Jemen: Erneute Angriffe auf Huthi-Stellungen

Aktualisiert

JemenErneute Angriffe auf Huthi-Stellungen

Obwohl Saudi-Arabien das Ende der Luftkampagne verkündet hat, gab es im Jemen bereits neue Angriffe auf Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen.

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Am Dienstag kündigte Saudi-Arabien an, die Bombenkampagne gegen die schiitischen Huthi-Rebellen einzustellen.

Am Dienstag kündigte Saudi-Arabien an, die Bombenkampagne gegen die schiitischen Huthi-Rebellen einzustellen.

Keystone/AP/Hani Mohammed
Doch bereits am Mittwoch gab es erneute Luftangriffe.

Doch bereits am Mittwoch gab es erneute Luftangriffe.

Keystone/AP/Hani Mohammed
Die Rebellen hatten nach der Verkündung des Endes der Bombenangriffe zu Protesten gegen die «Aggression» Saudi-Arabiens aufgerufen.

Die Rebellen hatten nach der Verkündung des Endes der Bombenangriffe zu Protesten gegen die «Aggression» Saudi-Arabiens aufgerufen.

Keystone/Stringer

Saudi-Arabien und seine Partner haben trotz des selbst verkündeten Endes der fast einen Monate dauernden Luftangriffe die Huthi-Rebellen im Jemen weiter bombardiert. Nach Angaben jemenitischer Sicherheitskreise wurden Positionen der schiitischen Huthis in den Städten Tais und Aden ins Visier genommen. Insbesondere in Tais tobten heftige Strassenkämpfe. Dutzende Menschen auf beiden Seiten seien getötet worden, hiess es. Die Rebellen zeigten sich offen für eine politische Lösung des Konflikts.

Sie seien für die Wiederaufnahme des Dialogs und für jedes Bestreben unter Federführung der Vereinten Nationen, das zu einem friedlichen Kompromiss führe, teilten die Rebellen mit. Tausende wütende Anhänger der Huthis zogen am Mittwoch durch die Hauptstadt Sanaa und verurteilten die «saudisch-amerikanische Aggression».

Drohne soll sieben Al-Kaida-Kämpfer getötet haben

Auf Sanaa gab es das erste Mals seit vier Wochen keine Luftangriffe. Saudi-Arabien hatte am Dienstag das Ende der Operation «Entscheidender Sturm» verkündet. Der Sprecher der Koalition, Brigadegeneral Ahmed Assiri, schränkte allerdings ein, die Luftangriffe würden nur zurückgefahren. Er wollte nicht bestätigen, dass sie gänzlich eingestellt würden. Iran begrüsste die Ankündigung. Nun müsse die jemenitische Krise in «politischer Zusammenarbeit» gelöst werden, sagte die Teheraner Aussenamtssprecherin Marsieh Afcham.

Aus der östlichen Provinz Hadramaut meldeten jemenitische Sicherheitskreise einen mutmasslichen US-Drohnenangriff, der sieben Al-Kaida-Kämpfer getötet habe. Sie seien in der Provinzhauptstadt Mukalla in ihrem Auto von einem Geschoss getroffen worden. Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel hatte im März Mukalla erobert und sich dort mit Stammeskämpfern verbündet.

Präsident und Verteidigungsminister freigelassen

Überraschend liessen die Huthis einen Bruder des nach Saudi-Arabien geflüchteten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi sowie dessen Verteidigungsminister Mahmud al-Subaih und einen Militärkommandanten nach einem Monat frei. Beobachter deuteten dies als mögliches Zeichen dafür, dass es zwischen den Rebellen und ihren Verbündeten sowie Hadi eine - wie auch immer geartete - Einigung geben könnte.

Der international als Präsident anerkannte Hadi war Ende März vor den anrückenden Huthis aus Aden nach Saudi-Arabien geflohen. Daraufhin startete Saudi-Arabien am 26. März mit verbündeten sunnitischen Staaten die Luftangriffe, um die Huthis zu schwächen und sie an den Verhandlungstisch zu bringen.

Der saudi-arabische Brigadegeneral Assiri sagte, in der nun anlaufenden Phase «Erneuerung der Hoffnung» gehe es darum, Angriffe der Rebellen auf Zivilisten zu verhindern und das Land wiederaufzubauen. Das Königreich will zudem Hilfs- und Rettungsaktionen im Jemen fördern.

944 Tote, 3500 Verletzte

Die aus dem Norden stammenden Huthis haben seit September immer grössere Teile des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht. Die Kämpfe zwischen ihnen und Hadi-Getreuen gelten als Stellvertreterkrieg zwischen der schiitischen Regionalmacht Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien.

Mit den Huthis haben sich Anhänger des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih verbündet, der immer noch über grossen Einfluss beim Militär verfügt. Salihs Volkskongresspartei hatte sich am Sonntag offen für den Waffenstillstand und die Friedensverhandlungen gezeigt, die der UN-Sicherheitsrat kürzlich in einer Resolution forderte.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation starben seit Beginn der Luftangriffe im Jemen mindestens 944 Menschen, 3500 wurden verletzt. (sda)

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