Aktualisiert 17.02.2014 15:12

Nach dem JaErste Firmen prüfen Wegzug aus der Schweiz

Das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative verunsichert internationale Unternehmen. Sie haben offenbar Berater engagiert, um den Umzug der Firmenzentralen zu planen.

Steuergünstige Region Zug: Beliebter Standort für internationale Konzerne.

Steuergünstige Region Zug: Beliebter Standort für internationale Konzerne.

Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft: Das zeigt sich nach dem Ja zur Initiative «Gegen Masseneinwanderung». Internationale Konzerne fragen sich beispielsweise, ob sie in Zukunft noch genügend qualifiziertes Personal finden werden. Wird die Rückkehr zum Kontingentsystem zu grossem Bürokratieaufwand führen? Und: Kommen bald noch weitere wirtschaftsunfreundliche Abstimmungen?

Offensichtlich ist: Bei internationalen Konzernen herrscht Verunsicherung. Der «Tages-Anzeiger» berichtet von einer Firma mit weltweit 40'000 Angestellten, die sich offenbar überlegt, den Hauptsitz vom Grossraum Zürich nach Irland zu verlegen. Das Unternehmen aus dem Energiesektor beschäftigt in Zürich 40 bis 50 Mitarbeiter – die Hälfte davon sind Ausländer.

«Wir haben die Anweisung bekommen, den Exit des Konzerns nach Irland auszuarbeiten», zitiert der «Tages-Anzeiger» einen Insider, der für ein grosses Beratungsunternehmen arbeitet. Bei der Planung der Umzugsmission sind angeblich auch Wirtschaftsanwälte, Buchprüfer und Steuerexperten mit an Bord. Es geht darum, die Schweiz möglichst steuerneutral zu verlassen. Allein die Vorarbeiten sollen eine sechsstellige Summe kosten.

Schweizer System wird schlechtgeredet

Offenbar hat bereits das Ja zu Abzockerinitiative den Energiekonzern über die Situation in der Schweiz nachdenken lassen. Die Masseneinwanderungsinitiative soll das Fass nun zum Überlaufen gebracht haben. Mit dieser Haltung ist die Firma angeblich nicht allein: Der Insider berichtet in der Zeitung davon, er wisse von weiteren Unternehmen, die derzeit den Standort Schweiz überprüfen würden.

Die Schweiz steht als Standort für Firmenhauptsitze und Holdings in einem harten internationalen Wettbewerb: Konkurrenten sind beispielsweise Irland, Holland, Hongkong oder Singapur. Diese Standorte und deren Spezialisten für Unternehmensansiedelungen versuchen, die Schweiz im Kampf um Holdungs und Firmensitze angeblich mit «rechtlichen Unsicherheiten» schlechtzureden. An den Pranger gestellt wird besonders das Instrument der Volksabstimmungen.

Projekte auf lange Bank geschoben

Noch gibt es wenige Firmen, die nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative gehandelt haben. Aber es gibt sie: Ein internationaler Konzern plante im Kanton Zug ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum. Dieses Projekt wurde nun eingefroren, wie der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel der «NZZ am Sonntag» sagte.

In genau diese Richtung argumentiert ZKB-Chefökonom Anastassos Frangulidis in einer am letzten Freitag publizierten Analyse. «Was sich in den nächsten Monaten und Quartalen vor allem negativ auf die Schweizer Wirtschaft auswirken wird, ist die Planungsunsicherheit der Unternehmen», schreibt Frangulidis. Diese Unternehmen würden wohl das eine oder andere Projekt auf die lange Bank schieben. Besonders betroffen dürfte der Immobiliensektor sein.

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