Aktualisiert 15.12.2010 22:08

Zürich«Erste Woche vor der Klasse wird sicher happig»

76 Quereinsteiger lassen sich im März 2011 zum Lehrer ausbilden – darunter ein Polizist und eine Friedensrichterin.

von
Regina Ryser

Im Kanton Zürich mangelt es an Lehrpersonen – aber nicht mehr lange: Ein neuer Studiengang der Pädagogischen Hochschule Zürich soll das Problem entschärfen. Im Schnellgang werden 18 Monate lang 76 Quereinsteiger als Lehrer ausgebildet. Das neue Studium «Fast Track» beginnt im März 2011; bereits ab nächstem August unterrichten die Quereinsteiger ihre eigene Klasse im 80-Prozent-Pensum – unter ihnen sind auch der Polizist Stefan Bachmann sowie die Juristin und Friedensrichterin Ma­rianne Schaad.

Interview mit Stefan Bachmann und Marianne Schaad

Was reizt Sie daran, auf den ­Lehrerberuf umzusteigen?

Stefan Bachmann: In so kurzer Zeit Lehrer zu werden, ist eine ­einmalige Chance – diese wollte ich nicht verstreichen lassen. Ich habe gerne Kontakt mit Menschen, in meinem jetzigen Beruf als Sektorenchef bei der Flughafenpolizei kommt dieser ­etwas zu kurz. Auch erhoffe ich mir vom Studiengang und vom Lehrerberuf intellektuell mehr gefordert zu werden.

Marianne Schaad: Ich wollte früher eigentlich Lehrerin werden. Dem Rat meines Vaters folgend habe ich jedoch Jus studiert und bin heute als Friedensrichterin tätig. Dass ich nicht Lehrerin wurde, habe ich oft bereut. Als ich vom Studiengang der Pädagogischen Hochschule Zürich hörte, dachte ich, jetzt ist die letzte Möglichkeit, um meinen Traum zu erfüllen.

Nach sechs Monaten Schule müssen Sie bereits eine eigene Klasse unterrichten. Wovor fürchten Sie sich?

Stefan Bachmann: Die erste Woche vor einer Klasse zu stehen wird sicher happig – man muss sich einem neuen Niveau und einer anderen Kultur anpassen. Anspruchsvoll wird sicher auch, mein Wissen so zu erklären, dass es die Kinder auch verstehen und aufnehmen können.

Marianne Schaad:Etwas mulmig ist mir schon zumute – ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie das wird. Als grosse Herausforderung betrachte ich es, die Stärken eines lernschwachen Kindes herauszufinden und diese zu fördern. So kann ich sein Selbstvertrauen stärken und es motivieren, die Schulbank zu drücken.

Sie absolvieren die Lehreraus­bildung in wenigen Monaten, sind Sie danach wirklich für den Lehrerberuf gerüstet?

Stefan Bachmann: Für jeden Lehrer – egal ob Quereinsteiger

oder nicht – ist dieser Beruf eine Heraus­forderung. Ich habe den Vorteil, dass ich auf einen ­grossen Erfahrungsrucksack zurückgreifen kann. Das Konfliktlösen konnte ich beispielsweise zuhause bei meinen Kindern üben.

Marianne Schaad:

Ja. Dank meines Alters habe ich sehr viel Lebenserfahrung, diese kommt mir als Lehrerin sehr entgegen. Als Mutter von zwei Mädchen weiss ich, was Eltern wissen möchten und wie man mit ihnen kommunizieren sollte. Und dank meines Amts als Friedensrichterin kann ich Konflikte schlichten.

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