Geld und freie Tage - Erste Schweizer Firmen geben ihren Angestellten Impfprämien
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Geld und freie TageErste Schweizer Firmen geben ihren Angestellten Impfprämien

Tally Weijl, Swiss Casinos, die Utz-Gruppe: Impfprämien am Arbeitsplatz gibt es nun auch in der Schweiz. Viele Firmen fürchten sich vor einem Betriebsunterbruch.

von
Fabian Pöschl
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Die Angestellten von Tally Weijl können von einem Impfanreiz-Programm der Firma profitieren (das Foto entstand vor der Covid-Zeit).

Die Angestellten von Tally Weijl können von einem Impfanreiz-Programm der Firma profitieren (das Foto entstand vor der Covid-Zeit).

Tally Weijl
Wer sich impfen lässt, erhält einen freien Tag am Impftermin und einen zusätzlichen freien Tag zur Belohnung.

Wer sich impfen lässt, erhält einen freien Tag am Impftermin und einen zusätzlichen freien Tag zur Belohnung.

Getty Images/iStockphoto
Mit der Aktion wolle die Firma die Impfkampagne des Bundes unterstützen.

Mit der Aktion wolle die Firma die Impfkampagne des Bundes unterstützen.

20 Minuten

Darum gehts

  • Schweizer Firmen belohnen geimpfte Angestellte mit 200 Franken auf die Hand oder zwei freien Tagen.

  • Damit wollen sie weitere Lockdowns verhindern.

  • Für eine Firma kann die Quarantäne ihrer Angestellten extrem kostenspielig sein.

Bier, Donuts, Cannabis und Geld: In den USA winken Covid-Impfwilligen viele Goodies. Mit etwas Glück können Amis bei Impf-Lotterien sogar Millionen Dollar gewinnen. Auch der Schweizer Medienpionier Roger Schawinski lancierte schon eine Impf-Tombola.

Nicht nur der Staat und Private, auch immer mehr Firmen setzen Impf-Anreizprogramme. Nach Amazon & Co. in den USA belohnen auch erste Schweizer Firmen impfwillige Angestellte. So gibt es bei der Basler Modekette Tally Weijl einen freien Tag am Impftermin und einen zusätzlichen freien Tag zur Belohnung für die 635 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schweiz, wie das Unternehmen mitteilt.

Mit der Aktion, die bis auf Weiteres läuft, wolle das Unternehmen die laufende Impfkampagne des Bundes unterstützen. «Es ist uns ein grosses Anliegen, dass unsere Mitarbeitenden unsere Kundinnen und sich selbst durch eine Impfung möglichst gut gegen das Corona-Virus schützen», sagt Tally-Weijl-CEO Beat Grüring.

Bei Swiss Casinos und der Bremgarter Utz-Gruppe gibts 200 Franken

Noch bis Ende Oktober kriegen die Angestellten von «Swiss Casinos» in Zürich Geld fürs Impfen. Das Unternehmen belohnt laut «SRF» alle Impfwilligen mit 200 Franken. «Wir haben in den letzten zwei Jahren zweimal einen Lockdown erlebt und mussten das Unternehmen schliessen», sagt Geschäftsführer Marc Baumann gegenüber dem Medienhaus. «Das möchten wir auf jeden Fall verhindern.»

Ebenfalls 200 Franken fürs Impfen gibts bei der Industriegruppe Utz aus Bremgarten (AG). Die Angestellten müssen sich aber sputen. Geld gibts nur, wenn die erste Impfung noch vor dem 20. September verabreicht wird und wird nach der zweiten Impfung ausbezahlt.

Die «Sonntagszeitung» zitiert aus einem internen Brief der Geschäftsleitung, in dem sie die Aktion gegenüber den 250 Angestellten in der Schweiz begründet: «Es ist uns sehr wichtig, im Betrieb eine hohe Impfquote zu erreichen – dies schützt unsere Mitarbeitenden vor einer Ansteckung und hält die Produktion am Laufen.»

Firmen investieren ins Impfen, um Betriebsunterbrüche zu vermeiden

Die Firma rechnet mit einem hohen fünfstelligen Betrag für Masken, Schutzeinrichtungen, Informationsmaterial und Impfprämien. Das lohne sich, um Produktionsunterbrüche zu vermeiden. «Je mehr Angestellte geimpft sind, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass grosse Teile einer Abteilung erkranken oder kurzfristig in Quarantäne müssen», sagt Carsten Diekmann, Schweiz-Chef der Utz-Gruppe.

Ob sich für die Firmen eine Impfprämie oder freie Tage tatsächlich lohnen, um einen Betriebsunterbruch zu verhindern, lasse sich nicht generell sagen, sagt Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch zu 20 Minuten. «Für eine Firma kann es aber extrem kostspielig sein, wenn ihre Angestellten in Quarantäne sind. Deshalb haben viele Firmen ein grosses Interesse daran, dass ihre Belegschaft geimpft ist», so Minsch.

Das Interesse am Impfen sei seit den Mutationen noch stärker, weil im Vergleich zur ersten Welle auch mehr Jüngere schwer erkrankten und es zu längeren krankheitsbedingten Ausfällen komme. Darum hätten auch viele Betriebe schon bei den Massentests mitgemacht.

So wirkt die Corona-Impfung

Der Schutz gegen das Coronavirus beginnt laut der Informationsplattform für Impffragen Infovac rund zwei Wochen nach der ersten Impfdosis. Eine Woche nach der zweiten Dosis ist der Schutz zu 95 Prozent gegeben. Trotz Impfungen kann es zu symptomlosen Infektionen mit dem Coronavirus kommen, sagt Manuel Battegay, Infektiologe und Chefarzt am Unispital Basel. Tief sei auch das Risiko, nach einer Impfung das Virus zu übertragen. «Laut Studien besteht eine Reduktion des Risikos von 85 bis 90 Prozent, dass Geimpfte das Virus weitergeben.»

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