Formel 1: Erpressungsvorwürfe, Terror und Horror-Crash – Wirbel vor Rennen

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Debatte um Dschidda-RennenVorwürfe gegen Saudiarabien – wurde die Formel 1 erpresst?

Ein beängstigender Unfall zwingt Mick Schumacher zu einer Zwangspause in der Formel 1. Die Rennserie erlebt in Saudiarabien einen Grand Prix mit bangen Momenten. Auch gibt es Gerüchte, dass die F1 vom Land erpresst worden ist. 

Am Samstag crashte Mick Schumacher übel.

SRF

Darum gehts

  • Am Sonntagabend findet das Formel-1-Rennen in Saudiarabien statt. 

  • Viel ist am Wochenende passiert: unter anderem eine Terror-Attacke und ein Horror-Crash. 

  • Auch wirft die BBC die Frage auf, ob die F1 von Saudiarabien erpresst worden ist. 

Etwas angestrengt lächelte Mick Schumacher wenige Stunden nach dem Horror-Crash in die Kamera. Gerade erst entlassen aus dem Krankenhaus von Dschidda, wollte der Formel-1-Pilot seine besorgte Fangemeinde beruhigen. «Ich wollte nur sagen, dass es mir gut geht», schrieb der 23-Jährige in den sozialen Netzwerken zu einem Selfie aus dem Hotelzimmer. Dennoch meldete sein Haas-Team den Jungstar vom zweiten Saisonlauf in Saudiarabien am Sonntag ab. Nach Schumachers beängstigendem Unfall in der Qualifikation wollte der Rennstall kein Risiko eingehen.

Die Bilder von Schumachers schwer zerstörtem Rennwagen entzündeten die Debatte um die Sicherheit des ultraschnellen Stadtkurses am Roten Meer aufs Neue. Der Aufprall bei 250 Stundenkilometern auf die Streckenwand, die fliegenden Reifen und Trümmerteile, die bangen Minuten danach liessen die Formel 1 geschockt innehalten. Dabei waren die Nerven nach der Raketen-Attacke in Streckennähe während des Trainings am Freitag ohnehin schon höchst angespannt.

Hier ist die Attacke der Huthi-Rebellen im Video zu sehen. 

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Der Kurs in Saudiarabien ist gefährlich

«Dass es Mick nach dem Unfall körperlich gut geht, zeigt erneut die Stärke und Sicherheit moderner Formel-1-Autos, für die wir unglaublich dankbar sind», teilte die Rennserie nach dem Horror-Crash mit. Die Bosse des Vollgas-Spektakels müssen sich aber erneut die Frage stellen lassen, ob der schnellste Stadtkurs der Formel 1 nicht schlicht zu gefährlich ist. Schon bei der Premiere vor vier Monaten hatte Fahrersprecher George Russell gesagt, dem Kurs mangele es an Sicherheit.

Mit 254 Stundenkilometern im Schnitt jagte die Formel 1 damals um die Strecke. Wie üblich auf Stadtkursen gibt es kaum Auslaufzonen, kaum Raum für Fehler. «Es ist brutal hier. Wahnsinn. Ich habe Puls 200 durchgängig. Das ist einfach nur unfassbar schnell. Du bist einfach nur in einem Betontunnel, und alles fliegt an einem vorbei», sagte Aston-Martin-Fahrer Nico Hülkenberg.

Ihr Unbehagen über das Gastspiel in Saudiarabien hatten die Piloten bereits in der Nacht zum Samstag aus einem anderen Grund zum Ausdruck gebracht. Huthi-Rebellen, gegen die Saudiarabien im Jemen Krieg führt, hatten eine Öl-Anlage des Formel-1-Hauptsponsors Aramco nahe der Strecke angegriffen. Mehr als vier Stunden berieten die Fahrer, ob sie überhaupt zu Qualifikation und Rennen antreten. Dann liessen sie sich von weiteren Sicherheitsgarantien der Behörden überzeugen. Oder wurde die Formel 1 von Saudiarabien erpresst?

«Ich bin froh, wenn ich wieder zu Hause bin»

So berichtete unter anderem die BBC, dass noch weitere Faktoren eine Rolle gespielt haben sollen beim Sinneswandel der Fahrer. So war die Sorge da, dass es für den Tross gewisse Probleme bei der Ausreise aus Saudiarabien geben könnte, wenn das Rennen nicht ausgetragen werde. Manche sprachen von einer sanften Warnung, andere von einer vorsichtig vorgetragenen Erpressung. Gegenüber der BBC meint Ferrari-Chef Mattia Binotto: «Die Fahrer waren besorgt, wir alle waren besorgt. Wir hatten Zusicherungen von der F1 und der saudischen Regierung – Zusicherungen, dass alles sicher sein würde.» 

Tatsache ist: 2019 wurden rund 200 Mitglieder der Wrestling-Liga WWE mehr als sechs Stunden lang am Flughafen festgehalten. Es gab zuvor Diskussionen über Geld und eine zu kurze TV-Übertragung. Damals war offiziell die Rede von «mechanischen Problemen». 

Die Formel-1-Stars, sie signalisierten jedenfalls weiteren Redebedarf nach dem Grand Prix. «Was in diesen 24 Stunden passiert ist, ist definitiv Grund für Diskussionen und Überlegungen, die wir mit Blick auf die Zukunft anstellen müssen», sagte Ferrari-Pilot Carlos Sainz unter dem Eindruck von all den genannten Punkten. Superstar Lewis Hamilton bekannte: «Ich bin froh, wenn ich wieder zu Hause bin.» 

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(nih/dpa)

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