CBD-Boom: Erste Cannabis-Bonbons in Schweizer Apotheken
Aktualisiert

CBD-BoomErste Cannabis-Bonbons in Schweizer Apotheken

Die Basler Firma Doetsch Grether lanciert Lutsch-Pastillen mit Hanfextrakt gegen Stress. Experten sind skeptisch.

von
Dominic Benz
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Die Basler Firma Doetsch Grether will im Mai eine Pastille mit dem Hanfextrakt Cannabidiol (CBD) auf den Markt bringen.

Die Basler Firma Doetsch Grether will im Mai eine Pastille mit dem Hanfextrakt Cannabidiol (CBD) auf den Markt bringen.

Die Lutschgummis sollen gegen Stress helfen und entspannend wirken.

Die Lutschgummis sollen gegen Stress helfen und entspannend wirken.

Angereichert sind die Pastillen mit Vitaminen und Zink.

Angereichert sind die Pastillen mit Vitaminen und Zink.

Sie sind Klassiker auf den Tresen in jeder Apotheke: die Halspastillen in der schicken Alu-Box der Basler Handelsfirma Doetsch Grether. Sie hat ebenso das Medikament Neo-Angin gegen Halsschmerzen im Angebot.

Jetzt springt das Unternehmen mit einem neuen Produkt auf den Cannabis-Boom auf: Cannaqix soll ab Mai in Drogerien und Apotheken erhältlich sein. Dabei handelt es sich um Pastillen mit dem Hanf-Extrakt Cannabidiol, kurz CBD. «Sie wirken entspannend und helfen gegen Stress», sagt Thomas Wyss, Chef von Doetsch Grether, zu 20 Minuten. Weltweit seien es die ersten Hanf-Pastillen auf dem Markt. Angereichert sind die Lutschbonbons zudem mit Vitaminen und Zink.

Lutschen ohne Rausch

High wie beim Rauchen eines Joints wird man mit den Pastillen nicht. Dafür ist der THC-Gehalt viel zu gering. Dieser liegt bei nicht einmal 0,001 Prozent. Im Gegensatz zu THC wirkt CBD nicht berauschend, sondern soll lediglich entspannend sein. Daher unterliegt das Extrakt in der Schweiz nicht dem Betäubungsmittelgesetz, es ist legal erhältlich (siehe Box).

Dennoch empfiehlt Doetsch Grether, nur eine bis maximal zwei Hanf-Pastillen pro Tag langsam im Mund zergehen zu lassen. «Eine zu hohe Dosis ist sicher nicht gefährlich, aber dennoch nicht empfehlenswert», erklärt Wyss. Zudem haben die Pastillen ein Ablaufdatum von 24 Monaten, sind einzeln verpackt und enthalten einen Beipackzettel.

Behördensegen soll Seriosität verleihen

Ist Cannaqix denn ein Medikament? Wyss winkt ab: Es sei ein Nahrungsergänzungsmittel. Diese sind eigentlich seit letztem Mai mit dem neuen Lebensmittelgesetz nicht mehr meldepflichtig. Doetsch Grether hat die Hanf-Pastillen aber vom Amt für Verbraucherschutz absegnen und die Konformität mit dem hiesigen Lebensmittelgesetz abklären lassen.

Der Behördensegen soll den Hanf-Bonbons Seriosität verleihen. Damit will Doetsch Grether den Schmuddelruf abschütteln, der noch immer vielen Hanf-Produkten anhaftet. So sollen die Pastillen auch nichts mit den Zigaretten, Ölen oder Tropfen aus den Hanfshops zu tun haben. «Wir wollen das Produkt ausschliesslich im Fachhandel mit Beratung verkaufen», sagt Wyss. Auf den Verkauf im freien Handel verzichten daher die Basler. Coop verkauft etwa seit Mitte des letzten Jahres Zigaretten mit CBD-Hanf.

Wirkung ungewiss

Ob die Pastillen wirklich stressabbauend wirken, kann Wyss nicht sagen. Die Nachfrage der Konsumenten werde das zeigen. Das Problem: Aussagekräftige Studien über die Wirkung von CBD gibt es kaum. Das soll sich in Zukunft aber ändern, hofft Wyss.

Angebaut wird der Hanf in Italien. Die Schweizer Tochter des australischen Hanfspezialisten Creso Pharma stellt die Pastillen mit dem Hanfextrakt der Pflanzen her. Im Handel wird eine Packung mit 20 Stück 40 Franken kosten, das Doppelte 70 Franken. Vorerst wird es die Lutschgummis in der Schweiz und Liechtenstein geben. Andere Länder sollen später dazu kommen.

Experten runzeln die Stirn

Skeptisch gibt sich Matthias Liechti, stellvertretender Chefarzt Klinische Pharmakologie und Toxikologie des Unispitals Basel. «Mit CBD kann man derzeit viele Leute anlocken. Ob das Hanf-Extrakt aber entspannend wirkt, weiss man nicht genau», sagt er auf Anfrage. Solange es kein Medikament sei, müsse man auch die Wirksamkeit nicht belegen.

Auch Cannabis-Forscher und Pharmazeut Rudolf Brenneisen ist nicht begeistert: «Die Pastillen befinden sich in einem Graubereich zwischen Lifestyle-Produkten und Medikamenten.» Auf der Verpackung vermeide man tunlichst eindeutige medizinische Indikationen. Denn solche würden eine Zulassung als Medikament bedingen. Der Begriff «stressabbauend» könne man dennoch als Indikation interpretieren. Zudem ist es laut Brenneisen nicht klar, wie viel CBD die Pastillen enthalten. «Hanfextrakt kann auch bloss ätherische Öle und Nicht-Cannabinoide enthalten», so Brenneisen.

Dieses Hanf ist in der Schweiz legal

Seit 2011 ist in der Schweiz Cannabis mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent legal und fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Im Handel legal erhältliches Gras hat meist einen CBD-Anteil von 10 bis 20 Prozent, der THC-Gehalt liegt in der Regel bei 0,3 bis 0,7 Prozent.

Zudem machte das am 1. Mai 2017 in Kraft getretene neue Lebensmittelrecht machte den Weg frei für die Einführung von vielen CBD-Produkten im freien Handel. Grund: Etliche Öle, Tropfen oder Kapseln mit CBD gelten als Nahrungsergänzungsmittel. Diese sind nun nicht mehr meldepflichtig. Das heisst: Eine Zulassung vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) braucht es nicht mehr. Das führte dazu, dass die Schweiz seither ein richtiger CBD-Boom erlebt: In vielen Städten gibt es neue Hanftheken, die CBD-Produkte anbieten.

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