Winterthur: Unbekannte sprayen «Z»-Symbol und Hakenkreuz auf ukrainisches Auto
Publiziert

WinterthurUnbekannte sprayen «Z»-Symbol und Hakenkreuz auf ukrainisches Auto

In Winterthur haben Unbekannte ein ukrainisches Auto beschmiert. Die Rassismuskommission verurteilt die Tat.

von
Lynn Sachs
1 / 4
«Ich bin schockiert und habe kein Verständnis für so eine Aktion. Ich verstehe wirklich nicht, wer so etwas macht», sagt eine 30-jährige Winterthurerin.

«Ich bin schockiert und habe kein Verständnis für so eine Aktion. Ich verstehe wirklich nicht, wer so etwas macht», sagt eine 30-jährige Winterthurerin.

20min/News-Scout
Laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR ist der Vorfall «äusserst verwerflich und richtet sich klar gegen Ukrainerinnen und Ukrainer».

Laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR ist der Vorfall «äusserst verwerflich und richtet sich klar gegen Ukrainerinnen und Ukrainer».

20min/News-Scout
Wie es bei der Stadtpolizei Winterthur auf Anfrage heisst, sind bisher keine Meldungen eingegangen. Auch ähnliche Vorfälle seien der Polizei nicht bekannt.

Wie es bei der Stadtpolizei Winterthur auf Anfrage heisst, sind bisher keine Meldungen eingegangen. Auch ähnliche Vorfälle seien der Polizei nicht bekannt.

szeneishwintiblog

Darum gehts

  • Mehrere Personen entdeckten in Winterthur ein mit einem «Z»-Symbol verspraytes Auto. Mit dem «Z» markiert die russische Armee Fahrzeuge und Panzer, die bei der Invasion der Ukraine eingesetzt werden.

  • Bei der Stadtpolizei Winterthur sind bisher keine Meldungen eingegangen. 

  • Laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR ist der Vorfall «äusserst verwerflich und richtet sich klar gegen Ukrainerinnen und Ukrainer».

Ein mit einem Hakenkreuz und «Z»-Symbol versprayter Audi mit ukrainischen Kennzeichen stand am Dienstagmorgen auf einem Parkplatz beim Bahnhof Hegi in Winterthur. Das «Z» gilt als Symbol für die russische Invasion in die Ukraine. «Ich bin schockiert und habe kein Verständnis für so eine Aktion. Ich verstehe wirklich nicht, wer so etwas macht», sagt eine 30-jährige Winterthurerin.

Ähnlich sieht es Sreten. Der 23-Jährige hatte das versprayte Auto auf seinem Weg zur Arbeit entdeckt, wie er sagt. «Ich finde es unglaublich, dass Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz Opfer von politischer Propaganda werden und sich in dieser schweren Zeit weder sicher noch erwünscht fühlen.» Wie es bei der Stadtpolizei Winterthur auf Anfrage heisst, sind bisher keine Meldungen eingegangen. Auch ähnliche Vorfälle seien der Polizei nicht bekannt.

«Richtet sich klar gegen Ukrainerinnen und Ukrainer»

«Diese Tat ist sehr erschreckend, äusserst verwerflich und besorgniserregend. Sie richtet sich klar gegen Ukrainerinnen und Ukrainer», sagt Giulia Reimann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR. Betroffene können laut Reimann bei der Polizei oder direkt bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen Unbekannt einreichen. «Rechtlich gesehen kommt hier allenfalls eine Strafbarkeit wegen Diskriminierung und Aufruf zu Hass, Ehrverletzung, Drohung oder Sachbeschädigung in Frage», so Reimann.

Symbole wie das Hakenkreuz oder das Z-Symbol seien in der Schweiz per se nicht strafbar. Deren Verwendung könne jedoch strafbar sein, wenn damit eine rassistische Ideologie propagiert wird. «Ausserdem kann die Verwendung auch dann strafbar sein, wenn damit eine Gruppe von Menschen wegen namentlich ihrer Ethnie in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabgesetzt wird», so Reimann. Letzteres müssten die Strafverfolgungsbehörden im vorliegenden Fall prüfen.

Wofür steht das «Z»?

Das «Z» war Ende Februar auf russischen Panzern aufgetaucht, die Richtung Ukraine vorrückten. Das russische Militärgerät war vermutlich so gekennzeichnet worden, damit die Soldaten es von ukrainischem unterscheiden können. Ob der lateinische Buchstabe darüber hinaus eine Bedeutung hat, ist unklar. Eine Theorie besagt, dass es sich um den Anfangsbuchstaben des Wortes «Zapad» (»Westen») handeln könnte. Gemeint sein könnte die Bewegungsrichtung der Truppen oder, dass es sich um Panzer aus westlichen Landesteilen handelt. Einige sehen auch eine Anspielung auf den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski, dessen Familienname in vielen Sprachen mit einem «Z» transkribiert wird.

In Deutschland wird Verwendung des «Z»-Symbols teils verfolgt

Wer das «Z»-Symbol in Deutschland trägt, muss mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe rechnen: Die Bundesländer Niedersachsen und Bayern gehen gegen die Verwendung des Zeichens vor, mit dem die russische Armee im Ukraine-Krieg ihre Fahrzeuge und Panzer markiert. Die Behörden gaben im März bekannt, dass die öffentliche Verwendung des Symbols in Deutschland, etwa bei Demonstrationen, strafbar ist.

In Niedersachsen habe es schon «entsprechende Beobachtungen» gegeben. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) erklärte, wer durch das «Z»-Symbol öffentlich Zustimmung zum Angriffskrieg von Russlands Staatschef Wladimir Putin gegen die Ukraine zum Ausdruck bringe, der müsse in Niedersachsen mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Auch Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) warnte: «Sympathisanten, die in Bayern das Kennzeichens ‹Z› der russischen Streitkräfte öffentlich verwenden», könnten sich wegen der Billigung von Straftaten strafbar machen.

Grundlage für das Vorgehen der Länder ist Paragraf 140 Nummer 2 des deutschen Strafgesetzbuches: Demnach wird ein Verhalten unter Strafe gestellt, das als öffentlich zur Schau getragene Billigung von Angriffskriegen zu verstehen und geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Deine Meinung

237 Kommentare