Toggenburger Sekte Adullam: Erst Lehrer, dann Banker und nun Sektenführer
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Toggenburger Sekte AdullamErst Lehrer, dann Banker und nun Sektenführer

Werner Arn, Anführer der Toggenburger Sekte Adullam, ist letzte Woche 74-jährig gestorben. Sein 38-jähriger Sohn Josua, ein Banker, soll nun übernehmen.

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taw
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Das Adullam-Gebäude in Wattwil SG.

Das Adullam-Gebäude in Wattwil SG.

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Werner Arn ist kürzlich, nach schwerer Krankheit, verstorben.

Werner Arn ist kürzlich, nach schwerer Krankheit, verstorben.

Appenzeller Volksfreund
Nun soll sein Sohn Josua seine Nachfolge antreten.

Nun soll sein Sohn Josua seine Nachfolge antreten.

Schweizer Soldat

«Josua Arn wird in die Fussstapfen seines Vaters treten», sagt Walter Spöhel von Adullam gegenüber 20 Minuten. Werner Arn habe mehrere Söhne, aber Josua sei der einzige, der sich mit der Sache identifizieren könne. «Mit dieser Nachfolge waren alle in der Gemeinschaft sofort einverstanden», so Spöhel weiter.

Banker und Major

Josua Arn ist 38 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei kleinen Töchtern. Der HSG-Absolvent hatte sich schon während seiner Studienzeit auf dem Campus missionarisch hervorgetan, was zu Diskussionen führte, wie die Studentenzeitschrift «Prisma» in ihren Ausgaben im Juni und Juli 2001 berichtete.

2003 bewarb er sich bei der Kantonsschule Wattwil und unterrichtete dort während rund zwei Jahren das Fach Wirtschaft. «Josua Arn hat unseres Wissens während der Stunden nie missioniert», so Christoph Mattle, Leiter des Amtes für Mittelschulen, 2005 in einem Artikel im «St. Galler Tagblatt». Als er dem Rektor für seine militärische Abwesenheit einen Aushilfslehrer vorschlug, war es dann allerdings dieser, der in den Schulstunden seine fundamentalistischen Ansichten verbreitete.

Ende 2005 lief Arns Lehrauftrag aus. Seit März 2005 arbeitet er bei einer Bank. Zudem ist er Major der Schweizer Armee. «Es wird Zeit brauchen, bis er sich in seine neue Aufgabe voll und ganz einfindet», sagt Spöhel. Er rechne damit, dass Arn Junior längerfristig seinen Job als Banker aufgeben wird.

Das gleiche Charisma wie der Vater?

Laura Büchi schlich sich 2005 als 16-Jährige für 30 Tage bei der Sekte ein, um für ihre Maturaarbeit zu recherchieren. Dabei lernte sie auch Josua Arn kennen. «Josua war seinem Vater damals gar nicht ähnlich. Er war eher ruhig, freundlich und introvertiert», so Büchi. Beinahe schüchtern sei er gewesen und habe sich seinem Vater gegenüber auffallend unterwürfig verhalten.

Laut Sektenexperte Georg Otto Schmid ist der Fortbestand einer Sekte beim Tod des Sektenführers dann ungewiss, wenn dieser die tragende Figur war. «Bei Adullam war das klar der Fall. Ein Grossteil der Faszination ging von Werner Arn aus», so Schmid. Er sei sehr charismatisch und einnehmend gewesen und habe stets auf alle Fragen eine Antwort gehabt. So hat ihn auch Büchi während ihrer Tage bei der Sekte erlebt. «So eine Person ist nicht einfach zu ersetzen», sagt Schmid. Er rechne deshalb damit, dass von den jetzt rund 500 Anhängern bis die Hälfte die Sekte verlassen könnten.

«Viele Anhänger haben zwar schon lange gehofft, dass Josua übernehmen wird. Viel wichtiger als die Verwandtschaft ist aber das Charisma», so Schmid. Nur jemand der Werner Arn möglichst ähnlich sei, könne die Mitglieder zusammenhalten.

Die Gemeinschaft Adullam

Werner Arn wuchs in der Nähe von Winterthur in einem reformierten Elternhaus aus. Als 26-Jähriger entdeckte er schliesslich die Heilige Schrift, was alles änderte, wie die «Ostschweiz am Sonntag» schreibt. Anfangs wirkte er als Sektenexperte und warnte in Vorträgen etwa von den Gefahren der Zeugen Jehovas. Er zog ins Toggenburg und gründete 1988 in Wattwil SG die christlich-fundamentalistische Gemeinschaft Adullam.

Die Bibel war für Arn Gesetz. Aus ihr leitete er strikte Regeln ab. Das Haupt der Familie ist der Mann, Frauen müssen sich unterordnen. Frauen müssen auch strenge Kleidervorschriften befolgen, so dürfen sie etwa nur Röcke tragen. Die Landeskirchen bezeichnete Arn stets als grosse Sekten. Wie sich die Gemeinschaft finanziert ist nicht ganz klar. Arn gab zwar zu, dass er Spenden erhielt, dass die Anhänger einen Zehnten abliefern müssen, bestritt er jedoch stets.

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