Mark Streit: Erst 70 Prozent und trotzdem der Beste

Aktualisiert

Mark StreitErst 70 Prozent und trotzdem der Beste

Die New York Islanders holen sich ihren ersten Sieg und Mark Streit seinen ersten Skorerpunkt. Der Schweizer ist zurück - wenn auch noch nicht ganz in alter Manier.

von
Klaus Zaugg
New York

Die Party fand nur vor dem Spiel und neben dem Eis statt: Am Samstag hatte es draussen auf den Parkplätzen vor dem Saisoneröffnungsspiel gerockt und gerollt und gegrillt und gegrölt. Aber im ausverkauften Stadion (16 234 Fans) verloren die Islanders gegen Florida kläglich 0:2, und der neue Captain Mark Streit blieb ohne Skorerpunkt (20 Minuten Online berichtete).

Nun ist am Montag vor der zweiten Saison-Partie der Alltag in Long Island wieder eingekehrt. Keine Party auf den Parkplätzen. Bloss 11 278 Fans verlieren sich im Stadion. Long Island als Eishockey-Insel der Verlorenen. Aber diesmal rockt und rollt es auf dem Eis. Oder wenigstens ein bisschen. 2:1 besiegen die Islanders die Minnesota Wild. Mit viel Glück. Aber das interessiert nicht. Die Wahrheit steht oben auf der Resultatanzeige. Der erste Sieg. Die Erlösung. Vor allem aber: Mark Streit bucht bereits im zweiten Spiel nach seinem Comeback seinen ersten Skorerpunkt: Er passt härter als die meisten NLA-Verteidiger vors Tor schiessen, und dort lenkt der Däne Frans Nielsen den Puck direkt und unhaltbar zum 2:0 ins Netz. Es ist der Siegestreffer. Selbst die Reporterlegende Stan Fishler (er hat noch die Stanley Cup-Siege der Islanders in den frühen 1980er Jahren bejubelt) ist von Streits Schuss-Pass begeistert.

Alles läuft noch nicht rund

Mark Streit ist der beste Feldspieler der Islanders. Aber den grossen, den wahren Mark Streit haben wir trotzdem in diesen zwei ersten Partien noch nicht gesehen. Und den Anschlusstreffer zum 2:1 bucht «sein» Gegenspieler. Weshalb für Streit gegen Minnesota als persönliche statistische Bilanz bei einer Einsatzzeit von 21 Minuten und 29 Sekunden lediglich ein 1:1 notiert wird. «Ich bin jetzt bei vielleicht 70 Prozent meines Leistungsvermögens», schätzt der Berner. «Es fehlt noch die Routine und das zeigt sich in kleinen Dingen. Ich bin ungeduldig. Aber ich muss Geduld haben und darf nicht zu viel riskieren und nach und nach mein Spiel finden.»

Immerhin weiss er, dass die Verletzung – er hatte wegen einer im Trainingscamp erlittenen Schulterverletzung die ganze letzte Saison nicht gespielt – in jeder Beziehung überwunden und verarbeitet ist. Auch im Kopf. Er sei im Spiel in keiner Art und Weise beeinträchtigt oder gehemmt. «Natürlich geht eine solche Verletzung nicht spurlos an einem vorüber. Aber ich kann jede Bewegung machen und so wie vorher in die Zweikämpfe gehen.»

Der Captain waltet seines Amtes

Vor dem Spiel hat er zum ersten Mal als Captain seines Amtes gewaltet und in der Kabine eine kurze Ansprache gehalten. Daraus mag er keine grosse Sache machen und mahnt zur Mässigung. Es seien erst zwei von 82 Partien gespielt. «Ich habe einfach gesagt, dass wir nach der Startniederlage den Spass nicht verlieren dürfen und dass wir uns ans taktische Konzept halten müssen.» Seine Worte haben offensichtlich gewirkt.

(Video: nhl.com)

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