Ukraine-Rückkehrer: Erste Geflüchtete verlassen die Schweiz bereits wieder Richtung Heimat
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Ukraine-RückkehrerErste Geflüchtete verlassen die Schweiz bereits wieder Richtung Heimat

Nach dem Rückzug der russischen Armee aus dem Norden der Ukraine planen einige geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer bereits, in ihre Heimat zurückzukehren. Gegenüber 20 Minuten erzählen sie, warum.

von
Seline Bietenhard
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Ukrainerinnen und Ukrainer planen bereits wieder, nach Kiew zurückzukehren.

Ukrainerinnen und Ukrainer planen bereits wieder, nach Kiew zurückzukehren.

REUTERS
Einzelne haben die Schweiz schon verlassen oder planen es in naher Zukunft, andere warten lieber, bis der Krieg zu Ende ist.

Einzelne haben die Schweiz schon verlassen oder planen es in naher Zukunft, andere warten lieber, bis der Krieg zu Ende ist.

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«Ich möchte unbedingt wieder zurück nach Kiew, warte aber noch, bis unser Bürgermeister Witalij Klytschko sagt, dass es sicher genug ist», sagt die 33-jährige Myroslava zu 20 Minuten. Die Ukraine sei ihre Heimat.

«Ich möchte unbedingt wieder zurück nach Kiew, warte aber noch, bis unser Bürgermeister Witalij Klytschko sagt, dass es sicher genug ist», sagt die 33-jährige Myroslava zu 20 Minuten. Die Ukraine sei ihre Heimat.

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Darum gehts

  • Ukrainerinnen und Ukrainer planen bereits wieder, nach Kiew zurückzukehren.

  • Einzelne haben die Schweiz schon verlassen oder planen es in naher Zukunft, andere warten lieber, bis der Krieg zu Ende ist.

  • Die Geflüchteten vermissen ihre Heimat.

  • Laut Nicolas Hayoz, Professor für Politikwissenschaft und Osteuropa, gibt es mehrere Gründe, weshalb sie wieder zurück wollen.

Nach wie vor kommen Tausende geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in die Schweiz, was die Kantone vor diverse Herausforderungen stellt. Nun gibt es aber bereits eine Bewegung in die andere Richtung. Nachdem sich die russische Armee vergangene Woche aus dem Norden der Ukraine zurückgezogen hat, planen einige geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer, wieder zurückzureisen – zumindest bis nach Kiew.

Bundesrätin Karin Keller-Suter sagte am Montagnachmittag im Interview mit 20 Minuten, dass sie davon ausgehe, dass zurzeit besonders Leute aus Polen wieder zurück in ihre Heimat reisten, da sie näher an der Grenze zur Ukraine seien. Auch in der Schweiz gibt es bereits vereinzelt Personen, die eine Rückreise in die Ukraine planen. Gegenüber 20 Minuten erzählen sie, warum sie trotz des immer noch andauernden Krieges zurückreisen.

«Die Ukraine ist meine Heimat»

Laut Angaben einer Schweizerin, die sich für Geflüchtete einsetzt, sei eine Familie bereits abgereist und befinde sich auf dem Weg in die Ukraine. «Ich versuche, weiteren Interessenten den Transport für die Rückreise zu organisieren», so die Frau.

Weitere Ukrainerinnen und Ukrainer planen, nach dem Kriegsende wieder in ihre Heimat zurückzukehren. «Ich möchte unbedingt wieder zurück nach Kiew, warte aber noch, bis unser Bürgermeister Witalij Klytschko sagt, dass es sicher genug ist», sagt die 33-jährige Myroslava zu 20 Minuten. Die Ukraine sei ihre Heimat. «Erst, seitdem ich weg bin, wurde mir klar, was das Wort ‹Heimat› eigentlich bedeutet», so Myroslava. Die Zeit in der Schweiz schätzt die 33-Jährige dennoch, ebenso wie die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen.

«Ich habe keine Angst, zurückzukehren»

Die 20-jährige Yuliia plant, innert drei Monaten wieder nach Kiew zu reisen. «Der Hauptgrund, warum ich zurück will, ist, weil ich meine Familie und Freunde wieder sehen möchte», sagt Yuliia zu 20 Minuten. Ebenfalls könne sie nicht in einem sicheren Land sein, während ihre Heimat Hilfe brauche. «Ich liebe mein Land einfach zu sehr und kann nicht zu lange weg sein», so die 20-Jährige. Sie habe keine Angst, nach Kiew zurückzukehren, im Gegenteil: «Ich freue mich schon sehr.»

Auch der Schweizerischen Flüchtlingshilfe sind einzelne Fälle von Menschen bekannt, die planen, bald in die Ukraine zurückzukehren. «Dabei handelt es sich hauptsächlich um Menschen aus Kiew sowie aus dem Westen der Ukraine. Wir gehen davon aus, dass das möglicherweise mit dem Rückzug der russischen Truppen aus diesen Gebieten zu tun haben könnte», so die Flüchtlingshilfe.

«Jede und jeder muss sich Gedanken machen»

«Es gibt unterschiedliche Gründe, warum viele Ukrainerinnen und Ukrainer bald wieder zurück in ihre Heimat möchten», sagt Nicolas Hayoz, Professor für Politikwissenschaft und Osteuropa der Universität Freiburg. Dies können laut Hayoz einerseits fehlende finanzielle Möglichkeiten sein oder auch, wenn sie aus Gebieten kommen, wo sich die russischen Truppen zurückgezogen haben. «Man muss auch sehen, dass grosse Teile der Ukraine bisher vom Krieg verschont gewesen sind», so Hayoz. In Kiew gebe es fast so was wie Normalität. «Und wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sie wieder problemlos in die Hauptstadt zurückfahren können, dann tun sie dies – trotz den offiziellen Warnungen, dies nicht zu tun», sagt Hayoz.

«Die Leute, die aus dem Osten des Landes kommen, werden sich andere Gedanken machen, als diejenigen aus dem Norden, die weniger gefährdet sind», so Hayoz. Die meisten Geflüchteten seien aus der Ostukraine gekommen, die auch stärker vom Krieg betroffen sei. «Diese Leute könnten in Gebiete des Landes gehen, wo es keinen Krieg gibt, aber in zerstörte Städte wie Mariupol können sie nicht mehr zurück», so Hayoz. Jede und jeder müsse sich da ihre eigenen Überlegungen machen.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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