Erneute Schlappe für Gordon Brown
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Erneute Schlappe für Gordon Brown

Nach der schweren Schlappe bei der Kommunalwahl Anfang Mai hat die britische Labour Party von Premierminister Gordon Brown ein neues Debakel erlitten. Kommt jetzt Browns Rücktritt?

Bei einer Nachwahl in Crewe und Nantwich setzte sich der Kandidat der oppositionellen Konservativen mit deutlicher Mehrheit durch. Das am Freitagmorgen veröffentlichte Ergebnis galt als besonders niederschmetternd, da dieser Wahlkreis im Nordwesten Englands seit 25 Jahren von der Regierungspartei gehalten und als absolut sicher eingestuft wurde.

Der siegreiche Tory-Kandidat Edward Timpson erzielte rund 20.500 Wählerstimmen. Auf seine Labour-Konkurrentin Tamsin Dunwoody entfielen fast 8.000 Stimmen weniger. Zuletzt hatte Dunwoodys Mutter Gwyneth diesen Wahlkreis mit einer Mehrheit von rund 7.000 Stimmen gewonnen, was den Umschwung in der öffentlichen Meinung zusätzlich verdeutlicht. Gwyneth Dunwoody, die den Wahlkreis seit 1983 gehalten hatte, starb im April im Alter von 77 Jahren.

Beobachter werteten das Ergebnis als wegweisend für die nächste Unterhauswahl, die spätestens 2010 stattfinden muss. Sollte sich dabei der Trend von Crewe und Nantwich wiederholen, würden die Konservativen fast fünf Mal so viele Wahlkreise gewinnen wie die Labour Party. Zwar gelten Nachwahlen stets als Unmutsbekundungen, die sich bei nationalen Wahlen nicht im selben Ausmass wiederholen. Dennoch dürfte der Triumph der Konservativen neuerliche Rufe nach einem Rücktritt Browns laut werden lassen. Der Premierminister steht seit den verlorenen Kommunalwahlen auch in seiner eigenen Partei stark unter Druck steht.

Brown sieht Wirtschaftslage als Auslöser

Brown erklärte am Freitag, die Wähler hätten offensichtlich ihrer Sorge über die derzeit hohen Lebenshaltungskosten Ausdruck verschafft. Steigende Preise für Nahrungsmittel, Benzin, Gas und Elektrizität hätten die Menschen in Grossbritannien verunsichert. Er werde sich deshalb stärker denn je für eine Verbesserung der Wirtschaftslage einsetzen, betonte Brown. Zuvor war bekanntgeworden, dass das britische Inlandsprodukt im letzten Quartal 2007 und im ersten Quartal 2008 um lediglich 0,4 Prozent gestiegen war - der niedrigste Wert seit drei Jahren.

Auf die Mehrheitsverhältnisse im Unterhaus hat das Nachwahlergebnis keinerlei Einfluss - Labour liegt weiterhin mit gut 60 Mandaten vor allen anderen Parteien in Führung. Dennoch dürfte die Autorität von Brown weiteren Schaden genommen haben. Der Chef der Konservativen, David Cameron, versprach am Freitag, seine Partei werde die tausenden Wähler, die jetzt erstmals für die Tories gestimmt hätten, nicht enttäuschen. (dapd)

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