Bottighofen TG: Erst wurden sie vergiftet, dann geknickt und eingeritzt
Publiziert

Bottighofen TGErst wurden sie vergiftet, dann geknickt und eingeritzt

In Bottighofen am Bodensee werden seit Jahren die Bäume von Unternehmer Peter Munz mutwillig beschädigt. Für ihn ein grosses Ärgernis. Nun hat er Anzeige erstattet.

von
Leo Butie

Unbekannte beschädigen immer wieder die Bäume von Peter Munz.

20M/Underi Müli AG

Darum gehts

  • In Bottighofen TG werden seit Jahren die Bäume von Peter Munz beschädigt.

  • Er will, dass dies ein Ende hat und erstattet Anzeige gegen Unbekannt.

  • Er glaubt zu wissen, wer die Täter sind.

  • Das Beschädigen von Bäumen ist in der Schweiz strafbar.

Es ist ein Bild, dass sich mittlerweile bei Peter Munz, Inhaber von Underi Müli AG, immer wiederholt: Seit Jahren werden die Bäume, die seine Firma an der Seepromenade in Bottighofen anpflanzt, mutwillig beschädigt. «Zuerst wurden die Bäume mit Herbiziden abgetötet, nun wird auch physische Gewalt angewendet», sagt Munz zu 20 Minuten. Die Jungbäume werden abgeknickt, einer Birke versetzte man einen derart tiefen Schnitt, dass die Saftbahnen durchtrennt wurden und man diese fällen musste. «2014 hat es angefangen. Seither hat sich das Drama immer weiter zugespitzt», erzählt Munz. Systematisch würden seine Bäume sabotiert. «Es ist jetzt einfach zu viel.»

Nach dem siebten Jahr in Folge hat der Unternehmer nun genug. Er reicht eine Anzeige gegen Unbekannt ein und wendet sich mit einem Facebook-Post an die Öffentlichkeit. Das Ganze würde nicht nach einem Bubenstreich aussehen, sagte Munz gegenüber der «Thurgauer Zeitung». Er vermutet, dass sich Anwohner an den Bäumen stören würden, da die Bäume die Sicht zum See versperren würden. «Gewisse Leute hätten wohl lieber eine freie Sicht auf den See und möchten dies so durchsetzen», erklärt sich Munz das Verhalten. Der Schaden beläuft sich mittlerweile auf mehrere tausend Franken. «Eine grössere Eiche kostet beispielsweise 1500 Franken», weiss Munz.

1 / 8
Peter Munz, Inhaber Underi Müli AG in Bottighofen TG, ist verärgert. 

Peter Munz, Inhaber Underi Müli AG in Bottighofen TG, ist verärgert.

Underi Müli AG
Seit Jahren werden die von ihm angepflanzten Bäume beschädigt. 

Seit Jahren werden die von ihm angepflanzten Bäume beschädigt.

Underi Müli AG
Zu Beginn wurden Herbizide eingesetzt, jetzt sei man sogar zu physischer Gewalt übergegangen. 

Zu Beginn wurden Herbizide eingesetzt, jetzt sei man sogar zu physischer Gewalt übergegangen.

Underi Müli AG

Gegenüber 20 Minuten äussert Munz auch einen konkreten Verdacht, wer dahinter stecken könnte. Mit den Vorwürfen konfrontiert, weist die Anwohnerin jede Schuld von sich. «Davon weiss ich überhaupt nichts», sagt sie. Es sei ihnen aber eine Wohnung mit See-Sicht versprochen worden. Es sei schade, dass man nun Bäume anpflanzen möchte. Ihr sei aufgefallen, dass die Bäume öfters austrocknen würden. «Ich dachte einfach, dass der Boden nicht für Bäume geeignet ist.» Dass man mutwillig die Jungpflanzen sabotieren würde, ist ihr neu.

Bäume schädigen ist strafbar

Die Kantonspolizei Thurgau bestätigt, dass eine Anzeige eingegangen ist. «Bisher haben wir keine weiteren Erkenntnisse», sagt Michael Roth, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Die Beschädigung von Bäumen sei eher selten, eine Statistik dazu würde man nicht führen. «Es ist eine Sachbeschädigung, die die Polizei nach Eingang eines Strafantrages verfolgt», so Roth. So sei beispielsweise auch das Einritzen eines Herzes in die Rinde verboten.

Sachbeschädigung

StGB Art. 144

1 Wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums‑, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht, wird, auf Antrag, mit Frei­heitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

2 Hat der Täter die Sachbeschädigung aus Anlass einer öffentlichen Zusammenrottung begangen, so wird er von Amtes wegen verfolgt.

3 Hat der Täter einen grossen Schaden verursacht, so kann auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren erkannt werden. Die Tat wird von Amtes wegen verfolgt.

Mangelndes Bewusstsein gegenüber Wäldern

In Thurgauer Wälder habe man im vergangenen Jahr nicht mehr beschädigte Einzelbäume festgestellt. Doch die Wälder seien häufiger genutzt worden. «Es ist oftmals ein mangelndes Bewusstsein festzustellen, dass trotz dem öffentlichen Zutrittsrecht, gestützt auf das ZGB, hinter jedem Waldstück ein Waldeigentümer steht», sagt Peter Rinderknecht, Forstingenieur beim Forstamt des Kantons Thurgau. Und ebenso sei der Wald eine komplexe Lebensgemeinschaft von Pflanzen, Bäumen, Tieren und Insekten, die auf Störungen anfällig ist. «Man soll sich also als Gast bei einem Besuch im Wald mit dem nötigen Respekt bewegen», so Rinderknecht.

Munz hofft nun, dass mit dem Gang an die Öffentlichkeit die Sache erledigt ist. Weitere Massnahmen möchte er nicht verfolgen. «Schutzmassnahmen möchte ich vermeiden. Einen Zaun um die Bäume zu errichten oder gar Überwachungskameras zu installieren, wäre kontraproduktiv», findet er.

Brauchst du oder braucht jemand, den du kennst, eine Rechtsberatung?

Hier findest du Hilfe:

Reklamationszentrale, Hilfe bei rechtlichen Fragen

Deine Meinung

98 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Klare Sache

24.02.2021, 14:02

Die Thurgauer verstecken sich hinter den Bäumen und nennen es Wald.

Einen Wald mit drei Bäumen

24.02.2021, 14:01

Im Thurgau hat es Hündeler und Bäumeler?

Zu viele Rückstände im Trinkwasser

24.02.2021, 14:00

Vor lauter Wald sehe ich die Thurgauer nicht.