Geburten in der Schweiz: Erneut Rekordwerte – der Babyboom setzt sich fort
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Geburten in der SchweizErneut Rekordwerte – der Babyboom setzt sich fort

Jedes Jahr kommen in der Schweiz noch mehr Babys auf die Welt. Auch 2015 verzeichnen viele Spitäler wieder einen Rekord. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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In der Schweiz kommen jährlich immer mehr Babys zur Welt.

In der Schweiz kommen jährlich immer mehr Babys zur Welt.

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Der seit zehn Jahren anhaltende Babyboom in der Schweiz hält an: 2015 wurde in verschiedenen Spitälern wieder ein Höchstwert erreicht – die Kliniken der Insel-Gruppe Bern haben den Vorjahresrekord sogar so deutlich gebrochen wie noch nie.

Auch Mehrlingsgeburten gab es mehr denn je: Die Vorjahreszahl von 101 wurde mit 118 Zwillingsgeburten überboten. Und es gab elf Drillingsgeburten, so viele wie noch nie

«So viele Geburten hatte das USZ letztmals 1968»

Am Universitätsspital Zürich (USZ) ist die Zahl der neugeborenen Kinder dieses Jahr ebenfalls deutlich angestiegen. So wurde dort die Geburtenzahl vom letzten Jahr (2911) schon vor Weihnachten überschritten. Dieses Jahr kamen bis am Mittwochmittag genau 2989 Kinder zur Welt.

Vor einem Jahr am 30. Dezember waren es nur 2906 Geburten gewesen. Allenfalls werde bis Ende Jahr die Zahl von 3000 Geburten erreicht, sagt Sprecher Claudio Jörg auf Anfrage. «So viele Geburten hatte das USZ letztmals 1968.»

Auch Basel und St. Gallen verzeichnen Höchstwerte

Die Zahl der Geburten nimmt auch am Universitätsspital Basel kontinuierlich zu. Am Mittwochmorgen waren seit Jahresbeginn exakt 2503 Kinder zur Welt gekommen. «Dies ist der höchste Wert seit 1973», so Sprecher Martin Jordan.

Ähnlich klingt es in St. Gallen: Bereits 2014 war mit 1500 Neugeborenen ein Rekordjahr für die Geburtsstation der Frauenklinik des Kantonsspitals. Einen gleich hohen Wert gab es letztmals im Jahr 1972. Nun zeichnet sich für das Jahr 2015 erneut ein Rekord ab. Bis Ende Jahr dürften am Kantonsspital St. Gallen gegen 200 Säuglinge mehr das Licht der Welt erblickt haben als noch im Vorjahr.

Schweizerinnen bekommen mehr Babys

Doch woher kommen die vielen Babys? Gemäss dem Bundesamt für Statistik ist die Schweiz das einzige Land in Europa, das bei den Geburten eine derartige Entwicklung kennt. Grund für den Anstieg ist hauptsächlich das Bevölkerungswachstum, denn die Geburtenziffer blieb in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant.

Jordan sagt, am Unispital Basel würden vermehrt in der Schweiz wohnhafte Frauen mit Migrationshintergrund Kinder gebären. Auch schweizweit liegt die Geburtenziffer der Ausländerinnen (1,87) noch immer deutlich über jener der Schweizerinnen (1,43).

«Geburtenzunahme bei Schweizerinnen»

Daniel Surbek, Berner Chefarzt Geburtshilfe und Co-Direktor der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, sagt allerdings, die Ausländerinnen spielten keine entscheidende Rolle beim diesjährigen Babyboom. «Wir beobachten eher eine Geburtenzunahme bei den Schweizerinnen.»

Viele Familien wollten heutzutage bis zu drei oder sogar vier Kinder. «Früher war oft bereits nach dem zweiten Schluss», so Surbek. Dies habe seiner Meinung nach vor allem mit den Möglichkeiten zu tun, die eine Mutter mittlerweile habe. Die Bedingungen hätten sich enorm gebessert. «Kitas, Teilzeitarbeit und vor allem auch Männer, die zupacken wollen, sind hier ausschlaggebend.»

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