen Vermögen hierherzukommen und dann an die falsche Partnerin zu geraten.»

«Das sind zum Glück Ausnahmen», hält er fest. «Es gibt in unserem Freundeskreis unzählige glückliche Beziehungen zwischen Ausländern und Philippinas. Ich selbst bin seit über 30 Jahren verheiratet und habe auch zu meiner Schwiegerfamilie ein sehr herzliches Verhältnis.» Abschliessend sagt der Auswanderer: «Es ist halt wie immer: wie man sich bettet, so liegt man. Man kann hier sehr gut leben.»

*Namen der Redaktion bekannt

Australien erhöht Reisewarnung für Mindanao

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) warnt spezifisch vor Reisen in bestimmte Provinzen der Insel Mindanao. Allgemein gelte: «Klären Sie bei Aufenthalten in den anderen Teilen Mindanaos vorgängig mit Ihrer lokalen Bezugsperson die aktuelle Sicherheitslage ab und befolgen Sie deren Ratschläge.» Die Provinz Misamis Oriental, wo der Mord an den beiden Schweizern geschah, gehört laut EDA zu diesen «anderen Teilen Mindanaos».

Das ist in Australien seit Freitag, 9. Oktober 2014 anders: Der Reisestatus für australische Bürger in diese und andere Provinzen wurde geändert: von «seien Sie sehr vorsichtig» zu «überdenken Sie Ihre Reisepläne». Der angegebene Grund auf der Reiseinformationsseite der australischen Behörde: «Sehr hohe Gewaltverbrechensrate und grosse Gefahr von terroristischen Anschlägen.»

Deine Meinung