Schweizweites Update: Erspart uns die neue Bancomaten-Software die Gebühren?
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Schweizweites UpdateErspart uns die neue Bancomaten-Software die Gebühren?

Alle Bancomaten ausser die von Postfinance funktionieren bald nach demselben Schema. Werden nun die Fremdbezugsgebühren abgeschafft, und warum ist die Post-Tochter nicht dabei? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zur neuen General-Software.

von
Fabian Pöschl
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Die Finanzdienstleisterin Six stattet seit Ende vergangener Woche nach und nach die Bancomaten von jeder Bank mit der gleichen Software aus.

Die Finanzdienstleisterin Six stattet seit Ende vergangener Woche nach und nach die Bancomaten von jeder Bank mit der gleichen Software aus.

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Die Bancomaten haben dann mit einer statt wie bisher 25 verschiedenen Softwares die gleiche Bedienungsoberfläche und Benutzerführung.

Die Bancomaten haben dann mit einer statt wie bisher 25 verschiedenen Softwares die gleiche Bedienungsoberfläche und Benutzerführung.

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Auch die Funktionen sind laut Six bei allen gleich und werden von den Banken nun nach und nach aktiviert. Dazu zählt etwa eine Audio-Funktion für Personen mit Sehbehinderung.

Auch die Funktionen sind laut Six bei allen gleich und werden von den Banken nun nach und nach aktiviert. Dazu zählt etwa eine Audio-Funktion für Personen mit Sehbehinderung.

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Darum gehts

  • Alle Bancomaten erhalten nach und nach dieselben Funktionen.
  • Statt 25 verschiedene Programme nutzen sie nur noch eines.
  • Nur die Postfinance ist nicht an Bord.

Am Bancomaten den Kontostand prüfen, aber kein Automat der Hausbank in der Nähe? Das geht nun auch an vielen fremden Geldmaschinen. Dies weil die Finanzdienstleisterin Six seit Ende vergangener Woche nach und nach die Bancomaten von jeder Bank mit der gleichen Software ausstattet. Eine Ausnahme ist Postfinance. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum neuen Bancomaten-Programm.

  • Was bietet die neue Software?

Die Bancomaten haben nun mit einer statt wie bisher 25 verschiedenen Softwares die gleiche Bedienungsoberfläche und Benutzerführung. Die UBS setzt sie seit über einem Jahr ein. Auch die Funktionen sind laut Six bei allen gleich und werden von den Banken nun nach und nach aktiviert. So ist mittlerweile jeder zweite Bancomat mit einer Audio-Funktion für Personen mit Sehbehinderung ausgestattet. Auch neue Funktionen wie der Geldbezug via Smartphone und QR-Code sind dann verfügbar.

  • Warum setzt Postfinance auf ein anderes Programm?

Die Postfinance verfügt über fast 1000 Automaten in der Schweiz. Das ist nach Raiffeisen das zweitgrösste Netz im Land. Pläne für einen Wechsel zur Six-Software gebe es nicht, schreibt ein Sprecher der Post-Tochter. Aufgrund der Grösse sei eine eigenständige Softwarelösung sinnvoll. Das Festhalten sei aber nicht kundenunfreundlich, denn durch den Eigenbetrieb bleibe die Postfinance flexibel beim Kundenangebot und könne schnell reagieren.

  • Fallen nun die Fremdbezugsgebühren weg?

Wer Geld bei einem Bancomaten einer fremden Bank bezieht, musste bisher je nach Anbieter mehrere Franken Gebühr zahlen. Das neue Programm habe darauf aber keine Auswirkung. An den Kostenstrukturen für die Bank ändert sich nichts, wie eine Sprecherin der Credit Suisse (CS) zu 20 Minuten sagt.

  • Fallen bei einem Absturz der Software alle Bancomaten aus?

Das Risiko ist laut Six nicht gestiegen. Schon zuvor hätten alle Bancomaten mit dem System des Zahlungsdienstleisters kommuniziert, sagt ein Sprecher zu 20 Minuten. Neuerdings führe Six aber die gesamte Transaktionsverarbeitung durch.

  • Können Hacker das System jetzt einfacher knacken, weil sie sich nur noch auf eines konzentrieren müssen?

«Nein», verspricht der Six-Sprecher, «da die Sicherheitsvorkehrungen deutlich höher sind und dem neusten Stand der Technik entsprechen.» Das System sei ausserdem auf Spitzenbelastungen ausgelegt.

  • Werden nun Bancomaten abgebaut, weil es nicht mehr so viele verschiedene braucht, wenn alle die selben Funktionen bieten?

Dem scheint nicht so, wie es auf Anfrage bei ZKB, CS und UBS heisst. Der Bankenexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern prognostiziert allerdings, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren fast ein Drittel aller Bancomaten in der Schweiz verschwinden könnte. Und zwar schlicht weil weniger Bargeld und damit auch weniger Bancomaten genutzt würden (siehe Box).

20’000 Franken pro Bancomat

Schweizer heben weniger häufig Geld ab als früher. Laut UBS gingen die Bargeldbezüge in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent zurück. Daher machen die Banken vermehrt ihre Bancomaten dicht. Die Kosten für den Betrieb des Automaten würden sich aus Bankensicht nicht mehr rechtfertigen, sagt der Bankenexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern zu 20 Minuten. Die Höhe der Betriebskosten wollen die Banken auf Anfrage nicht nennen, Experten gehen aber von rund 20’000 Franken pro Automat und Jahr aus.

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