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Grübel-NachfolgeErmotti startet bei der UBS aus der Poleposition

UBS-intern ist das Rennen um den Posten als CEO für Sergio Ermotti wohl gelaufen - sofern bei den Panama-Mandaten des Tessiners nichts Schmutziges zum Vorschein kommt.

von
Lukas Hässig

Dass Zweifel am neuen UBS-CEO gesät werden, hat sich die Grossbank selber zuzuschreiben. Sie hatte es verpasst, rechtzeitig einen klaren Nachfolger für den gescheiterten Oswald Grübel zu küren.

Nun schiessen die Personalgerüchte ins Kraut. Der «Tages-Anzeiger» lanciert heute Hugo Bänziger, ein Appenzeller Risiko-Topshot bei der Deutschen Bank, der zuvor schon vom deutschen Handelsblatt ins Spiel gebracht wurde. Bänziger winkte jedoch am Montag ab. Er habe keine Absicht die Deutsche Bank zu verlassen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Die Financial Times macht derweil Werbung für Bill Winters, die frühere Nummer Zwei der amerikanischen Grossbank JP Morgan.

Ermotti-Gegner als Hirngespinste

Hinter den Artikeln dürfte der Wunsch von Headhuntern, Beratern und einflussreichen Bankern stehen, UBS-Interims-Chef Sergio Ermotti mit einem eigenen Favoriten vom Thron zu stürzen.

Vermutlich bleibt es beim Versuch. Wenn sich Ermottis eigenartige VR-Mandate bei Panama-Gesellschaften nicht doch noch als zu lusch erweisen sollten, dürfte er das Rennen machen.

Vor allem aus drei Gründen: Ermotti ist der Wunschkandidat des UBS-Verwaltungsrats, auch wenn er erst interimistisch bestimmt ist. Doch die Zeit läuft für den 51-jährigen Tessiner. Er ist dem VR der Grossbank seit einem halben Jahr, als er von aussen zur Bank stiess, vertraut. Nun kann Ermotti in den nächsten Monaten zeigen, was er drauf hat.

Zweitens wirkt die initiierte externe Suche nach einem allfälligen Konkurrenten für Ermotti nicht wirklich ernst gemeint. Der UBS-VR hat die bekannte Headhunter-Agentur Zehnder beauftragt, Kandidaten zu prüfen. Zehnder will aber sicher eines nicht: die UBS als wichtige Auftraggeberin vergraulen. Also wird Zehnder kaum Kandidaten präsentieren, die dem Favoriten des VRs gefährlich werden könnten. «Mit dem Zehnder-Suchmandat sind die Würfel zugunsten von Ermotti gefallen», sagt denn auch ein Investmentbanker, der die UBS kennt.

Drittens wirkt Ermotti nicht wie eine Verlegenheitslösung. Er stiess im Frühling als möglicher CEO-Kandidat zur UBS. Wäre Grübel ein Jahr länger geblieben, hätte Ermotti sowieso gute Chancen gehabt, dessen ordentlicher Nachfolger zu werden.

Unbeschriebenes Blatt

Somit ist es also vor allem der vorgezogene Zeitpunkt seiner Wahl, den Ermotti schwächt. Fachlich sind bisher nämlich keine lauten Kritiker ans Tageslicht getreten. Es gibt zwar Stimmen aus London, die Ermottis Zeit in Spitzenfunktionen bei der italienischen Grossbank Unicredit und der US-Investmentbank Merrill Lynch nicht als berauschend bezeichnen.

Doch es gibt praktisch keinen Investmentbanker, der unbeschädigt durch die Finanzkrise gekommen ist, mit Ausnahme vielleicht von Josef Ackermann von der Deutschen Bank (obwohl auch sein Institut Federn lassen musste) und Jamie Dimon von JP Morgan.

Was will Ermotti mit der Investmentbank?

Ein interner UBS-Manager, der mit der Nachfolgefrage vertraut ist, sagt denn auch im Gespräch, dass Ermotti das Rennen machen dürfte. «Intern drängt sich sonst keiner auf, und extern sind auch nur Leute im Gespräch, die es bisher nicht ganz an die Spitze geschafft haben», sagt die Quelle.

Die UBS wird somit aller Voraussicht nach von Sergio Ermotti in die nächste Zukunft geleitet. Die nächste grosse Frage ist somit nicht, wer definitiver CEO wird, sondern, wohin Ermotti wirklich will. Soll die Investmentbank tatsächlich gross bleiben, oder sind solche Aussagen nur gedacht, um die verunsicherten Investmentbanker bei der Stange zu halten? Spätestens Mitte November muss Ermotti am Investor's Day der UBS die Antwort liefern.

Panama-Mandate

Nach dem Wechsel auf dem Chefsessel der UBS wurde Ermotti in Medienberichten wegen Mandaten bei anderen Gesellschaften kritisiert - namentlich bei solchen mit Sitz im Steuerparadies Panama. Daraufhin wurde bekannt, dass Ermotti seine privaten Verwaltungsratsmandate abgeben will. Die Übergabe der Mandate in neue Hände wird rasch, aber geordnet stattfinden, wie aus einer Medienmitteilung der UBS hervorgeht.

(sda/whr)

Hugo Bänziger winkt ab

Inmitten von Spekulationen um die Neubesetzung des UBS-Chefpostens hat ein bisher heiss gehandelter Kandidat am Montag sein Desinteresse am Erbe von Oswald Grübel bekundet. Der Schweizer Hugo Bänziger will in Frankfurt bleiben.

«Ich stehe voll zur Deutschen Bank und habe keine Absicht, diese zu verlassen», sagte Bänziger der Nachrichtenagentur Reuters. Bei der Deutschen Bank ist der 1956 geborene Manager oberster Risikoverantwortlicher. Diese Erfahrung war ein Grund dafür, dass sein Name genannt wurde: Nach dem Milliardenverlust der UBS in London Mitte September muss die UBS die Risikokontrollen stärken.

(sda)

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