Übung aus dem Winterkrieg – Finnen wollen Ukrainer ausbilden

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Ukraine-KriegErprobter Gegner Russlands – Finnen wollen Ukrainer für Winterkämpfe ausbilden

Die Temperaturen in Europa fallen, und damit dürfte sich auch der Krieg in der Ukraine verlangsamen. Nun haben die Finnen Hilfe offeriert – sie haben Erfahrung in winterlicher Kriegsführung gegen die Russen.

von
Benedikt Hollenstein
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Der finnische Präsident Sauli Niinistö hat der Ukraine angeboten, ihre Soldaten in winterlicher Kriegsführung auszubilden.

Der finnische Präsident Sauli Niinistö hat der Ukraine angeboten, ihre Soldaten in winterlicher Kriegsführung auszubilden.

AFP
Denn laut Nato-Chef Jens Stoltenberg ist es gut möglich, dass Russland den Winter als Waffe nutzen wird.

Denn laut Nato-Chef Jens Stoltenberg ist es gut möglich, dass Russland den Winter als Waffe nutzen wird.

Reuters
Schon jetzt greift Russland regelmässig die ukrainische Energieinfrastruktur an – diese Attacken könnten laut Stoltenberg noch zunehmen.

Schon jetzt greift Russland regelmässig die ukrainische Energieinfrastruktur an – diese Attacken könnten laut Stoltenberg noch zunehmen.

AFP

Darum gehts

  • Finnlands Präsident Sauli Niinistö hat angeboten, ukrainische Truppen speziell für Winterbedingungen auszubilden.

  • Das Land hat sich seit Kriegsbeginn klar gegen Russland gestellt und strebt einen Nato-Beitritt an.

  • Im Zweiten Weltkrieg verlor die Rote Armee beim Versuch, Finnland einzunehmen, insgesamt über 300’000 Mann – die finnischen Verluste lagen bei etwa 70’000.

Die ukrainische Armee könnte bald Hilfe bei der Kriegsführung im tiefsten Winter bekommen. Der finnische Präsident Sauli Niinistö hat nach der Besichtigung von Feldübungen der finnischen Armee vorgeschlagen, die Waffen, die Finnland seit Kriegsbeginn an die Ukraine liefert, durch die Ausbildung von ukrainischen Soldaten in speziellen Bereichen zu unterstützen, wie das finnische Newsportal YLE berichtet. «Natürlich könnte eine Schulung an den Waffensystemen sehr sinnvoll sein, denn wir wissen, wie sie zu benutzen sind», so Niinistö. Finnland strebt seit Beginn der Invasion einen Beitritt ins Nato-Verteidigungsbündnis an.

Von russischer Invasion bedroht

Niinistös Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, der für die russische Invasion der Ukraine einen Wendepunkt darstellen könnte. Derzeit ist noch unklar, welche Auswirkungen der kalte Winter auf die beiden Kriegsparteien haben wird. Nato-Chef Jens Stoltenberg warnte zuletzt mit Verweis auf die andauernden Attacken auf das ukrainische Energienetz, dass Russland den Winter als «Kriegswaffe» gebrauchen würde. Er geht davon aus, dass solche Attacken weiter zunehmen würden, weil es den Russen auf dem Schlachtfeld selbst nicht gelinge, Erfolge zu verbuchen.

Die finnische Expertise könnte auf den Winter hin für die Ukrainer sehr hilfreich werden – schliesslich hat das nordische Land der übermächtigen Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg enormen Widerstand geleistet. Finnland erklärte sich 1917 für unabhängig und betrachtete den Kommunismus als grösste Bedrohung für seine Integrität. Aus diesem Grund arbeitete Finnland später auch eng mit Nazi-Deutschland zusammen, um das Land vor einer sowjetischen Invasion zu verteidigen.

Russland verlor fünf Mal so viele Soldaten

Diese Invasion erfolgte im November 1939 und ging als «Winter War» in die Geschichtsbücher ein. Während die mit Panzern, Flugzeugen und viel Artillerie ausgestattete Rote Armee in den drei Monaten, in denen der Krieg vor allem in der südlichen Hälfte Finnlands tobte, schätzungsweise 350’000 Soldaten verloren, lagen die finnischen Verluste mit 70’000 fast fünf Mal so tief. Weltbekannt und ein Symbol des finnischen Widerstandes ist etwa Simo Häyhä.

Der Scharfschütze tötete im Winterkrieg offiziell mehr als 500 sowjetische Soldaten, inoffizielle Quellen sprechen von über 800 Abschüssen. Anfang März 1940 traf ihn eine Kugel im Gesicht, woraufhin Häyhä für tot erklärt wurde. Am 13. März, dem Tag, an dem der Friedensvertrag mit der Sowjetunion unterzeichnet wurde, erlangte Häyhä aber plötzlich wieder das Bewusstsein. Nach unzähligen Operationen arbeitete Häyhä als Jäger, der Finne starb schliesslich im Jahre 2002. Der Scharfschütze, von seinen sowjetischen Gegnern ehrfurchtsvoll «Weisser Tod» genannt, ist damit der Scharfschütze mit den meisten bestätigten Abschüssen in einem Konflikt.

Die erfolgreiche Verteidigung hatten die Finnen vor allem Guerillataktiken, einer besseren Kenntnis des Geländes, aber auch Fehlentscheidungen innerhalb der sowjetischen Armee zu verdanken. Ob die finnische Expertise die Jahre überdauert hat und auch der ukrainischen Armee zugutekommt, wird die Zukunft zeigen.

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