Aktualisiert 03.07.2018 05:47

Passfoto, bitte lächeln

Ernste Gesichter machen es Grenzwächtern schwer

Seit Einführung des E-Passes muss man auf Passfotos ernst schauen – damit es der Computer leichter hat. Menschen macht es das Leben aber schwerer.

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Zeigen diese Fotos dieselbe Person? Mit dieser Frage sehen sich Grenzwächter regelmässig konfrontiert. Doch die Antwort darauf fällt ihnen nicht immer leicht – vor allem wenn sie es mit biometrischen Passbildern zu tun haben, auf denen man nicht lächeln und schon gar nicht lachen darf. (Übrigens, abgebildet ist zweimal dieselbe Person).

Zeigen diese Fotos dieselbe Person? Mit dieser Frage sehen sich Grenzwächter regelmässig konfrontiert. Doch die Antwort darauf fällt ihnen nicht immer leicht – vor allem wenn sie es mit biometrischen Passbildern zu tun haben, auf denen man nicht lächeln und schon gar nicht lachen darf. (Übrigens, abgebildet ist zweimal dieselbe Person).

Mila Mileva, A. Mike Burton/British Journal of Psychology
Denn während es Computersystemen einfacher fällt, die auf biometrischen Passbildern festgehaltenen, neutralen Gesichtsausdrücke zu verarbeiten ...

Denn während es Computersystemen einfacher fällt, die auf biometrischen Passbildern festgehaltenen, neutralen Gesichtsausdrücke zu verarbeiten ...

Keystone/Ennio Leanza
...  tun sich Menschen damit deutlich schwerer, wie Forscher der University of York im «British Journal of Psychology» schreiben.

... tun sich Menschen damit deutlich schwerer, wie Forscher der University of York im «British Journal of Psychology» schreiben.

Keystone/Gaetan Bally

Bitte recht freundlich! Das hört man oft, wenn Fotos gemacht werden. Es sei denn, die Aufnahmen sind für den Pass gedacht. Auf den sogenannt biometrischen Bildern ist Lächeln nämlich verboten. Angesagt ist stattdessen ein neutraler Ausdruck, der die digitale Verarbeitung von Gesichtern vereinfacht (siehe Box).

Doch was die Arbeit für Computer erleichtert, macht sie für menschliche Grenzwächter deutlich schwerer. Denn Menschen können andere Menschen besser erkennen, wenn diese lächeln, wie Forscher im «British Journal of Psychology» berichten.

Drei Teilstudien, eine Erkenntnis

Für die Untersuchung hatte das Team um Mila Mileva von der University of York drei verschiedene Tests durchgeführt. So mussten in einem 40 Probanden einige Dutzend Porträtfotos miteinander vergleichen. Die einen Bilder zeigten Menschen mit neutralem Ausdruck, die anderen solche, die entweder mit offenem oder geschlossenem Mund lächelten.

Alle drei Teilstudien kamen zu dem gleichen Schluss: Die Teilnehmer konnten zwei Bilder derselben Person am besten als solche identifizieren, wenn die Lippen der Abgebildeten ein offenes Lächeln zeigten. Am zweitbesten gelang es, wenn die abgebildete Person mit geschlossenem Mund lächelte. Am schwierigsten fiel den Testpersonen die Entscheidung, wenn die Fotografierten neutral schauten.

«Sobald es eine Diskrepanz im emotionalen Ausdruck gibt – zum Beispiel beim Vergleich eines lächelnden und eines neutralen Bildes – sinkt die Treffergenauigkeit erheblich», zitiert die Hochschule Mileva in einer Mitteilung.

Besser zwei Fotos im Pass speichern

Die Psychologin und ihre Kollegen schliessen daraus, dass es demnach für von Menschen durchgeführte Passkontrollen besser wäre, wenn die Porträtierten auf den Fotos lächelten.

Die ihrer Meinung nach praktikabelste Lösung sei es, zusätzlich zu dem biometrischen Foto, das auf dem Chip im E-Pass gespeichert ist, auch noch ein solches zu speichern, auf dem die abgebildete Person lächelt.

Grund für die bessere Identifizierbarkeit von Lächelnden ist laut den Forschern, dass durch das Hochziehen der Mundwinkel kleine Fältchen entstehen, die von Menschen als weitere individuelle Identifikationsmerkmale wahrgenommen würden.

Was ist Biometrie?

Was ist Biometrie?

Biometrie setzt sich aus den griechischen Wörtern «bio» für Leben und «metron» für Mass zusammen. Biometrie bedeutet demnach nichts anderes als die Vermessung von Lebewesen, im Fall der Passfotos: des Menschen.

Für die Passbilder werden einige unveränderliche Gesichtszüge einer Person vermessen und als Erkennungsmerkmal genutzt. Dazu gehören beispielsweise der Abstand der Augen, der Stand der Wangenknochen und das imaginäre Dreieck, das von der Oberlippe zum Nasenrücken führt.

Zwar tauchen diese Merkmale für sich genommen häufig in der Weltbevölkerung auf, doch die Kombination ist bei jeder Person nahezu einmalig. Mithilfe mathematischer Formeln lässt sich diese Kombination in Zahlen ausdrücken und digital festhalten sowie abgleichen. (Bild: Cato Institute)

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