Todesraser: Erneutes Rennen führt nicht zu härteren Strafen
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TodesraserErneutes Rennen führt nicht zu härteren Strafen

Sie zeigen sich unverbesserlich: Zwei Schönenwerd-Raser haben erneut Verkehrsdelikte begangen. Jetzt sitzen sie wieder vor dem Richter. Härter bestraft werden dürfen sie deswegen nicht.

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ann/meg/sda

Zwei Tage, nachdem bekannt wurde, dass die Schönenwerd-Raser Vedran B. und Cemal A. erneut Verkehrsdelikte begangen haben, sitzen sie heute Montag wieder vor dem Richter in Olten. Der Prozess um den tödlichen Raserunfall im November 2008 wird mit den Plädoyers fortgesetzt. Es geht um den Tod von Lorena W.

Nach den jüngsten Ereignissen stellt sich die Frage: Werden sich die neuen Verfehlungen der offenbar unverbesserlichen Raser auf das Strafmass im Oltner Prozess auswirken? Strafrechtsprofessor und SP-Nationalrat Daniel Jositsch sagt, dass «grundsätzlich das Nachtatverhalten immer eine Rolle spielt». Konkret: Hätten sich die Raser nichts mehr zu Schulden kommen lassen, hätten sie so signalisieren können: «Wir haben unsere Lektion gelernt.» Gemäss Jositsch hätte dies einen positiven Effekt erzeugen können: «Wer eine günstige Prognose hat, kann mit einer Strafmilderung rechnen.»

Beweisaufnahme abgeschlossen

Die Strafmilderung dürften sich Vedran B. und Cemal A. mit ihrem Rückfall verspielt haben. Härtere Strafen müssen sich die beiden Raser im laufenden Prozess aber nicht befürchten. Das Nachtatverhalten dürfe sich laut Gesetz nicht strafverschärfend auswirken, sagt der Strafrechtsprofessor. In der Vergangenheit habe es allerdings auch Fälle gegeben, in denen sich dieses Nachtatverhalten strafverschärfend ausgewirkt habe.

Wie es sich in diesem Fall verhält, hat der Gerichtsvorsitzende in Olten heute Morgen klargestellt: «Ich stelle fest, dass die erneuten Vorkommnisse in diesem Prozess keine Rolle spielen», sagte Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei zu Beginn der Verhandlung. Der Staatsanwalt klärt in der Pause die Journalisten auf: «Die Beweisaufnahme ist am dritten Prozesstag, dem Mittwoch, abgeschlossen worden. Darum wird dieses Verhalten nicht mehr berücksichtigt», sagt Rolf von Felten.

Initiative zum Schutz vor Rasern

Geäussert zu dem Zwischenfall haben sich am Wochenende die Politiker. Franziska Teuscher sagte: «Diese Männer sind sich ihrer Tat nicht bewusst. Solche unreife Menschen sollten nicht mit einem Auto unterwegs sein dürfen», so die grüne Nationalrätin. Und FDP-Nationalrat Peter Malama fordert: «Solchen Personen gehört lebenslänglich der Fahrausweis entzogen.»

Ein Unfall mit Folgen

Am 8. November 2008 verursachen Nekti T., Vedran B. und Cemal A. in Schönenwerd SO einen schweren Verkehrsunfall. Die drei Männer sind mit übersetzter Geschwindigkeit unterwegs. Nekti T. donnert schliesslich ungebremst in einen roten Golf. Dabei kommt die 21-jährige Schweizerin Lorena W. ums Leben. Sie sass auf dem Rücksitz des korrekt fahrenden Autos. Ein heute 61-jähriger Mann und seine 64-jährige Ehefrau wurden verletzt.

Kurz nach dem tödlichen Unfall kündigte die Strassenvereinigung RoadCross eine Volksinitiative zum Schutz vor Rasern an. Die Raserinitiative wurde im April lanciert und fordert unter anderen Gefängnisstrafen für Raser und lebenslänglichen Billetentzug im Wiederholungsfall.

Der Prozess gegen die Schönenwerd-Raser startete im September. Noch während der Verhandlung begehen Vedran B. und Cemal A. erneut Verkehrsdelikte. Vedran B. fährt trotz Fahrausweisentzug wieder Auto. Cemal A. wird als Beifahrer bei einem Raserrennen verhaftet. (meg)

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