1999-Franken-Forderung: «Erpresste Freier sollten auf keinen Fall zahlen»
Publiziert

1999-Franken-Forderung«Erpresste Freier sollten auf keinen Fall zahlen»

Wer nicht 1999 Franken zahlt, wird angeprangert. So erpressen Unbekannte die Freier des Bordells The Globe in Schwerzenbach. Fachleute raten, nicht zu zahlen.

von
som

«Wir sind Moralisten und du bist unser Ziel.» – Das steht in einem Schreiben, das an die Besucher des Bordells The Globe in Schwerzenbach ZH verschickt wurde. Die unbekannten Absender nennen sich Moralisten, wie der «Blick» schreibt.

«Sex für Geld, um deine Perversionen zu befriedigen! Wir wissen, mit wem du wie lange für wie viel was gemacht hast. Aber dies weisst du ja auch! Wir hoffen, du leidest nicht an Gedächtnisschwund, sonst können wir deinem Gedächtnis mit ein paar Fotos nachhelfen.» Die Unbekannten geben den Adressaten nach Erhalt der Sendung fünf Tage Zeit, um per Bitcoins 1999 Franken an sie zu zahlen.

50 Kunden gemeldet

Wer die digitale Internet-Währung nicht überweist, soll angeprangert werden: «Deine Familie, Freunde, Kollegen und Nachbarn werden einen Brief mit Anlage bekommen. Ja, sie sollen wissen, was du machst.»

Wie der Geschäftsführer von The Globe zu Tele Züri sagt, haben sich bei ihm 50 betroffene Kunden gemeldet. Die Betreiber hätten am Freitag Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, bestätigt Anwalt Valentin Landmann: «Es gibt Hinweise zu den Tätern.» Genaueres wollte er aber nicht sagen.

Weiteres Bordell betroffen

Landmann rät den Betroffenen, den geforderten Betrag auf keinen Fall zu zahlen: «Stattdessen sollten sie mit der Kopie des Schreibens zur Polizei gehen oder sich beim Clubbetreiber melden – Hinweise helfen, dieses Verbrechen möglichst schnell aufzuklären.»

Dies sieht auch Stefan Oberlin, Sprecher bei der Kantonspolizei Zürich so: «Wir haben bereits mehrere Anzeigen von Einzelpersonen erhalten.» Dabei seien noch Besucher eines weiteren Bordells in der Region auf diese Art erpresst worden. Oberlin: «Solche Erpressungen hat es bisher noch nie gegeben.»

Sicherheitspersonal eingestellt

The-Globe-Besitzer Ingo Heidbrink bedauert das Ganze sehr, wie er zum «Blick» sagt: «Es tut mir vor allem für jene leid, die auf Diskretion angewiesen sind.» Auch er hat ein Schreiben von den Moralisten bekommen. «Wir sind im Besitz der persönlichen Daten von euren Kunden. Wir werden sie im Internet veröffentlichen», stand darin. Der Bordell-Chef soll 75'000 Franken zahlen.

Heidbrink hat nicht nur Anzeige erstattet, sondern auch Sicherheitspersonal eingestellt. Niemand könne mehr unbemerkt Kennzeichen notieren. Denn so fanden die Erpresser vermutlich die Adressen ihrer Opfer heraus.

Deine Meinung