Weg von Pillen und Alkohol: Erste Tagesklinik in Bern
Aktualisiert

Weg von Pillen und AlkoholErste Tagesklinik in Bern

Mitten im Berner Stadtzentrum eröffnet die schweizweit erste Tagesklinik für Süchtige.

von
Patrick Marbach

Gleich neben dem Bahnhof, im ehemaligen Personalhaus des Burgerspitals, gehen ab nächstem Montag die ersten Medikamenten- und Alkohol­abhängigen ein und aus. «Diese zentrale Lage ist wichtig, weil die Patienten morgens mit dem ÖV anreisen und am Abend wieder heimkehren», erklärt Chefarzt ­Peter Allemann.

Indem sie zuhause übernachten, werden die Suchtkranken nicht völlig aus ihrem Umfeld gerissen. So können etwa Mütter ihre Kinder während der Therapie weiter betreuen und selbstständig Erwerbende müssen ihren Betrieb nicht schliessen.

Allerdings stellen die Szenetreffs und das Suchtmittel­angebot rund um die Tagesklinik die Patienten auf eine harte Probe. «Das ist ein Vorteil – sie müssen lernen zu widerstehen. Aktuelle Erlebnisse und Konflikte thematisieren wir in der Gruppe», sagt Allemann.

Die drei- bis neunwöchige Behandlung ist für Süchtige geeignet, die bereits einen Entzug hinter sich haben, aber noch intensive Thera­pien, Sozialtrainings und eine feste Tagesstruktur brauchen. Zwölf Betreuungsplätze stehen zur Verfügung, die Nachfrage ist riesig. Die Klinik wird vom Kompetenzzentrum Südhang betrieben, das als ehemalige «Trinkerheilstätte Nüchtern» seit 1890 Erfahrung in der Suchtbehandlung hat.

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