Eros Ramazzotti in Zürich

Aktualisiert

Eros Ramazzotti in Zürich

12000 Fans haben sich am Montagabend 20.10.2003, im ausverkauften Zürcher Hallenstadion ihren Träumen überlassen.

Die Fans waren zufrieden, konnten zufrieden sein. Ramazzotti beherrscht eine seltene Kunst: Er benutzt alle Showelemente, die heute von einem Konzert erwartet werden - und lässt alle Elemente fallen, lange bevor sie langweilen.

Er gibt den Macker, den einsamen Wolf und das Unschuldslamm. Er tänzelt und rockt und spielt Fussball, macht auf feurigen Liebhaber und sanften Geliebten - und nimmt sich selbst nicht ganz ernst dabei.

Natürlich fehlen die Komplimente an die Gastgeberstadt «Zurigo» nicht und ein paar Sätze auf Berndeutsch fallen auch. Irgendwo hat Ramazzotti ein «Zürich»-T-Shirt aufgetrieben. Das alles gehört zum Spiel, ist Teil der Show.

Buntes Publikum mit Bundesrätin

Die üblicherweise peinlichen Versicherungen, wie toll der Abend sei, hält Ramazzotti knapp. Der kleine Römer muss nicht mehr angespannt um Sympathien buhlen. Seine Karriere dauert seit über 20 Jahren, sein Publikum läuft ihm nicht beim nächsten Trendwechsel davon.

Am Montagabend sind die weiblichen Belegschaften ganzer Bankfilialen im Hallenstadion, Jugend-Cliquen, Paare vieler Altersklassen und ein paar ältere Herren aus Ramazzottis Italien. Dank «Blick» wissen wir: Auch Bundesrätin Ruth Metzler war da.

Ramazzotti liefert ein paar neue Lieder des Albums «Eros 9» und viele grosse Hits wie «Se bastasse», «piu' bella cosa» und «fuoco nel fuoco». Die meisten seiner Songs klingen dabei recht ähnlich - nach sanftem Glück oder mildem Leid. Sie verbreiten Wohlgefühl -und schliessen Leidenschaft nicht ganz aus.

Ramazzotti kann Widersprüche auflösen oder unwichtig machen: Kurz vor seinem Vierzigsten weckt er Vater- und Muttergefühle bei Twens und Hunger bei Teenagern. Bundesrätin Metzler war verzaubert, hiess es.

Vielleicht am besten wird die Stimmung beim aktuellen Hit «Un'emozione per sempre» - Ein Gefühl auf ewig. Ramazzotti schrieb das Lied nach widersprüchlichen Angaben für einen alten Freund oder seine verstorbene Mutter - klar ist, dass es nicht die romantische Liebe feiert. Das stört nicht: Die vielen romantischen Paare im Publikum hoffen, dass es ihnen gilt. Ramazzotti lässt träumen.

An der Kitschgrenze

Die technischen Elemente der Show passen zu Ramazzottis Gesten und Ansagen: sie bieten schnelle Wechsel und verhindern Langeweile. Mal schwebt ein Bett von der Decke, mal ein rotes Frauenkleid oder ein Leintuch, häufig eine grosse «Eros 9»-Kugel durch die Halle.

Im Hintergrund flackert Feuer auf einer Leinwand, amerikanische Wüstenlandschaften rasen vorbei. Die Show schrammt der Kitschgrenze entlang - und landet regelmässig diesseits.

Ramazzotti tritt nach zwei Stunden ab. Das Zürcher Publikum muss aber nicht lange auf einen weiteren Abend mit ihm warten. Schon im März ist er wieder hier. Bleibt das Fazit: Eros kanns. Und die Frage: Wie konntest du nur, Michelle H.? (sda)

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