Aktualisiert

Erschreckend: Jede fünfte Vergewaltigung ist erfunden

Die Basler Staatsanwaltschaft zieht eine bedenkliche Bilanz: Jede fünfte Vergewaltigung, die gemeldet wird, ist frei erfunden.

27 Vergewaltigungen wurden 2005 in Basel-Stadt gemeldet, im Vorjahr waren es 31 gewesen. «Wir schätzen, dass jede fünfte Vergewaltigung, die gemeldet wird, gar keine war», sagt Kriminalkommissär Markus Melzl. Die Gründe sind vielfältig. Ein Beispiel: «Eine junge Türkin riss mit ihrem Freund aus. Ihre Familie machte sich Sorgen. Da erfand sie – vom schlechten Gewissen geplagt – eine Vergewaltigungsgeschichte», erzählt Melzl.

«Solche Fälle gibt es häufiger, als man denkt», bestätigt auch Peter Schluep von der Polizei Kanton Solothurn. Weshalb sich die vermeintlichen Sexopfer zu Falschaussagen hinreissen lassen, sei schwer zu sagen. «Oft sind es Personen, die auf sich aufmerksam machen möchten», vermutet Schluep. «Für tatsächlich vergewaltigte Männer und Frauen ist das ganz tragisch.»

Stellt sich heraus, dass eine Vergewaltigung erfunden war, wird es für die selbsternannten Opfer ungemütlich: Neben einer Strafanzeige wegen Irreführung der Rechtspflege erwartet sie eine Anzeige wegen falscher Anschuldigung. «Das ist einer der schwersten Straftatbestände überhaupt und kann mit Zuchthaus bis zu 20 Jahren bestraft werden», so Melzl.

Raffaela Moresi/Sabine Knosala

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