2,2 Milliarden: Erste Schwalben am UBS-Himmel
Aktualisiert

2,2 MilliardenErste Schwalben am UBS-Himmel

Die Grossbank bestätigte mit einem Quartalsgewinn von 2,2 Milliarden Franken ihre aufsteigende Form. Wichtiger als der Gewinn ist aber eine andere Zahl.

von
Lukas Hässig
Oswald Grübel stoppte den Geldabfluss

Oswald Grübel stoppte den Geldabfluss

Nach gut einem Jahr im Amt malt die UBS-Führung erstmals rosig. Die Grossbank übertrifft die Gewinnerwartung, und sie sieht neues Vertrauen bei den Kunden.

Die wichtigste Passage findet sich ganz am Ende ihrer Mitteilung zum Quartalsgewinn von heute: «Die Nettoneugeldabflüsse dürften sich auf kurze Sicht auf einem relativ moderaten Niveau bewegen. UBS ist jedoch nach wie vor überzeugt, dass die von uns ergriffenen Massnahmen zur Bekämpfung der Ursachen der Nettoabflüsse Wirkung zeigen werden.»

Vertrauen kehrt langsam zurück

Bisher waren die Vermögensabzüge der Kunden horrend. Seit Ausbruch der Krise suchte die reiche Klientel das Weite und nahm über 200 Milliarden Franken mit. Von Januar bis März dieses Jahres betrug der Abfluss in der Vermögensverwaltung noch 8 Milliarden. In der Schweiz flossen beinahe gleich viel neue Gelder zu wie von Kunden abgezogen wurden.

Erste Schwalben fliegen also am UBS-Himmel. Konzernchef Oswald Grübel schlägt denn auch einen vorsichtig optimistischen Ton an. «Wir sind gut positioniert, unsere mittelfristigen Ziele zu erreichen», lässt er sich zitieren.

Bis 2014 verspricht Grübel einen jährlichen Vorsteuergewinn von 15 Milliarden Franken. Das entspricht der Gewinnkraft vor der Krise. Bis dahin bleibt ein gutes Stück Weg. Im ersten Quartal 2007, also kurz vor Beginn des grossen Crashs, verdiente die Bank unter dem Strich 3 Milliarden Franken. Diesmal waren es 2,2 Milliarden.

Comeback des Handels

Der Aufschwung hängt entscheidend vom zweiten Bein der UBS ab. In der Investmentbank nutzten die Schweizer die Gunst der Stunde, mit viel günstigem Geld der Notenbanken und neuer Risikofreude der Investoren sowie der eigenen Händler. Im Geschäft mit Obligationen, Währungen und Rohstoffen, wo die UBS in der Finanzkrise über 50 Milliarden Dollar verspielt hatte, machte die Bank mehr Gewinn als im Rest der Investmentbank, dem Aktien- und dem Beratungsgeschäft.

Wie nachhaltig und riskant die neue Offensive der UBS-Investmentbank sein wird, wird sich weisen. Bereits Spuren hinterlässt sie in der Erfolgsrechnung. Der Gesamtaufwand ist von 5,2 auf 6,5 Milliarden hochgeschnellt, vor allem wegen höheren Löhnen und Boni.

Schwächelnde US-Vermögensverwaltung

Wo kann die Bank zulegen? Das ist die Frage, die das Management umtreibt und die Investoren am meisten interessiert. Ins Auge sticht die amerikanische Vermögensverwaltung. Deren Vorsteuergewinn ist in den ersten drei Monaten zu einem dünnen Rinnsal verkümmert. Gerade noch 15 Millionen Franken verdiente die Bank mit ihren mehreren Tausend Kundenberatern, dies im Vergleich zu 178 Millionen im Vorquartal, die ebenfalls wenig berauschend waren. Düster sieht es auch bei den Vermögensabflüssen aus. Im Schlussquartal 2009 betrugen sie 12 Milliarden, nun erreichten sie 7 Milliarden. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Dabei wäre der Moment günstig für die Schweizer, wieder Marktanteile zu gewinnen. Während ihre drei wichtigsten Konkurrenten Übernahmen verdauen, kann die UBS auf Kundenfang gehen. Doch der finanzielle Niedergang und der US-Steuerbetrug lasten offenbar schwer auf der Bank. Der neue US-Chef Robert McCann, der von Konkurrentin Merrill Lynch zur UBS kam, muss nun aufräumen: Kosten runter, Strategie schärfen, Gewinn steigern.

Zentral für New UBS wird die Schweiz. Dort verdiente die Bank wie zu den guten Zeiten fast eine halbe Milliarde. Mit einer Werbeoffensive ab dem zweiten Halbjahr will sich die Grossbank ein neues Profil geben. Dabei sollen nicht die vermögenden Kunden im Zentrum stehen, sondern die vielen kleinen und mittelgrossen sowie die Tausenden von KMUs, die nicht wie die UBS auf Staatsrettung hoffen können.

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