Aufstand in Deutschland: Erst Pegida, jetzt die «Anständigen»
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Aufstand in DeutschlandErst Pegida, jetzt die «Anständigen»

Erneut sind in Dresden Tausende Pegida-Anhänger auf die Strasse gegangen. Dagegen formiert sich der «Aufstand der Anständigen». Was ist in Deutschland los?

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bat
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Am 22. Dezember 2014 gingen in Dresden 17'500 Menschen der Bewegung «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida) auf die Strasse. Mit Deutschland-Fahnen demonstrierten sie gegen in ihren Augen zunehmende Überfremdung des Abendlandes.

Am 22. Dezember 2014 gingen in Dresden 17'500 Menschen der Bewegung «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida) auf die Strasse. Mit Deutschland-Fahnen demonstrierten sie gegen in ihren Augen zunehmende Überfremdung des Abendlandes.

Keystone/AP/Jens Meyer
Rechtsextremismus-Experten beobachten die Entwicklung mit Sorge. Die Pegida werfe «Kampfvokabeln» in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf. Die Gruppe versuche, einen «Kampf der Kulturen» zu schüren, sagte zum Beispiel Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke.

Rechtsextremismus-Experten beobachten die Entwicklung mit Sorge. Die Pegida werfe «Kampfvokabeln» in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf. Die Gruppe versuche, einen «Kampf der Kulturen» zu schüren, sagte zum Beispiel Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke.

Keystone/AP/Jens Meyer
Auch in Kassel zog es Pegida-Anhänger auf die Strasse.

Auch in Kassel zog es Pegida-Anhänger auf die Strasse.

Keystone/uwe Zucchi

Die Bewegung Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) zieht in Deutschland noch immer Tausende Menschen an. 17'500 demonstrierten diesen Montag in Dresden gegen die in ihren Augen zunehmende Islamisierung.

Rechtsextremismus-Experten beobachten die Entwicklung mit Sorge. Die Pegida werfe «Kampfvokabeln» in die Menge und versuche, einen «Kampf der Kulturen» zu schüren, sagt etwa Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke zur «Augsburger Allgemeinen Zeitung». Das Ganze zeige Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung.

Hohes Aggressionspotenzial

Bisher blieben die Pegida-Demonstrationen mehrheitlich friedlich. Doch Rechtsextremismus-Forscher Johannes Kiess sieht ein hohes Aggressionspotenzial unter den Teilnehmern, die gegen alle möglichen Feindbilder polemisieren. «Anderseits sind die Organisatoren sichtlich bemüht, die in der Minderheit befindlichen tendenziell Gewaltbereiten zurückzuhalten, um den bürgerlichen Anstrich der Kundgebungen nicht aufs Spiel zu setzen», so Kiess zu 20 Minuten. Viel gefährlicher sei, dass sich Menschen landesweit durch die nach rechts verschobene Stimmung bestärkt fühlen, Personen und Asylbewerberheime anzugreifen.

In die Pegida-Debatte schaltet sich auch Deutschlands Polit-Prominenz ein. Alt-Kanzler Gerhard Schröder forderte laut dem Magazin «Couragiert» einen «Aufstand der Anständigen». Unter diesem Slogan hatte der damalige Kanzler im Jahr 2000 nach einem Brandanschlag auf eine Synagoge in Düsseldorf zum «Protest gegen Rechts» aufgerufen. «Das Ereignis führte uns vor Augen, dass der Kampf gegen rechte Gewalt, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus noch stärker in der Gesellschaft verankert werden muss», so Schröder.

Spaltung der Gesellschaft

Sein Aufruf stösst auf offene Ohren. So versammelten sich in München, Bonn, Kassel und Würzburg Tausende, um gegen die Pegida-Demonstrationen zu protestieren. 12'000 Pegida-Gegner gingen am Montag allein in München auf die Strasse.

Eine Entwicklung, die ihrerseits Sorgen bereitet: «Die Situation hat das Potenzial, unsere Gesellschaft zu spalten», sagt der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) zur «Morgenpost». Verunsicherten Menschen zu erklären, warum die Hilfe für Flüchtlinge eine humanitäre Aufgabe ist, sei eine Herausforderung. Diese Kommunikation müssten alle demokratischen Kräfte parteiübergreifend leisten, so Henkel.

Nächste Demos im Januar

Doch nicht alle grossen Parteien machen beim gemeinsamen Widerstand gegen die Pegida mit: Die Alternative für Deutschland (AfD) forderte, die Ängste der Pegida-Demonstranten ernstzunehmen. Es sei «gut und richtig», dass Bürger ihren «Sorgen über die Ausbreitung von radikalem islamistischen Gedankengut» in gewaltlosen Demonstrationen Ausdruck verliehen, schrieb AfD-Vorsitzender Bernd Lucke auf seiner Facebook-Seite.

Ganz anders sieht das der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Er halte nichts von einer «weinerlichen Haltung im Umgang mit Pegida», sagte er zur «Berliner Zeitung». «Klartext ist angesagt und nicht dieses Gesülze, was ich da von manchen Kollegen von mir höre.»

Ob Özdemirs klare Worte etwas bewirken, wird sich zeigen. Über die Feiertage dürfte es auf Deutschlands Strassen ruhig bleiben. Doch schon für den 5. Januar hat der Pegida-Veranstalter Lutz Bachmann in Dresden die nächste Demonstration geplant. «Ob sich Pegida auch in anderen Städten etablieren kann oder nicht, hängt auch von der Mobilisierung der Gegenproteste ab», sagt Experte Kiess zu 20 Minuten.

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