Neue Altersgrenze: Erst ab 18 darf man Autofahren, trinken und … «Fifa» spielen?
Publiziert

Neue AltersgrenzeErst ab 18 darf man Autofahren, trinken und … «Fifa» spielen?

Die deutsche Regierung erlaubt Lootbox-Games wie «Fifa» in Zukunft möglicherweise nur für Erwachsene. Die Plattform Jugend und Medien und der Schweizer E-Sport-Verband sind davon nicht überzeugt.

von
Riccardo Castellano
1 / 7
Lootboxen sind virtuelle Kisten, aus denen man (meist) mit Echtgeld Zufallsinhalte erhält. 

Lootboxen sind virtuelle Kisten, aus denen man (meist) mit Echtgeld Zufallsinhalte erhält.

Sie exisitieren in den meisten Online-Spielen. Die Inhalte haben prestigiösen Charakter unter den Spielern und fördern daher das Glücksspiel. Hier in «Overwatch»…

Sie exisitieren in den meisten Online-Spielen. Die Inhalte haben prestigiösen Charakter unter den Spielern und fördern daher das Glücksspiel. Hier in «Overwatch»…

Blizzard
-… «Counter-Strike Global Offensive»…

-… «Counter-Strike Global Offensive»…

Valve

Darum gehts

  • In Deutschland wurde ein neues Jugendschutzgesetz verabschiedet.

  • In diesem könnten strengere Altersfreigaben für Games fixiert werden.

  • Das Thema wird auch hierzulande in der aktuellen Session im Parlament diskutiert.

  • Die Nationale Plattform für Jugend und Medien will ein einheitliches System.

  • Der Schweizer E-Sport-Verband ist nicht in allen Punkten einverstanden.

Jugendschutz-Regulierungen bei Videospielen sind ein zweischneidiges Schwert. Jede Massnahme bringt sowohl Vor- wie auch Nachteile mit sich. Die neuste Reform zum Jugendschutzgesetz bestätigt diese Hypothese: Aufgrund von Lootboxen könnten Spiele wie «Fifa» bald nur noch für Erwachsene legal gekauft werden - jedenfalls in Deutschland.

Diese Entscheidung hat die deutsche Regierung am vergangenen Bundestag beschlossen. Man wolle eine einheitliche Alterseinstufung bei Games festlegen. Glücksspielähnliche Elemente wie Lootboxen sollen in Spielen gekennzeichnet werden. Laut dem Spiegel.de könnte das zu einer Anhebung des Mindestalters auf 18 führen.

Diskussionsthema der Schweiz

Eine solche Reform würde auch beliebte Games wie «Fifa» und «Counter-Strike» betreffen. Diese sind bisher auch für Minderjährige spielbar. Da im E-Sport der grösste Teil der Profis noch nicht volljährig ist, könnte das zu einem Problem führen. Die kompetitive Szene müsste nach Umwegen suchen.

Doch wie sieht es in der Schweiz aus? Das Thema Jugendschutz bei Videospielen ist derzeit auch bei uns aktuell. Das Parlament diskutiert derzeit einen Entwurf, welcher ebenfalls Alterskennzeichnungen und -kontrollen hierzulande vereinheitlichen soll.

Laut Yvonne Haldimann, Projektleiterin bei der Nationalen Plattform Jugend und Medien, werden auch bei uns tiefgreifendere Massnahmen in Erwägung gezogen. «Der Nationalrat wird sich in im Frühling auch mit der Thematik Lootboxen und Glücksspielelemente auseinandersetzen», so Haldimann

In diesem Fall wird der Fokus aber auf eine Ko-Regulierung gelegt, wo die Videospiel-Branche gemeinsam mit Jugendschutzorganisationen eine Lösung finden soll. Bund und Kantone hätten dann nur eine überwachende Funktion. Bisher handelt es sich also um eine etwas mildere Form des Gesetzes im Vergleich zu Deutschland.

Belgien als Vorbild

Wäre eine Anpassung der Altersbegrenzung bei Lootbox-Spielen wie im Nachbarsland trotzdem möglich? «Wir sehen die Problematik von Lootboxen durchaus. Dennoch sind wir der Meinung, dass ein Mindestalter von 18 dem Inhalt von «Fifa» nicht gerecht wird», meint Haldimann. Das Spiel sei ansonsten in seiner Rolle als Fussballsimulation harmlos.

Bei Jugend und Medien wolle man einen anderen Ansatz verfolgen: «Piktogramme sollen in Zukunft darauf hinweisen, dass In-Game-Käufe im Videospiel möglich sind», so Haldimann. Ausserdem wolle man Eltern sensibilisieren, verschiedene Optionen wahrzunehmen. «Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, In-Game-Käufe über das Elternkontrollsystem mittels PIN einzuschränken bzw. vollständig zu deaktivieren.»

In Belgien sind Lootboxen verboten. Dort kann man «Fifa» zwar kaufen, hat jedoch keine Möglichkeit mehr, «Fifa»-Punkte zu erwerben. Für Haldimann ist das ein erfolgreiches Beispiel für eine Massnahme gegen Lootboxen.

Schweizer E-Sport-Verband will mitreden

So viel zum Jugendschutz, doch was bedeuten Altersanpassungen bei Games für deren E-Sport? Nicht immer Gutes, meint Jon Baumann, Präsident beim Schweizer E-Sport-Verband (SESF). «Lootboxen an sich sind im Kontext des Wettbewerbs schon fragwürdig», so Baumann. Schlussendlich sollten die Fähigkeiten über den Spielverlauf entscheiden und nicht das Portemonnaie.

Trotzdem: Ein Verbot für die Jungen wäre für Baumann kein optimaler Schritt. «Das Illegale verleiht einen Reiz, die jungen Spieler würden immer einen Weg drumherum finden», so der 29-Jährige.

Den Schweizer Ansatz findet Baumann schon etwas besser, doch auch hier will der Verband je nach Entscheidung mitreden. «Wenn es Änderungen zum Jugendschutz gibt, braucht es Regulierungen, die für Spieler nicht einschränkend sind», sagt Baumann. So sollten jüngere Spieler trotz Altersbeschränkung mit Erlaubnis der Eltern weiterhin an Turniere gehen dürfen.

Der Fall Belgien wäre aus Jugendschutz-Sicht von Vorteil, jedoch bringt das Wettbewerbsnachteile mit sich. «Wenn in ‹Fifa› keine Päckli mehr gekauft werden können, fehlen die guten Spielerkarten. Man ist im Nachteil gegenüber anderen».

Parlament in Diskussion

Das Parlament wird sich dem Thema Jugendschutz und Games Mitte März annehmen. Ob dort auch rigorosere Massnahmen wie in Deutschland besprochen werden, ist noch unklar. Dass «Fifa» aber die gleiche Altersbeschränkung wie hochprozentiger Alkohol und Autofahren erhalten wird, scheint zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich.

Was sind Lootboxen?

Lootboxen sind das digitale Äquivalent von Überraschungseiern. Zufallsinhalte, die gegen Echtgeld in Spielen erworben werden, sind bei Gamern und Eltern gleichermassen weltweit umstritten. Trotzdem sind diese für Spiel-Entwickler eine der lukrativsten Varianten, um Geld zu machen. Denn: Lootboxen sind ein Glücksspiel und Glücksspiele haben Suchtpotential.

Einige Länder wie Belgien und Holland haben bereits ein definitives Verbot von digitalen Zufallskäufen aufgestellt. Die Spiel-Versionen dort haben keine In-Game-Käufe. Das umstrittene Thema sorgt auch bei verschiedensten Jugendschutz-Organisationen immer wieder für Gesprächsstoff.

Deine Meinung

48 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Mustafa M

11.03.2021, 21:11

nix 18. Besser mit 17 ganze Tag mit Achmed M3 fahre

Bevormundung

11.03.2021, 17:06

Ist das nicht eine Bevormundung? Kinder können grundlegend ja nicht einfach so was kaufen, sie brauchen Geld oder eine Kreditkarte und Kinder haben keine Kreditkarte. Ich meine hier übernimmt doch die Aufgaben der Eltern und die Entscheidung der Kinder, was die mit ihrem Sackgeld anstellen, ist doch deren Sache. Die Sache mit Sucht gibt es auch bei Zigaretten und Alkohol und Kinder haben zu wenig Geld um in eine Sucht zu verfallen. Immer mehr will man uns bevormunden irgendwann wird es wie in China, wo Serien oder Anime verboten werden.

Pfyyl

11.03.2021, 13:35

Was Herr Baumann vom SESF nicht bedacht hat: es sollte nicht so sein, dass man sich Spieler durch Echtgeld-Käufe erwirbt, sondern dass man sie sich durch freischalten erspielt. Aber so geben gewisse halt keine 5000.- Frankrn aus, um am Ende weder Messi noch Ronaldo zu haben