Radisson-Hotels: Erste Firma führt in der Schweiz Frauenquote ein

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Radisson-HotelsErste Firma führt in der Schweiz Frauenquote ein

Die Radisson-Hotels setzen auf Frauen und streben einen Managerinnen-Anteil von 30 Prozent an. In der Branche arbeiten zwar viele Frauen, machen aber selten Karriere.

von
I. Strassheim
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In der Hotelbranche arbeiten überwiegend Frauen. Selten jedoch steigen sie auf. Grund sind oft die familienunfreundliche Schichtarbeit und die für eine Karriere nötige Auslandserfahrung.

In der Hotelbranche arbeiten überwiegend Frauen. Selten jedoch steigen sie auf. Grund sind oft die familienunfreundliche Schichtarbeit und die für eine Karriere nötige Auslandserfahrung.

Steffen Schmidt
Bundesrätin Simonetta Sommaruga verkündet im November 2014 den Plan für die Einführung einer «Geschlechterquote» für börsenkotierte Unternehmen.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga verkündet im November 2014 den Plan für die Einführung einer «Geschlechterquote» für börsenkotierte Unternehmen.

Peter Schneider
Der Arbeitgeberverband macht Dampf: Er legte diesen April eine Liste mit 400 Frauen vor - 200 Managerinnen, die schon in Verwaltungsräten sitzen. Und weitere 200, die sich als VR-Kandidatinnen auszeichnen.

Der Arbeitgeberverband macht Dampf: Er legte diesen April eine Liste mit 400 Frauen vor - 200 Managerinnen, die schon in Verwaltungsräten sitzen. Und weitere 200, die sich als VR-Kandidatinnen auszeichnen.

Walter Bieri

Hotelmanager Markus Conzelmann vom Radisson Blu in Luzern muss bis 2016 in allen Betrieben der Gruppe in Zentraleuropa die Zahl der Frauen im oberen Management auf 30 Prozent verdoppeln. «Wir sind in der Schweiz sicher eine der Ersten, die das so definitiv angehen», sagt er. Frauen gibt es zwar mehr als Männer in der Branche. Sie steigen aber nicht auf – schon allein wegen der familienunfreundlichen Auslandeinsätze und den unregelmässigen Arbeitszeiten.

Nicht die Quote allein kann deshalb das Rezept sein, um mehr Frauen in Schlüsselpositionen zu bringen. Sondern die Flexibilität: Teilzeitstellen, Jobsharing, Arbeit von zuhause aus und individuelle Karriereplanung, bei der Auslandeinsätze auch einmal auf die lange Bank geschoben werden können, wie Conzelmann erklärt. «Wenn eine Frau schwanger wird, planen wir gemeinsam, wie es danach weitergeht.» Teilzeitarbeit sei normal. Nicht normal dabei ist Radissons Aufschlag von 10 Prozent des Lohns: Wer etwa 60 Prozent arbeite, bekomme 70 Prozent bezahlt. Für den Aufschlag von 10 Prozent müsse man auch zuhause einmal seine E-Mails lesen oder sich in dringenden Fällen anrufen lassen.

Nach 30 Prozent gibt es kein Halten mehr

«Diese Initiative hat beeindruckenden Vorbildcharakter», meint Headhunter Guido Schilling. Und: Andere Unternehmen der Branche dürften es bald schwer haben, Frauen zu gewinnen. Presche eine Firma vor, müssten andere zwangsweise nachziehen, damit ihnen nicht die Talente ausgehen.

Radisson gehört zur amerikanischen Rezidor-Gruppe mit insgesamt 34'000 Mitarbeitenden. Alle 400 Hotels sollen bis 2016 die Frauenquote durchsetzen. Die 30 Prozent sind dabei nur eine erste Richtzahl: Denn ab rund einem Drittel kann sich eine Minderheit in einer Gruppe durchsetzen, erklärt Conzelmann.

Die Gruppe hat für ihr «Women in Leadership»-Programm in alle Regionen je zwei Umsetzungsmanager eingesetzt: eine Frau und einen Mann – Markus Conzelmann. «Wir wollen 100 Prozent unserer Talente fördern», sagt der Hotelmanager. Und 60 bis 70 Prozent davon seien in der Hotelbranche eben Frauen. Bislang gebe es mit der Initiative nur gute Erfahrungen: «Die Leute sind sehr loyal.» Wer flexibel arbeiten könne, habe Vertrauen. Das gelte auch für die Männer.

Pionierkanton Basel-Stadt

Für die Schweizer börsenkotierten Unternehmen plant der Bundesrat die Frauenquote erst: Auch sie könnten einmal gezwungen sein, mindestens 30 Prozent weibliche Manager in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat zu berufen. Der Vorschlag ist seit Ende letzten Jahres in der Vernehmlassung. Der Arbeitgeberverband hat derweil mit einer Liste von 200 Frauen als neue VR-Kandidatinnen für Furore gesorgt.

Headhunter Schilling fordert jedoch, dass nicht nur Unternehmen, sondern auch der Staat, die Rahmenbedingungen ändern müsse: Zum Beispiel müssten die Kosten für die Kinderbetreuung von der Steuer abgezogen werden können.

Basel-Stadt hat die Quote für die Verwaltungsräte seiner staatsnahen Betriebe schon eingeführt – und umgesetzt. In Universitäten oder Spitälern sitzen fast schon ein Drittel Frauen, obwohl das Gesetz erst seit einem Jahr gilt.

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