Aktualisiert 20.08.2013 11:12

BiometrieErsetzt bald der Venenscanner den Badge?

Immer mehr wird der Körper unser Ausweis und Schlüssel: Biometrische Zugangstechnik wie Fingerprint oder Iris-Scanner verbreitet sich rasant. Die derzeit sicherste Lösung ist der Venenscanner.

von
dhr

Erkannt werden wir an unserem Körper: Gesicht, Stimme oder Gang sind Merkmale, die es anderen ermöglichen, uns zu identifizieren. Kein Wunder also, dass auch in der digitalen Personenerkennung immer mehr der Körper herangezogen wird. Firmen setzen bei der Zugangskontrolle vermehrt auf biometrische Verfahren, und auch privaten Anwendern stehen immer mehr Biometrie-Lösungen zur Verfügung, um ihre Laptops, Tablets oder Smartphones zu sichern.

Das derzeit sicherste biometrische Verfahren vermisst ein ungewöhnliches individuelles Merkmal: das Venengeflecht in der Hand. Der Venenscanner macht sich dabei den Umstand zunutze, dass das sauerstoffarme Blut in den Venen Infrarotstrahlung absorbiert. Wird die Handfläche mit Nahinfrarot beleuchtet, heben sich die Venen deshalb auf einer Aufnahme im entsprechenden Wellenlängenbereich als dunkle Linien ab. Aus dem Graustufenbild extrahiert die Software dann ein Linienmuster, das mit dem gespeicherten Datensatz abgeglichen wird.

Berührungslos und sicher

Die Vorteile dieser Biometrie-Lösung liegen – man entschuldige das Wortspiel – auf der Hand: Das Venenmuster ist nach heutigem Wissensstand individuell und damit eindeutig, es ist stabil und altersunabhängig (nur bei Kindern und Jugendlichen verändert es sich noch) und der Venenscanner funktioniert berührungslos und ist daher hygienischer – was die Methode für Kantinen oder Krankenhäuser interessant macht.

Vor allem aber ist das Verfahren sehr sicher: Ein Venen-Scan soll zehnmal genauer sein als ein Iris-Scan, der mit einer Fehlerquote von 1 : 1'000'000 bisher sichersten biometrischen Methode. Im Vergleich zu Lösungen auf Basis von Fingerabdrücken (Fehlerquote 1 : 100'000) ist der Venenscanner sogar hundertmal präziser. Fingerprint-Verfahren sind zwar drei- bis viermal billiger als ein Venenscanner, aber da wir unsere Fingerabdrücke überall hinterlassen, sind sie, beispielsweise mithilfe von Klebstreifen, leicht zu kopieren. Beim Venenscanner muss das Gewebe zudem durchblutet sein, sonst funktioniert er nicht. Überdies soll er keine Hinweise auf den Gesundheitszustand der Nutzer geben, obwohl er ein körperliches Merkmal vermisst, das unter der Hautoberfläche liegt. Iris-Scans erlauben dagegen Rückschlüsse auf bestimmte Krankheiten.

Japan liegt vorn

Entwickelt wurde die Technik in Japan, wo eine massive Zunahme von Skimming-Fällen im Jahr 2005 die Banken aufschreckte. Bereits 2012 gab es in Japan rund 80'000 Bankomaten mit dem neuen biometrischen Verfahren. Auch in Brasilien, Polen und der Türkei werden immer mehr Bankomaten mit dieser Technik ausgerüstet. In der Schweiz sind Venenscanner dagegen nach wie vor selten und werden eher von Firmen für die Zugangskontrolle verwendet.

Möglicherweise wird sich die neue Technik aber auch hierzulande etablieren. Im Gegensatz zu den bereits weit verbreiteten Fingerprint-Lösungen bestehen beim Venenscanner weniger psychologische Hürden, denn Fingerabdrücke werden nach wie vor stark mit kriminellen Vorgängen assoziiert. Auch Iris-Scans lässt nicht jeder gern über sich ergehen – ein kurzer Scan der Hand erscheint da wohl als kleineres Übel.

Für private Geräte wie Smartphones dürften die Venenscanner allerdings noch eine ganze Weile zu teuer und vor allem zu gross bleiben. Und zumindest einen gewichtigen Nachteil hat die Methode: Der Nutzer muss unbedingt selber anwesend sein. Bei Zutrittskontrollen in der Firma ist das kein Problem, aber beim eigenen Notebook kann das zu ärgerlichen Situationen führen – zum Beispiel, wenn man das Gerät zuhause vergessen hat und sich dringend ein Dokument zuschicken lassen möchte. In solchen Fällen kann man dem Partner nicht mehr einfach die Login-Daten verraten – ohne die eigene Hand geht da gar nichts.

«Palm Vein Scanners Could Eventually Replace Your Wallet with Your Hand» (engl.)(Quelle: Youtube/spectrummag)

ComputerTrend-TV: Verschiedene Arten der biometrische Zugangskontrolle(Quelle: Youtube/Rolf-Dieter Klein)

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