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Deutsches Olympia-DramaErst kein Glück, dann kommt noch Pech dazu

Die Schweiz hatte ihren schwarzen Tag am 1. August, beim nördlichen Nachbarn reiht sich eine Schlappe an die andere. Deutschland droht das schlechteste Abschneiden an Sommerspielen seit Jahrzehnten.

Stephan Feck knallte brutal mit dem Rücken aufs Wasser. Der deutsche Wasserspringer verlor bei seinem dreieinhalbfachen Salto vom 3-m-Brett die Kontrolle und musste den Wettkampf aufgeben. Null Punkte und letzter Platz. Fecks Bruchlandung ist symbolisch für die deutschen Tauchgänge der letzten Tage. Die Negativnachrichten nehmen nicht ab, mit derzeit lediglich sechs Goldmedaillen liegt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) weit hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück.

Die Olympischen Spiele begannen für Deutschland mit einem medaillenlosen Startwochenende, dem schlechtesten Auftakt seit 1968. Erst am dritten Tag erlöste Fechterin Britta Heidemann ihre Nation mit dem Gewinn der ersten Auszeichnung. Nach einigen erfolgreichen Tagen nahm die Ausbeute zuletzt wieder deutlich ab. Stattdessen nahmen die Schlappen zu.

Im Schwimmen setzte es im olympischen Pool erstmals seit 1932 kein Edelmetall ab. Im Schiessen rechnete Deutschland mit vier bis fünf Medaillen. Stattdessen setzte es einen «Nuller» ab; die Bilanz fiel ähnlich ernüchternd aus wie jene der Schweizer Schützen-Delegation. Im Boxen erfüllten sich die Hoffnungen ebenso wenig und das erfolgsverwöhnte deutsche Reit-Team erlitt mit der verpassten Qualifikation für den Mannschafts-Final ebenfalls ein Debakel.

Wegmanns Aussage trifft den Nagel auf den Kopf

Am Montagabend sass die Stabhochspringerin Silke Spiegelburg weinend auf der Matte. Statt der erhofften Medaille ging die Medaillenkandidatin leer aus. «Vierte - immer! Das kann doch nicht wahr sein», klagte die Deutsche, die als Jahresweltbeste in den Wettkampf gestartet war. Nur wenige Stunden davor hatten sich die deutschen Landhockey-Frauen, 2004 noch Olympiasiegerinnen, bereits in der Vorrunde verabschiedet. «Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu» - die legendäre Aussage des ehemaligen deutschen Fussballers Jürgen Wegmann trifft den Nagel im deutschen Lager so ziemlich auf den Kopf.

1992 in Barcelona gewann Deutschland noch 82 Medaillen (davon 33 goldene). Seither nahm die Anzahl gewonnener Auszeichnungen bei allen Sommerspielen kontinuierlich ab. Vor vier Jahren in Peking waren es noch 41 Medaillen. Aktuell steht die deutsche Mannschaft wenige Tage vor dem Ende der Wettkämpfe bei total erst 27 Auszeichnungen.

Noch ein paar heisse Eisen im Feuer

Im Gegensatz zur Schweizer Delegation, deren Ausbeute mit bisher zwei Medaillen ebenfalls nicht gerade berauschend ausfällt, haben die Deutschen aber noch ein paar heisse Eisen im Feuer. Und mittlerweile freut sich der grosse Nachbar bereits an einem Viertelfinal-Einzug der deutschen Volleyballer - immerhin dem besten Ergebnis seit 40 Jahren - euphorisch.

Wenig trösten dürfte die deutsche Delegation, dass Österreich noch immer auf die erste Medaille wartet. Schadenfreude empfinden ob diesem Fakt dann schon eher die Schweizer. (si)

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