Wirte gewarnt: Erst spielte er Klavier, dann prellte er die Zeche

Aktualisiert

Wirte gewarntErst spielte er Klavier, dann prellte er die Zeche

Ein Mann, der sich als Dirigent ausgibt, hat in mindestens zwei St. Galler Lokalen die Zeche geprellt. St. Gallen-Bodensee Tourismus warnt nun in einem Rundmail vor ihm.

von
tso
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Bevor er in der Einstein Bar am Stephanstag die Zeche prellte, spielte D.V* am Klavier...

Bevor er in der Einstein Bar am Stephanstag die Zeche prellte, spielte D.V* am Klavier...

...tags darauf blieb auch das Gentile auf der Rechnung sitzen. Auch hier erzählte der Mann mit französischem Akzent, er sei Pianist und suche ein Lokal für sein baldiges Konzert.

...tags darauf blieb auch das Gentile auf der Rechnung sitzen. Auch hier erzählte der Mann mit französischem Akzent, er sei Pianist und suche ein Lokal für sein baldiges Konzert.

Offenbar spricht D.V. mehrere Sprachen und wirkt etwas verwirrt.

Offenbar spricht D.V. mehrere Sprachen und wirkt etwas verwirrt.

Achtung Zechpreller: In einem Rundmail an mehrere St. Galler Wirte warnt St.Gallen-Bodensee Tourismus vor einem Mann mit französischem Akzent, der sich als Pianist und Dirigent ausgibt.

Bevor D.V.* am Stephanstag ohne zu zahlen aus der Einstein-Bar verschwand, hatte er sich mehrmals ans Klavier gesetzt. Dass er dabei nicht wie ein Amateur klang, bestätigt ein anwesender Gast: «Er spielte sehr gut, soweit ich das beurteilen kann.» V. habe das Lokal gegen 17 Uhr betreten und auf den Barkeeper eingeredet. Auch mit den Gästen kam der etwas verwirrt wirkende V. ins Gespräch. «Er sagte, er sei Dirigent und habe bald einen Auftritt in St. Gallen», so der Gast. V. trank den ganzen Abend Wein an der Bar – doch bezahlen wollte er nicht. «Irgendwann fragte er uns nach Bargeld», so der Leser-Reporter. «Er zahle es uns zurück, sobald seine Frau mit dem Gepäck komme.» Offenbar eine Lüge: V. hat nie im Einstein genächtigt, wie aus dem Rundmail von St. Gallen-Bodensee Tourismus hervorgeht.

«Meine Frau bezahlt die Rechnung»

Tags darauf versuchte V. sein Glück im Restaurant Gentile. Wieder trank er Wein, nahm aber auch Kaffee und Gipfeli. Erneut erzählte er allen, er sei Pianist und suche eine Lokal für einen baldigen Auftritt. «Er sass von frühmorgens bis nachmittags bei uns im Restaurant», erzählt eine Angestellte. Als er um 16 Uhr die Rechnung erhielt, wollte er wieder nicht bezahlen:«Er sagte, er gehe nur kurz ins Hotel Einstein, um seine Kreditkarten zu holen», berichtet die Angestellte. Als er zurückkam, erzählte er, seine Frau werde die Rechnung bald begleichen. Diese tauchte aber nie auf.

Zum Schluss bot er an, die Kreditkartennummer und Adresse eines Freundes anzugeben. Die Angestellte: «Da wir grundsätzlich keine Fremdrechnungen ausstellen, haben wir abgelehnt.» V. musste gehen – und das Gentile blieb auf der Rechnung sitzen. Die Polizei habe man bisher nicht eingeschaltet, so die Mitarbeiterin.

Gastro-Profi rät zur Anzeige

«Uns liegt keine Anzeige wegen Zechprellerei vor», sagt Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, auf Anfrage. Auch das Einstein hat offenbar von einer Anzeige abgesehen.

Ein Zeichen von Milde, findet Walter Tobler, Präsident von Gastro St. Gallen. Er rät betroffenen Wirten, bei Zechprellern die Polizei zu rufen. «Das ist wie bei einem Ladendiebstahl, wo ja auch die Polizei hinzugezogen wird.» Tobler merkt an: «Meines Wissens kommt Zechprellerei in der Region selten vor.» Der Fall des Pianisten sei der erste seit langer Zeit.

* Name der Redaktion bekannt

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