Aktualisiert 26.04.2017 15:40

St. GallenErste Profi-Comedytruppe für behinderte Menschen

In der Ostschweiz entsteht eine neue, professionelle Theatergruppe für Menschen mit Behinderung. Für das Projekt wurde der berühmte Clown Olli Hauenstein ins Boot geholt.

von
air

Der Clown Olli Hauenstein hat die künstlerische Leitung über das Projekt Komiktheater. (Video: gts)

«Menschen mit einer Beeinträchtigung besitzen zum Teil ausgeprägte Fähigkeiten», sagt Marco Dörig, Geschäftsleiter bei Sonnenhalde Tandem. Die St. Galler Institution bietet Menschen mit Behinderung einen Wohn- und Arbeitsplatz. «Oft ist es ihnen aber nicht möglich, diese Talente auszuleben.»

Deshalb hat die Sonnenhalde das Projekt Arbeitsplatz Komiktheater gestartet. Ziel sei, ein professionelles Ensemble zu gründen – ein Novum in der Ostschweiz. Für das Projekt konnte der bekannte Clown Olli Hauenstein engagiert werden. «Es war ein riesiger Zufall, dass wir Olli kennengelernt haben», sagt Dörig. Hauenstein ist bereits seit 35 Jahren Clown und wurde mehrfach ausgezeichnet. Er trat unter anderem im Circus Knie auf und tourte durch Europa, Kanada und Japan. Zudem hat er bereits Erfahrung mit behinderten Schauspielern.

«Ich habe mit Eric Gadient das Projekt ‹­­Clown-Syndrom› vorbereitet und aufgeführt», sagt der Clown. Gadient ist ein Schauspieler mit Down-Syndrom. Vergangenen September feierte das Duo Premiere. Ende April geht die Tournee aufgrund der grossen Nachfrage weiter, nächster Auftritt ist im Theater Konstanz. «Nun ist die Idee, in St. Gallen einen Standort zu organisieren, so dass auch hier eine professionelle Theatergruppe entsteht», so Hauenstein. Dafür habe man rund einen Kilometer vom Wohnheim Sonnenhalde entfernt bereits ein Lokal für Trainings und Proben gefunden.

Casting für Schauspieltalente

«Dieses Projekt ist ein Novum und ein einzigartiges Angebot in der Ostschweiz», sagt Gee Hauser, Projektkoordinatorin von Arbeitsplatz Komiktheater. Gesucht seien Menschen mit Beeinträchtigung, die musikalisch oder schauspielerisch talentiert seien. «Darum führen wir vom 6. bis 8. Mai unser erstes Casting durch.» Es sei bereits ausgebucht, zehn Anmeldungen seien eingegangen. «Das zweite Casting findet dann vom 17. bis 19. Juni statt. Dort hat es noch Plätze frei.» Zudem wolle man noch Unterstützer finden, die auch ideell zum Projekt passten. «Geplant ist, Mitte August mit einem Ensemble von sieben bis neun Personen mit Proben zu beginnen», so Hauser. Das Ensemble würde fest angestellt werden und auch einen Lohn erhalten.

Auf individuelle Fähigkeiten eingehen

Am Casting wird auch Roberto Picciano dabei sein. Er wohnt in der Sonnenhalde und arbeitet dort in der Mechanikabteilung. «Ich habe einen Zirkuskurs besucht und auch schon einen Zirkusdirektor gespielt», sagt er. Er sei sehr motiviert, beim Komiktheater dabei zu sein. Picciano: «Ich kann zwar nicht lesen, aber Texte auswendig lernen kann ich.»

Laut Hauenstein ist die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung speziell: «Ein Profischauspieler muss alle Bereiche abdecken können. Er muss den alten Mann wie auch den jungen Lover spielen können», erklärt er. «Hier ist die Idee, auf die einzelnen, speziellen Fähigkeiten der Menschen mit Handicap einzugehen und so das Stück gemeinsam entstehen zu lassen.»

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