«Basler Zeitung»: Erste Entlassung unter dem neuen BaZ-Chef
Aktualisiert

«Basler Zeitung»Erste Entlassung unter dem neuen BaZ-Chef

Der neue Chefredaktor der «Basler Zeitung» Markus Somm stellt einen Mitarbeiter frei und kündigt seine Entlassung an. Die Umstände sind reichlich seltsam.

von
Lukas Mäder

Die Wellen schlugen hoch, als der Tessiner Financier Tito Tettamanti letztes Jahr die «Basler Zeitung» (BaZ) übernahm und den konservativen Journalisten und Blocher-Biografen Markus Somm zum neuen Chefredaktor machte. Die Befürchtung ging um, dass dieser Journalisten mit unliebsamer politischer Einstellung auswechseln würde, um der «Basler Zeitung» ähnlich der «Weltwoche» einen SVP-nahen Kurs zu verpassen. Doch während Tettamanti nach dem Wirbel um ein Beratermandat von Christoph Blocherbei der BaZ ausstieg, blieb Somm auf seinem Posten – und sitzt offenbar fest im Sattel, wie jüngste personelle Entscheide zeigen. Ab morgen Dienstag ist der langjährige Bundeshausredaktor Ruedi Studer freigestellt. Die Kündigung hat er noch nicht erhalten, soll aber auf Ende Mai erfolgen, wie Studer auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt. Somm habe ihm die Entlassung angekündigt. Der Chefredaktor selbst will sich nicht dazu äussern. Das seien interne Vorgänge, sagt Somm.

Die angekündigte Entlassung – offiziell soll laut redaktionsinternen Quellen von wirtschaftlichen Gründen die Rede sein – kommt zu einem seltsamen Zeitpunkt. Somm hatte zwar bereits Ende November in der «Schweizer Illustrierten» von Stellenabbau gesprochen, ohne einen genaueren Zeitpunkt zu nennen. Üblicherweise wird aber ein umfassendes Sparprogramm ausgearbeitet und dieses der gesamten Redaktion mitgeteilt. Die Freistellung des Bundeshausredaktors wurde intern jedoch noch nicht kommuniziert, weshalb die Redaktion etwas ratlos sei, wie ein Baz-Mitarbeiter sagt: «Es herrscht Ungewissheit, wer sonst noch entlassen wird.»

Vergrösserung der Bundeshausredaktion

Gegen wirtschaftliche Gründe für die Entlassung Studers spricht auch, dass dieser in Bern nicht nur ersetzt wird. Vielmehr kommt es zu einem Ausbau der Bundeshausredaktion von zwei auf vier Stellen. Dennoch ist ungewiss, ob die neue Führung der BaZ mit Studer, der eher linke Positionen vertritt, ihr erstes politisches Opfer fordert. Andere Redaktoren der vergrösserten Bundeshausredaktion vertreten ebenfalls keine rechtskonservative politische Linie. Dies betont Somm auch selbst und verweist auf den neuen Bundeshaus-Chef Christian Mensch, der bis anhin das Rechercheteam leitete.

Gut möglich, dass Somm aufgrund persönlicher Differenzen Studer entlässt. Doch der Bundeshausredaktor ist nicht die einzige personelle Änderung, die Fragen offenlässt. Die derzeitige Politikchefin Seraina Gross wird im Frühjahr Westschweiz-Korrespondentin der BaZ. Im Umfeld der BaZ ist zu hören, dass sie die neue Stelle nicht freiwillig antritt. Auf Anfrage gibt sich die Betroffene wortkarg: «Das ist eine berufliche Veränderung, mehr sage ich nicht.» Auch Somm gibt sich diplomatisch: «Der Wechsel geschieht im gegenseitigen Einvernehmen.» Und Somm schwärmt: «Der Job als Korrespondentin ist eine grosse Chance.»

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