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Erneut mysteriöses Walsterben

Seite an Seite liegen die 55 grauen Riesen am Opoutere-Strand auf Neuseelands Nordinsel wie polierter Granit, feucht schimmernd und tot.

Für die Grindwale kam jede Hilfe zu spät, nachdem sie bereits am Sonntag aus mysteriösen Gründen an Land geraten waren; 20 ebenfalls gestrande Artgenossen hatten Freiwillige bis zum Dienstag in einer verzweifelten Rettungsaktion noch ins Meer zurückgebringen können.

Erst am Wochenende waren im Süden Australiens rund 120 Grindwale und Delfine gestrandet und verendet, nun wiederholt sich das Drama in Neuseeland. Und Experten rätseln wieder einmal, was die Tiere in den Tod trieb.

Tiere im Stress

«Sie waren enormem Stress ausgesetzt, weil sie möglicherweise zwölf Stunden nicht im Wasser waren», sagte Rob Chappell vom neuseeländischen Umweltschutzministerium (DOC) im Fernsehen.

Unmittelbar nachdem die bis zu sechs Meter langen Tiere am Montag gefunden worden waren, hatten Dutzende Freiwillige die meisten der noch lebenden Wale in die See zurückbugsieren können.

Für drei besonders schwache Meeressäuger hielten die Helfer bei bitterer Kälte Nachtwache und besprengten sie mit Wasser. Am Morgen hatten sich zwei von ihnen ausreichend erholt, um davonzuschwimmen. Den letzten Wal aber mussten die Behörden schliesslich einschläfern lassen.

Friedliche Tiere

«Wale sind recht friedlich. Sie können auch aufgeregt werden. Aber wenn man ruhig mit ihnen umgeht, sie zwölf Stunden lang feucht hält und auf die nächste Flut wartet, gewöhnen sie sich an Menschen», sagte John Gaukrodger vom Umweltministerium der neuseeländischen Nachrichtenagentur NZPA.

Die Behörde liess von einem Helikopter aus überwachen, dass die geretteten Säuger nicht wieder gefährlich nahe an den fünf Kilometer langen Strand geraten.

Experten können nur mutmassen, was die Tiere in die lebensgefährliche Lage brachte. Es sei allerdings nicht ungewöhnlich, dass Grindwale schon einmal die Orientierung verlieren, sagt DOC-Walexperte Rob Suisted.

Schon bei dem Massentod der 92 Wale und 25 Delfine rund um die südaustralische Insel Tasmanien am Wochenende war über die Ursachen gerätselt worden. Als denkbar gilt, dass sie sich auf der Suche nach Futter verirrten oder vor einem Angriff flüchteten. Einen Zusammenhang zwischen dem dutzendfachen Sterben der Säuger in beiden Ländern hielten Experten unterdessen für unwahrscheinlich.

Grab für Meeressäuger

Helfern und Behördenmitarbeitern am Opoutere-Strand in Neuseeland blieb am Dienstag nur noch, die 55 verendeten Wale zu begraben.

Ein Stammesältester aus einer nahen Siedlung der Maori- Ureinwohner, die die Tiere als heilig verehren, segnete die Kadaver, bevor Traktoren sie in gewaltige Gruben in den Dünen zogen. Dem Brauch der Maori folgend, wurden die Wale mit der Schnauze zum Meer begraben.

(sda)

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