Epidemiologe Kritisiert: Erst ab 16 dürfen alle Jugendlichen zum Corona-Schnelltest

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Epidemiologe KritisiertErst ab 16 dürfen alle Jugendlichen zum Corona-Schnelltest

Jugendliche unter 16 dürfen sich in einigen Kantonen trotz Verdacht auf Corona nicht direkt testen lassen, sondern müssen das Einverständnis eines Arztes einholen. So gehe für das Contact-Tracing wertvolle Zeit verloren, warnt ein Epidemiologe.

von
Joel Probst
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Kinder und Jugendliche kommen weniger leicht zu einem Corona-Test als Erwachsene.

Kinder und Jugendliche kommen weniger leicht zu einem Corona-Test als Erwachsene.

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Denn in einigen Kantonen, darunter Freiburg und Basel-Stadt, müssen unter 16-Jährige zum Kinderarzt, bevor sie sich testen lassen dürfen.

Denn in einigen Kantonen, darunter Freiburg und Basel-Stadt, müssen unter 16-Jährige zum Kinderarzt, bevor sie sich testen lassen dürfen.

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Sie können also nicht direkt nach einer Voranmeldung und Befragung in ein Schnelltestcenter gehen.

Sie können also nicht direkt nach einer Voranmeldung und Befragung in ein Schnelltestcenter gehen.

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Darum gehts

  • Jugendliche unter 16 Jahren müssen zuerst zum Kinderarzt, statt sich direkt testen lassen zu können.
  • So läuft das Prozedere in Freiburg und Basel-Stadt.
  • Infektiologe Andreas Cerny kritisiert die zögerliche Teststrategie.
  • Wegen der Hürde des Arztbesuchs gehe für das Contact-Tracing wertvolle Zeit verloren.

Kantönligeist beim Testen von Jugendlichen: Der Bund hält über 12-Jährige für genügend alt, um sich wie Erwachsene direkt in Schnelltestzentren testen zu lassen. In einigen Kantonen wie beispielsweise Freiburg hingegen müssen Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zuerst beim Kinderarzt antraben, vorher gibt es keinen Test.

Aber auch der Kinderarzt testet in Freiburg nicht zwingend: «Der Test ist nicht in jedem Fall notwendig. Das obliegt der Einschätzung des Kinderarztes», so der Kantonsarzt Thomas Plattner gegenüber 20 Minuten.

Andere Krankheiten sollen erkannt werden

Auch in Basel-Stadt müssen unter 16-Jährige bis zum Corona-Test einen Umweg machen. So soll laut Markus Ledergerber, Leiter des Kindergesundheitsdienstes, verhindert werden, dass «eine Krankheit mit potenziell schwerem Verlauf» unbemerkt bliebe. «Zudem kann man so in einigen Fällen, in denen eine andere Krankheit diagnostiziert wird, Kindern den unangenehmen Corona-Abstrich ersparen.»

Anders lösen dies die Kantone Zürich und Bern: Nur Kinder bis zum Alter von 12 müssen da vor dem Test zum Kinderarzt, Jugendliche hingegen nicht. Auch im Tessin gibt es laut dem Infektiologen Andreas Cerny keine untere Altersgrenze bei den «Checkpoints» genannten Testzentren.

Dies entspricht den Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit: Bei Kindern unter 12 Jahren mit Symptomen müssten die Eltern und der behandelnde Arzt über einen Test entscheiden, teilt es auf Anfrage mit. «Die Testkriterien für Kinder ab 12 Jahren sind dieselben wie für die Erwachsenen», so Sprecher Daniel Dauwalder.

Infektiologe kritisiert zögerliche Teststrategie

Cerny sieht die zögerliche Teststrategie gewisser Kantone bei Jugendlichen kritisch: Dass Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren nicht rasch und direkt an einen Test kommen, findet er problematisch. «Schon Kinder unter 10 Jahren können sehr gute Überträger des Coronavirus sein.» Zudem ergebe es «wissenschaftlich keinen Sinn», die Grenze bei 16 Jahren zu ziehen.

Er warnt: «Je mehr solche logistischen Hürden man kreiert, desto weniger wird getestet und desto weniger kann man Infektionsketten unterbrechen.» Zudem verstreiche so für das Contact-Tracing wertvolle Zeit, bevor ein Kind oder ein Jugendlicher zum Test dürfe. In der Zwischenzeit könne sich das Virus etwa unter den Mitschülern ausbreiten.

BAG überarbeitet Empfehlungen

Zwar könne der Abstrich für jüngere Kinder – insbesondere unter 12 – unangenehm und auch technisch schwierig sein, so Cerny. «In solchen Fällen ist es besser, wenn dieser von einem vertrauten Kinder- oder Hausarzt gemacht wird.»

Trotzdem ist für Cerny klar, dass es möglich sein muss, Kinder und vor allem Jugendliche direkt in Testzentren zu testen: «Aus epidemiologischer Sicht sollte auch diese Altersgruppe bei Verdacht auf eine Infektion so schnell wie möglich getestet werden.»

Tatsächlich will das BAG im Hinblick auf den Herbst und Winter über die Bücher gehen: «Das BAG wird die Empfehlungen für Kinder unter 12 Jahren überarbeiten», kündigt Sprecher Dauwalder an. Was sich ändern wird und wann, verrät er nicht.

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