Priklopils Beichte: Ernst H. wusste von Natascha Kampusch
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Priklopils BeichteErnst H. wusste von Natascha Kampusch

Am Freitag wurde der ehemals beste Freund von Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil über neun Stunden lang verhört. Jetzt wird bekannt: Ernst H. hat gestanden, dass er kurz vor dem Selbstmord Priklopils von Natascha erfuhr.

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Neue Wende im Fall Kampusch: Der beste Freund von Entführer Wolfgang Priklopil hat nach mehr als drei Jahren sein Schweigen gebrochen. Wie krone.at berichtet, habe Ernst H. auf Anraten seines Anwalts Manfred Ainedter gestanden, dass Priklopil ihm kurz vor dem Freitod von der Entführung und der achtjährigen Gefangenschaft Natascha Kampuschs erzählt hatte.

Aussage geändert

H. hatte bislang angegeben, nichts von Natascha gewusst zu haben. Er habe am Tag von Nataschas Flucht im August 2006 mit seinem besten Freund nur kurz im Auto gesprochen, hatte er ausgesagt. Priklopil habe ihn damals von einer angeblichen Flucht im Alkohol-Rausch vor der Polizei erzählt und Natascha mit keinem Wort erwähnt. Wie sich nun herausstellt, war das eine Falschaussage.

In der neuen Version sagte H. nun aus, dass Priklopil ihm in einem drei Stunden langen Gespräch von Nataschas Gefangenschaft, vom Verlies im Keller und ihrer gelungenen Flucht berichtet hatte: «Ja, Wolfgang hat mir in einer Lebensbeichte alles erzählt», verriet er im neunstündigen Verhör im Bundeskriminalamt. Anwalt Ainedter bestätigte gegenüber oe24.at: «Es stimmt, Priklopil hat meinem Mandanten an diesem Nachmittag alles erzählt.»

Nun könnten H. bis zu fünf Jahren Haft drohen - weil er weder den Selbstmord Priklopils zu verhindern versuchte, noch die Polizei alarmierte. Der Staatsanwalt muss entscheiden, ob er gegen den Ingenieur Anklage wegen Mithilfe zum Selbstmord erhebt. Ausserdem soll es zwischen H. und Priklopil fragwürdige Geldtransfers gegeben haben. H. wird in der Causa als Beschuldigter geführt.

Natascha beharrt auf ihrer Aussage

Zeitgleich mit H. wurde am Freitag auch Natascha Kampusch mehrere Stunden lang von der Staatsanwaltschaft einvernommen. «Sie sind aber nicht aufeinander getroffen», sagte Anwalt Ainedter gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Über inhaltliche Details wollte Ainedter nichts bekanntgeben.

Doch krone.at weiss: Kampusch räumte einmal mehr die Mitwisser- bzw. Mittäter-Theorie vom Tisch. Sie betonte nur von Priklopil entführt und gefangen gehalten worden zu sein. Zudem gebe es das vermeintliche Sex-Video aus dem Verlies nicht. Und auch in dem so geheimnisumwitterten Tagebuch stünden nur persönliche Dinge wie etwa, dass sie 1 Euro «Taschengeld» pro Tag bekam oder Peiniger Priklopil ihre Schultasche verbrannt hatte, um Spuren zu verwischen.

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