Analyse: Ermotti wagt, was sich Grübel nicht traute
Aktualisiert

AnalyseErmotti wagt, was sich Grübel nicht traute

Am Dienstagmorgen dürfte UBS-Chef Sergio Ermotti ankündigen, wovor alle Vorgänger zurückschreckten: Er zerlegt die Investmentbank und stellt die Vermögensverwaltung ins Zentrum seiner Bank.

von
Lukas Hässig
Sergio Ermotti (links) und sein Vorgänger Oswald Grübel.

Sergio Ermotti (links) und sein Vorgänger Oswald Grübel.

Am Dienstagmorgen kommt es zum grossen Paukenschlag: UBS-Chef Sergio Ermotti dürfte dann den grössten Umbau in der Geschichte der UBS seit 15 Jahren präsentieren. Damals fusionierte die Bank zum neuen Multi. Jetzt dürfte sie ihre Investmentbank-Ambitionen über Bord werfen. Ironischerweise ist es mit Ermotti ausgerechnet ein Investmentbanker, der das Steuer herumreisst, 10 000 Jobs abschneidet und die Risiken massiv herunterfährt.

Das wäre eigentlich von Vorgänger Oswald Grübel zu erwarten gewesen. Doch Grübel, lange ein vehementer Kritiker der Dominanz der angelsächsischen Investmentbanker bei den beiden Schweizer Grossbanken, setzte ab 2009 nochmals auf riskantes Trading bei der UBS. Erst mit dem Adoboli-Crash vor Jahresfrist endete Grübels Traum einer grossen Investmentbank.

Ermottis U-turn ist historisch. Er eröffnet der gebeutelten UBS die Chance, endlich wieder eine Zukunft als grosse, zuverlässige und erfolgreiche Vermögensverwaltungsbank zu haben.

Zwanzig Jahre Irrungen

Das Abenteuer Investmentbanking begann vor zwanzig Jahren. Damals setzte der Chef des UBS-Vorgängerinstituts Bankverein, Marcel Ospel, alles auf die Karte des globalen Handelsgeschäfts. Als Ospel das Geld ausging, machte er den Deal seines Lebens. Er fusionierte seinen kleinen Bankverein mit dem «fetten» Sparschwein UBS. Die viel reichere Bankgesellschaft war damals durch einen Derivateverluste, der dem aktuellen mit Adoboli ähnelte, temporär geschwächt.

Mit der reichen UBS im Sack machte sich Ospel auf nach Übersee, kaufte für zwanzig Milliarden den US-Broker Paine Webber und übergab das Kommando den smarten Selbstvermarkter in der Investmentbank.

Angelsachsen setzten alles auf Subprime

Dies waren Amerikaner und Engländer, die wie gute Söldner funktionierten. Sie taten, was ihr Auftraggeber von ihnen verlangte, und machten dafür die hohle Hand. Auftraggeber Ospel forderte den ersten Platz im weltweiten Investmentbanking. Basis für den rückblickend irrwitzigen Plan bildete die Vermögensverwaltung. Die dort verdienten Milliarden wurden auf amerikanische Subprime-Papiere und andere Risiko-Investments gesetzt.

2008 stand die UBS vor dem Ruin. Sie überlebte nur dank der Hilfe des Steuerzahlers. Die Ospel-Nachfolger scheuten sich trotz der horrenden Verluste, die Investmentbanker an die Kandare zu nehmen. Unter Grübel erlebten diese gar einen nächsten Höhenflug.

Applaus der Investoren – grosse Risiken

Ermotti entpuppt sich in den elf Monaten am Ruder der UBS als cleverer Politiker, der den mächtigen Widerstand der Angelsachsen in der Investmentbank gebrochen hat. Wichtig war UBS-Präsident Axel Weber. Er weiss aus seiner Zeit als deutscher Spitzen-Notenbanker, wie eine grosse Investmentbank ausser Rand und Band geraten kann. Den Applaus der Investoren hat Ermotti auf sicher. Am Montagmorgen jubelte die Börse in Erwartung des massiven Rückbaus der UBS-Investmentbank.

Der UBS-Rückbau ist aber ein langer Weg, denn Ermotti hat erst einen Plan. Insbesondere kann von aussen niemand sagen, was für Papiere und Risiken im abgespaltenen Zinsgeschäft schlummern. Es war dort, wo die UBS 2008 ihr Waterloo erlitten hatte, mit Verlusten von insgesamt über 50 Milliarden Dollar und mehreren Not-Kapitalaufnahmen. Seither gilt die einst sicherste und beste Bank der Welt nur noch als Mittelmass.

Immer noch schlummern viele Derivate in den Büchern der UBS. Was passiert mit diesen riskanten Positionen, wenn klar ist, dass die Schweizer sie verkaufen will? Und wer kümmert sich ums Abschmelzen? Womöglich werden die hierfür benötigten Spezialisten die UBS bei erstbester Gelegenheit verlassen und zu jener Konkurrenz wechseln, die im Zinsgeschäft eine grosse Nummer bleiben will.

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