Tod in der Karibik: Ermordetes Paar verkaufte Schönheit
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Tod in der KaribikErmordetes Paar verkaufte Schönheit

Die beiden Schweizer, die in der Dominikanischen Republik ermordet wurden, waren geschäftlich in der Karibik. Sie vermittelten Touristen Schönheits-OPs.

von
kle / ann
Ein Strand in Boca Chica, Dominikanische Republik.

Ein Strand in Boca Chica, Dominikanische Republik.

Der Mord am 47-jährigen Olivier G. und der 66-jährigen Johanna B. scheint geklärt zu sein. Die zwei Schweizer wurden in der Nacht auf Freitag von einem Gangster brutal ermordet und ausgeraubt. Die alarmierte Polizei fand die Leiche der Frau auf der Terrasse, ihr Partner lag tot auf dem Sofa: Die beiden waren mit einer Eisenstange erschlagen worden. Wie Oberleutnant Richard De Los Santos gegenüber 20 Minuten Online ausführte, vergewaltigte der 28-jährige Täter die Schweizerin sogar noch, nachdem er sie umgebracht hatte.

Um den Tod der beiden ranken sich in den lokalen Zeitungen zahlreiche Schauergeschichten. So werden der Haupttäter und sein ebenfalls verhafteter Komplize als Serientäter dargestellt, die bereits 10 Touristen ermordet haben sollen. «Das sind alles Unwahrheiten, es waren nur Raubüberfälle, keine Morde», stellt De Los Santos klar.

Zahnbehandlungen in der Karibik

Wie die dominikanische Zeitung «Hoy» berichtet, soll das Schweizer Paar öfter im Ferienparadies Boca Chica in Bars gesehen worden sein. Recherchen von 20 Minuten Online haben ergeben, dass der Lausanner Zahnarzt Olivier G. und seine Partnerin schon länger regelmässig dort ihre Ferien verbrachten.

Seit kurzem haben sie offenbar versucht, auch geschäftlich auf der paradiesischen Insel Fuss zu fassen: Auf einer Homepage wirbt die Lausanner Firma von Olivier G. mit Zahnbehandlungen und Schönheitsoperationen vor Ort. «Verbinden sie den medizinischen Eingriff mit einem verlängerten Aufenthalt. Boca Chica, Dominikanische Republik – die paradiesische Insel mit weissem Strand und durchsichtig blauem Wasser.» Die Behandlung, so verspricht der Zahnarzt, komme in der Dominikanischen Republik 30 bis 50 Prozent günstiger.

Nach einem Sturz invalid

Hintergrund dieses neuen Business von Olivier G. ist offenbar ein Schicksalsschlag vor rund einem Jahr. Der damals 46-Jährige, der seit über 10 Jahren als Schulzahnarzt mit einem Bus von Gemeinde zu Gemeinde fuhr, um die Zähne von Schulkindern vor Ort zu untersuchen, stürzte zu Hause beim Einsetzen einer Glühbirne vom Stuhl und verletzte sich schwer am Rücken. «Seither konnte er nicht mehr arbeiten und hat IV-Unterstützung beantragt», erklärte eine Mitarbeiterin der Schulzahnklinik in Nyon gegenüber 20 Minuten Online.

Den neuen Plänen des Lausanner Zahnarztes hat der mutmassliche Täter Eliezer De Soto nun ein jähes Ende bereitet. Derzeit kümmern sich die Schweizer Botschaft in Santo Domingo und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) um die Belange des ermordeten Paares.

EDA bestätigt die Identität der Opfer

Das EDA hat die Nationalität der Opfer inzwischen bestätigt. Gegenüber 20 Minuten Online erklärt EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger: «Das EDA verfolgt den Fall und kollaboriert mit den lokalen Behörden bei den Ermittlungen.» Zudem biete es den Angehörigen konsularischen Schutz an und kümmere sich um zahlreiche Belange wie die Beschaffung der Todesurkunde oder der benötigten Dokumente für den Transport der Leichen und helfe auf Wunsch auch bei der Repatriierung der Leichen.

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