Ist das legal?: Erste Gemeinden wollen Drohnen verbieten
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Ist das legal?Erste Gemeinden wollen Drohnen verbieten

Immer mehr Gemeinden weisen Drohnenpiloten in die Schranken. Ist das rechtlich haltbar? Und was bedeutet das für die Händler?

von
K. Wolfensberger
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Darf mein Nachbar seine Drohne in meinem Garten fliegen lassen? Viele wissen nicht, was erlaubt ist.

Darf mein Nachbar seine Drohne in meinem Garten fliegen lassen? Viele wissen nicht, was erlaubt ist.

/Andia
Drohnen begeistern die Schweiz. Etwa hunderttausend Drohnen schwirren bereits über das Land.

Drohnen begeistern die Schweiz. Etwa hunderttausend Drohnen schwirren bereits über das Land.

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Auch Frauen interessieren sich verstärkt für die mobilen Fluggeräte. Der Anteil der Käuferinnen ist bei Digitec Galaxus gestiegen.

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In verschiedenen Schweizer Gemeinden werden Drohnen die Rotoren gestutzt. So hat beispielsweise die Gemeinde Ettingen im Kanton Baselland vor kurzem erlassen, dass Drohnen über öffentlichem Grund im Siedlungsgebiet nicht mehr fliegen dürfen. Zuvor hatten schon Aargauer Gemeinden wie Gipf-Oberfrick, Kaisten oder Ueken eine Bewilligungspflicht für Drohnen eingeführt, die zumindest in Teilen ihres Gemeindegebiets gelten.

In Thayngen im Kanton Schaffhausen darf nur eine Drohne über Wohngebiet steigen lassen, wer zuvor eine Bewilligung des Gemeinderats eingeholt hat. Genaue Zahlen dazu, in wie vielen Gemeinden die Verwendung von Drohnen eingeschränkt ist, gibt es laut dem Schweizerischen Drohnenverband SVZD allerdings keine.

«Verbot lässt sich problemlos anfechten»

Doch dürfen Gemeinden Drohnenflüge überhaupt verbieten? Nicht, wenn es nach dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) geht. Wie Mediensprecher Urs Holderegger auf Anfrage von 20 Minuten erklärt, «lässt sich ein solches Verbot einer Gemeinde problemlos anfechten, da es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt».

Ausserdem erachte es das Bazl als problematisch, wenn jede Gemeinde beginne, eigene Regeln im Bezug auf Drohnenflüge zu schaffen. «Wie und wo könnte man sich als Drohnenpilot informieren, wo das Drohnenfliegen auch über bewohntem Gebiet möglich ist?», bemängelt Holderegger.

«Ein Flickenteppich an Regelungen»

Der Zürcher Rechtsanwalt Martin Steiger äussert sich auf Anfrage ähnlich und erklärt, er halte die Einschränkungen der Gemeinden für fragwürdig. «Ein solcher Flickenteppich von kommunalen Regelungen für Drohnen droht ausserdem, die sich entwickelnde Drohnenwirtschaft in der Schweiz zu schädigen», gibt Steiger zu bedenken. Davon würden die Konkurrenten im Ausland profitieren.

Aus Steigers Sicht genügen die heutigen europäischen und schweizerischen Regelungen: «Schwarze Schafe müssen zur Rechenschaft gezogen werden, aber dazu braucht es keine verschärfte Regulierung für Drohnen.»

Verhaltensregeln im Internet

Wer selbst eine Drohne hat und unsicher ist, wie er sich zu verhalten hat, kann sich sowohl auf der Website des Bazl als auch auf der Website des Drohnenverbands informieren. Wie Drohnenverband Vizepräsident Reto Büttner erklärt, bietet dieser eine ganze Reihe von Verhaltensregeln für Drohnenpiloten.

«Sie sollen beispielsweise versuchen, niemanden mit der Fliegerei zu stören oder die Privatsphäre anderer Menschen zu respektieren», so der Vizepräsident. Eine weitere Forderung seines Verbands ist, dass Drohnenpiloten sich auffällig kleiden, so dass sie sofort als Steuermann des Flugobjekts für alle Umstehenden erkennbar sind.

Händler fürchten keine Einbussen

Die Schweizer Händler machen sich keine Sorgen, dass sie die zunehmenden Flug-Einschränkungen beim Verkauf von Drohnen zu spüren bekommen könnten. «Wir rechnen mit mindestens einer Verdoppelung des Umsatzes», erklärt beispielsweise Alex Hämmerli von Digitec Galaxus auf Anfrage von 20 Minuten. Und weiter: «In den Monaten Januar bis und mit Mai konnten wir rund 170 Prozent mehr Drohnen verkaufen als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres.»

Auch Daniel Rei, Sprecher von Brack.ch, sieht keinen Grund zur Beunruhigung. Er sagt: «Für die gesamte Vielfalt unserer Multicopter gibt es ein breiteres Einsatzspektrum als nur Kameraflüge über bewohntem Gebiet, in dem die Flüge beschränkt oder verboten sind.»

So liessen sich die Flugobjekte nicht nur für Freizeit-, sondern auch für berufliche Zwecke einsetzen. Und Rei stellt klar: «Ausserdem glauben wir, dass sich die Mehrheit der Drohnenpiloten an die Regeln hält.»

Dass mit Drohnen auch Gutes getan werden kann, beweist folgendes Video: Es zeigt, wie ein Gymnasiast mit Hilfe einer Drohne dafür sorgt, dass keine Rehkitze von Mähmaschinen getötet werden:

Gymnasiast rettet Rehkitze mit Drohne

Bis zu 2000 Rehkitze werden jährlich Opfer von Mähmaschinen. Um diese Todesfälle zu verhindern, hat ein 18-jähriger eine Drohne entwickelt, mit der er vor dem Mähen die Wiesen nach Jungtieren absucht. Video: SDA

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