Bürgerkrieg: Erste Busse mit Frauen verlassen Homs
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BürgerkriegErste Busse mit Frauen verlassen Homs

Nach der Einigung zwischen der syrischen Regierung und der UNO sind aus der Altstadt von Homs etwa 20 Familien weggebracht worden. Am Samstag soll humanitäre Hilfe folgen.

Nach langem Ringen können Frauen, Kinder und ältere Menschen die von syrischen Soldaten belagerten Stadtteile von Homs verlassen. Regierung und Opposition sagen ihre Teilnahme an der zweiten Genfer Runde zu.

Nach Monaten der Belagerung haben erste Zivilisten am Freitag die syrische Stadt Homs verlassen können. Etwa 80 Frauen, Kinder und ältere Menschen gelangten bis zum Einbruch der Dunkelheit in Bussen aus den von Rebellen gehaltenen, aber von syrischen Soldaten belagerten Stadtteilen. Viele von ihnen erschienen Beobachtern zufolge schwach und erschöpft.

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Die Bergung der Zivilisten hatten die beiden Bürgerkriegsparteien unter Vermittlung der Vereinten Nationen am Donnerstag vereinbart. Nach Angaben des russischen Aussenministeriums vom Freitag trat damit auch eine dreitägige Waffenruhe in Homs in Kraft. Schätzungen zufolge befinden sich etwa 2500 Menschen eingeschlossen in der Altstadt. Bewohner der Stadt müssen seit mehr als einem Jahr Lebensmittelknappheit und die sich verhärtenden Fronten aushalten.

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Unklar blieb am Freitagabend, wie viele Zivilisten insgesamt aus der Stadt gebracht werden sollen. Das syrische Staatsfernsehen hatte zuvor berichtete, 200 Menschen sollten am Freitag die Stadt verlassen und weitere Dutzende in den kommenden Tagen folgen. Männer im Alter zwischen 15 und 55 Jahren sind allerdings ausgenommen, da sie als potenzielle Kämpfer gelten.

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Der Gouverneur von Homs, Talal Barrasi, sagte unterdessen, die geretteten Zivilisten seien frei, dort hinzugehen, wohin sie gehen wollten. Ein Auffanglager stehe bereit, in dem bis zu 400 Menschen ohne ein Zuhause Unterschlupf finden könnten.

Der stellvertretende UN-Sprecher Farhan Haq teilte Reportern am Sitz der Vereinten Nationen in New York mit, es habe Berichte von vereinzelten Schusswechseln im Verlauf des Tages gegeben, die Bergung sei aber glatt verlaufen. «Wir versuchen, mehr Zivilisten aus der Stadt zu bringen und Lebensmittel in den kommenden Tagen zu liefern.» Für die Bergung standen ein halbes Dutzend Geländewagen der Vereinten Nationen sowie neun Busse und zwei Rettungswagen des Roten Halbmondes bereit.

Die syrische Regierung sagte unterdessen ihre Teilnahme an der zweiten Runde der Genfer Friedensgespräche zu, die am kommenden Montag beginnt. Die Opposition hat ebenfalls zugesagt, die am 31. Januar beendeten Sondierungen über eine Beendigung des Bürgerkrieges kommende Woche fortzusetzen. Bei der ersten Runde waren keine Fortschritte zur Beilegung des Konflikts erzielt worden, bei dem bisher nach Schätzungen mehr als 130 000 Menschen getötet wurden und 2,3 Millionen Menschen ins Ausland flohen.

In Aleppo wurden bei einem Gegenangriff der Regierungstruppen auf ein zuvor von Rebellen gestürmtes Gefängnis 20 Soldaten und 17 Rebellen getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mitteilte.

Der UN-Sicherheitsrat rief unterdessen Syrien zu einer rascheren Beseitigung seiner Chemiewaffenbestände auf. Gemäss Vereinbarung hätte Syrien bis 31. Dezember den Grossteil seiner gefährlichsten chemischen Kampfstoffe und bis Mittwoch dieser Woche sein gesamtes Chemiewaffenarsenal aufgeben und für den Abtransport zum Hafen von Latakia bringen sollen. Als Grund für die Verzögerung nannte die syrische Regierung Sicherheitsrisiken sowie mangelnde Ausrüstung. Laut Russland will Syrien bis zum 30. Juni sämtliche Chemiewaffen beseitigt haben. (sda)

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