Ahmadinedschad in Kairo: Erst der Bruderkuss, dann die Schuhattacke

Aktualisiert

Ahmadinedschad in KairoErst der Bruderkuss, dann die Schuhattacke

Der historische Besuch des iranischen Präsidenten in Ägypten begann herzlich. Später wurde ihm die ultimative arabische Demütigung zuteil: Ein Demonstrant warf seinen Schuh nach ihm.

von
kri

Mahmud Ahmadinedschads Besuch in Ägypten, der erste eines iranischen Präsidenten seit über 30 Jahren, hatte freundlich begonnen. Sein ägyptischer Amtskollege Mohammed Mursi begrüsste ihn am Flughafen Kairo mit Bruderkuss. Doch im Verlauf des Tages wurde klar, dass sich die beiden Länder nicht grundlos so lange Zeit gemieden hatten. Die beträchtlichen politischen und religiösen Differenzen traten unweigerlich zutage.

Am Dienstagnachmittag besuchte Ahmadinedschad die Al-Azhar-Moschee, wo er mit Ahmad Mohammad al-Tayyeb zusammentraf, der höchsten religiösen Autorität Ägyptens. Laut einem Communiqué der Moschee forderte der Grossscheich den iranischen (und schiitischen) Gast auf, sich nicht in die Angelegenheiten der sunnitisch regierten Emirate am Persischen Golf einzumischen.

Das war ein Fingerzeig Richtung Bahrain, dessen schiitische Bevölkerungsmehrheit von der sunnitischen Elite unterdrückt wird. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte später einen Anwesenden, wonach das Treffen zeitweise in einen theologischen Gelehrtenstreit ausartete. Al-Tayyeb soll sich im Anschluss enttäuscht geäussert haben.

«Brüder getötet»

Beim anschliessenden Besuch der Hussein-Moschee wurde Ahmadinedschad von der Syrien-Problematik eingeholt: In einem von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu veröffentlichten Video (siehe oben) ist zu sehen, wie ein aufgebrachter Demonstrant versucht, den iranischen Präsidenten mit einem Schuh zu bewerfen. Der Jugendliche soll mit syrischem Akzent gesprochen und den hohen Gast beschuldigt haben, «seine Brüder zu töten». Irans Unterstützung für Baschar al-Assad ist in der arabischen Welt höchst unpopulär.

Der Schuhwurf könnte allerdings auch religiös motiviert gewesen sein: Der amerikanische TV-Sender NBC berichtete im Anschluss von vier verhafteten Salafisten. In den Augen der sunnitischen Extremisten sind die schiitischen Muslime Ketzer.

Ahmadinedschad blieb unverletzt, da der Schuh nicht ihn, sondern einen seiner Leibwächter traf. Schmerzen dürfte ihn der Zwischenfall trotzdem, da er nun in einem Atemzug mit Ex-Präsident George W. Bush genannt wird. Dieser war 2008, wie Ahmadinedschad kurz vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit, in Bagdad vom irakischen Journalisten Muntadhar al-Zaidi mit zwei Schuhen beworfen und als «Hund» verunglimpft worden.

Legendäre Schuhattacke gegen George W. Bush:

(Video: Youtube/mrsam05)

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