Finanzwesen: Erste Banken verzichten auf Bargeld am Schalter
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FinanzwesenErste Banken verzichten auf Bargeld am Schalter

Viele Banken bauen ihre Filialen um. Der Schalter mit Panzerglas wird von modernen Beratungszentren abgelöst. Bargeld gibt es dort keines mehr.

von
K. Wolfensberger
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Von den insgesamt 67 Niederlassungen der Migros Bank verfügen nur noch 15 über einen Bankschalter für Bargeldauszahlungen.

Von den insgesamt 67 Niederlassungen der Migros Bank verfügen nur noch 15 über einen Bankschalter für Bargeldauszahlungen.

Keystone/Martin Ruetschi
Die Bank hat in den letzten fünf Jahren verschiedene Filialen umgebaut und in zehn Filialen gar keine klassischen Bankschalter mehr eröffnet.

Die Bank hat in den letzten fünf Jahren verschiedene Filialen umgebaut und in zehn Filialen gar keine klassischen Bankschalter mehr eröffnet.

Keystone/Martin Ruetschi
Bei der Bank Coop wurde der Bargeldbezug am Schalter in den letzten fünf Jahren in sechs Filialen eingestellt.

Bei der Bank Coop wurde der Bargeldbezug am Schalter in den letzten fünf Jahren in sechs Filialen eingestellt.

Keystone/Martin Ruetschi

Wer Geld am Bankschalter abheben möchte, wird in Zukunft von Schalterangestellten immer häufiger zu hören bekommen: «Leider können wir Ihnen kein Bargeld ausbezahlen. Bitte benützen Sie den Bancomaten.» Wie das Konsumentenmagazin «Espresso» herausgefunden hat, haben bereits mehrere Bankfilialen diesen Schritt vollzogen.

So habe die Migros Bank in den letzten fünf Jahren zehn bestehende Filialen umgebaut und dabei die Bankschalter entfernt. Parallel dazu habe sie bei neu eröffneten Niederlassungen von Anfang an auf Bankschalter verzichtet. Das heisst: Von den insgesamt 67 Niederlassungen der Migros Bank verfügen nur noch 15 über einen Bankschalter für Bargeldauszahlungen. Bei der Bank Coop sei der Bargeldbezug am Schalter in den letzten fünf Jahren in sechs Filialen eingestellt worden. Insgesamt ist der Bargeldbezug somit noch in 26 von 32 Niederlassungen möglich.

Beide Finanzinstitute erklären auf Anfrage, dass man sich mit dem Schritt den gewandelten Kundenbedürfnissen anpassen wolle. «Wir stellen fest, dass Transaktionen an Bankschaltern für immer mehr Kunden unwichtig geworden sind», sagt Migros-Bank-Sprecher Urs Aeberli. Kunden würden ihre alltäglichen Bankgeschäfte wie Bargeldbezüge oder Zahlungen an Automaten oder via E-Banking tätigen.

Persönliche Beratung statt Bargeld

Im Gegensatz dazu dienten die Bankniederlassungen vermehrt der persönlicher Beratung in Finanzfragen, etwa im Bereich Hypotheken, so die Migros Bank. Bei der Bank Coop klingt dies ähnlich. Sprecherin Natalie Waltmann ergänzt, es gehe ihrer Bank bei neuen Filialen auch darum, den Kunden mit mehr Offenheit zu begegnen. Die Filialen seien daher in einem ansprechenden Stil gehalten, der das passende Ambiente für Beratungen biete.

Bei neu- und umgebauten Niederlassungen werden die Banken voraussichtlich weiterhin auf Bankschalter zugunsten einer grösseren Beratungszone verzichten. So sagt die Migros Bank, dass bei bestehende Niederlassungen im Fall eines Umbaus die Schalter entfernt werden, um mehr Raum und Diskretion für Beratungsgespräche zu bieten.

Eine Sparmassnahme?

Dass es sich beim Bargeldverzicht um eine Sparmassnahme handelt, bestreiten die beiden Banken. Sie betonen, der Umbau habe einzig aufgrund der gewandelten Kundenbedürfnisse stattgefunden. Wenn Kunden mit der Umstellung Mühe haben, könnten sie sich ausserdem Hilfe am Schalter holen.

Dass die Banken nicht aus einer Sparabsicht heraus handeln, nehmen ihnen Experten allerdings nicht ab. Mathias Binswanger, Volkswirtschaftsprofessor an der Fachhoschule Nordwestschweiz, sieht darin eine klassische Sparmassnahme und Aufwandsreduktion, die in Zukunft ausserdem noch intensiviert werden dürfte. Er sagt: «Die Betreibung der Schalter ist den Banken wohl einfach zu umständlich und zu teuer geworden.»

Der emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger ergänzt: «Die Banken machen reine Kosten-Nutzen-Analysen bezogen auf die einzelne Dienstleistung. Da Bartransaktionen am Schalter seltener werden, werden sie einfach eingestellt.» Der Entscheid reduziere bei den Kunden die Wahrnehmung der Bank als «Geldinstitut».

Stärkere Überwachung der Kunden

Mathias Binswanger sagt dazu: «Banken stehen symbolisch immer weniger für die Ermöglichung des Zahlungsverkehrs, sondern für Beratung, den Verkauf von Hypotheken oder die Vergabe von Krediten.» Da die Finanzinstitutionen umgekehrt sowieso kein grosses Interesse an einem hohen und für sie teuren Bargeldumlauf hätten, würden sie es den Kunden Schritt für Schritt unbequemer machen, an Bargeld zu gelangen.

Doch nicht nur die Banken, auch Staaten wollen heute die Bürger laut Hans Geiger vom Bargeld wegbringen. «Bargeld wird vom Staat oft schlechtgeredet, angeblich wegen der Geldwäscherei oder zur Durchsetzung von Negativzinsen», sagt der emeritierte Bankenprofessor.

Bezug von Fremdwährungen

Wer bei der Migros- oder Coopbank in den neuen Filialen Fremdwährungen beziehen möchte, kann dies im Fall von Euro am Automaten tun. Bei der Bank Coop gibt es zumindest US-Dollar nach wie vor am Schalter. Die Migros Bank bietet ausserdem die Möglichkeit, einen Wechselautomaten zur nutzen. Bei beiden Instituten kann man sich Fremdwährungen ausserdem nach Hause schicken lassen.

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