Amoklauf Heidelberg – «Erst später erfuhr ich, dass das der Amokläufer war»
Aktualisiert

Amoklauf Heidelberg«Erst später erfuhr ich, dass das der Amokläufer war»

Noch immer ist nicht bekannt, wie der Täter in Heidelberg (D) seine Opfer auswählte oder was er vorhatte. Durch ihr schnelles Eingreifen konnte die Polizei wohl aber Schlimmeres verhindern. Zeugen des Amoklaufs berichten nun, wie sie die bangen Minuten erlebten.

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Einen Tag nach dem tödlichen Amoklauf von Heidelberg, sind noch immer viele Fragen offen.

Einen Tag nach dem tödlichen Amoklauf von Heidelberg, sind noch immer viele Fragen offen.

AFP
Eine Ermittlungssgruppe der Polizei hat ihre Arbeit aufgenommen.

Eine Ermittlungssgruppe der Polizei hat ihre Arbeit aufgenommen.

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Sie soll herausfinden, was den 18-jährigen Biologiestudenten antrieb. 

Sie soll herausfinden, was den 18-jährigen Biologiestudenten antrieb.

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Darum gehts

  • Am Montag schoss ein Täter an der Universität Heidelberg (D) um sich.

  • Er tötete eine 23-jährige Frau und verletzte weitere Personen. Anschliessend richtete er sich selbst.

  • Gemäss Zeugenberichten war die Polizei schnell vor Ort. Nun laufen die Ermittlungen zu den Motiven des 18-Jährigen.

Einen Tag nach dem tödlichen Amoklauf im deutschen Heidelberg kommen neue Details zum Fall ans Licht. Gegenüber der «Bild»-Zeitung erklären Zeugen, wie sie den Fall erlebten. Eine Mitarbeiterin eines Corona-Test-Zentrums auf dem Campus berichtet, wie es war war, als sie die Schüsse hörte. «Ich führte gerade meinen ersten Test durch, als ich einen lauten Knall hörte.» Anschliessend begegnete die Frau gar dem leblosen Körper des Attentäters: «Als ich am Botanischen Garten vorbei kam, sah ich dort einen Mann liegen und wie Rettungskräfte versuchten, ihn zu reanimieren. Erst später erfuhr ich, dass das der Amokläufer war.»

Mit der Arbeit der Polizei zeigen sich die Menschen vor Ort zufrieden. Es dauerte weniger als zehn Minuten, bis die Beamten nach der ersten Benachrichtigung von Schüssen auf dem Uni-Gelände am Ort des Geschehens waren. «Die Polizei war wirklich sehr schnell vor Ort und riegelte alles ab, da muss man ein Lob aussprechen», erklärt ein Rettungssanitäter gegenüber der Zeitung.

«Ich war oft in dem Vorlesungssaal, an dem Tag zum Glück nicht»

Um ca. 12.30 Uhr am Montag eröffnete ein 18-jähriger Student das Feuer. Er schoss einer 23-jährigen Frau in den Kopf, sie verstarb am Montagnachmittag an den Folgen der Schussverletzung. Drei weitere Studierende wurden verletzt. Rund eine halbe Stunde nach den ersten Benachrichtigungen fanden die Polizisten den Täter ausserhalb des Gebäudes auf – tot, er hat sich wohl selbst erschossen.

Was den jungen Mann dazu brachte, im Hörsaal um sich zu schiessen, ist auch einen Tag nach der Tat rätselhaft. Um 12.32 Uhr, also nur wenige Minuten nach den Notrufen, meldete sich der Vater des Täters bei der Polizei, teilte den Beamten mit, sein Sohn habe ihm die Tat per Whatsapp angekündigt. Der Student schrieb dabei nach Polizeiangaben, «dass Leute jetzt bestraft werden müssen». Wann die Nachricht des Sohnes genau beim Vater eintraf, konnte Strobl am Dienstag nicht sagen.

Die «Bild»-Zeitung sprach auch mit Studenten vor Ort. Diese zeigen sich auch einen Tag nach der Tat nach wie vor geschockt. «Ich wollte an dem Nachmittag noch an die Uni fahren, weil ich eine Vorlesung hatte. Aber es war leider dann etwas verwirrend. Man hat nicht gewusst, findet heute überhaupt noch etwas statt, es gab ziemlich wenig Informationen. Und dann macht man den Fernseher an und sieht die ganzen Bilder. Und man fragt sich nur: Oje, wie geht es jetzt weiter», sagte ein 22-jähriger Student sichtlich mitgenommen gegenüber der Zeitung. «Das ist eine Kulisse wie in einem Katastrophenfilm.» Eine weitere Studentin berichtet vom unguten Gefühl, als man nicht wusste, was vor sich ging und minutenlang der Helikopter über dem Universitätsgeländer kreiste. Auch sie entkam offenbar nur mit Glück Schlimmerem: «Ich war oft in dem Vorlesungssaal, an dem Tag zum Glück nicht.»

Woher hatte der Täter die Waffen?

Eine Ermittlungsgruppe mit 32 Beamten unter dem Namen «Botanik» hat die Arbeit aufgenommen. Der Name ist darauf zurückzuführen, dass das betroffene Uni-Gebäude an den Botanischen Garten grenzt. Die Ermittler konzentrieren sich vor allem auf das Motiv des Attentäters, durchleuchten das Umfeld des Studenten. Die Polizei wertet zudem digitale Geräte aus, die das Spezialeinsatzkommando (SEK) bei der Durchsuchung seiner Wohnung sichergestellt hat. Er sei zuversichtlich, dass die Auswertung Hinweise auf die Motivlage geben könnte, sagt Strobl. Zudem werden die beiden Leichen am Universitätsklinikum Heidelberg rechtsmedizinisch untersucht.

Klar ist: Der Schütze war erst 18 Jahre alt und Deutscher, er lebte in Mannheim, studierte Biologie und war der Polizei bislang nie aufgefallen. Am Dienstag berichtet der «Mannheimer Morgen», dass der Mann im Berliner Stadtteil Wilmersdorf aufgewachsen sein soll. Es gebe keinerlei Hinweise auf eine politisch oder religiös motivierte Tat, sagt Strobl. Er habe gehört, dass der Täter in psychischer Behandlung gewesen sein soll, aber das sei Gegenstand laufender Ermittlungen. Der Innenminister vermag auch nicht zu sagen, ob sich der Täter und das Todesopfer kannten.

Auch die Frage, wie der Biologie-Student an die beiden Langwaffen kam, von denen er eine für den Amoklauf nutzte, ist noch unbeantwortet. Der 18-Jährige soll die Gewehre vor wenigen Tagen im Ausland gekauft haben. In seinem Rucksack hatte er noch 100 Schuss Munition. Der baden-württembergische Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, sagte, bei einem Repetiergewehr und einer Schrotflinte handle es sich um nicht leicht handhabbare Waffen, die meist Jäger nutzten und für andere in Deutschland legal kaum zu erwerben seien.

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(DPA/pme)

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