Aktualisiert 07.01.2008 16:00

Erste Zeugenaussagen gegen Warlord Taylor

Im Kriegsverbrecherprozess gegen den ehemaligen liberianischen Präsidenten Charles Taylor hat das UNO-Sondergericht für Sierra Leone im niederländischen Den Haag mit der Beweisaufnahme begonnen.

Als erster von 144 geladenen Zeugen wurde der Kanadier Ian Smillie in den Zeugenstand gerufen. Er gilt als Diamanten-Experte und engagiert sich im Kampf gegen den weltweiten Handel mit sogenannten Blutdiamanten.

Seinen Angaben nach hatte Taylor bei einer Befragung der UNO im Jahr 2000 jegliches Wissen über einen Diamantenschmuggel durch Liberia nach Europa bestritten. Allerdings habe Taylor damals auch nicht ausschliessen können, dass keine Diamanten geschmuggelt würden, da die Grenze zwischen Liberia und Sierra Leone nur unzureichend bewacht sei, sagte Smillie.

Waffengeschäfte und Diamantenhandel

Die Anklage beschuldigt Taylor, der von August 1997 bis August 2003 Präsident Liberias war, er habe im Nachbarland Sierra Leone die gefürchtete Rebellengruppe RUF mit Waffen und Geld unterstützt, unter anderem, um vom Handel mit «Blutdiamanten» zu profitieren.

Den Rebellen wird zur Last gelegt, während des Bürgerkrieges von Ende 1996 bis Anfang 2002 Tausende Menschen ermordet, gefoltert oder verstümmelt und Kinder in den Krieg gezwungen zu haben.

Die Anklage zeigte am Montag einen Dokumentarfilm, in dem ein Sierra Leoner erzählt, dass ihm - mutmasslich von Taylor unterstützte - Rebellen die Hände abgehackt hätten. Taylors Anwälte bestreiten nicht die Gewalttaten, die ihrem Mandanten vorgeworfen werden. Sie argumentieren aber, dass er selbst nicht an den Verbrechen beteiligt gewesen sei.

Ein Zeichen setzen

Taylor ist der erste afrikanische Präsident, der sich wegen gravierender Verbrechen vor einem internationalen Gericht verantworten muss. In der Vergangenheit flohen afrikanische Diktatoren oft ins Ausland und wurden nicht verurteilt.

Mit dem Prozess wollen die Ankläger ein Zeichen setzen, dass Machthaber sich für ihre Verbrechen verantworten müssen. Den Prozessauftakt im vergangenen Juni hatte Taylor boykottiert, um mehr Geld für seine Verteidigung zu bekommen.

Aus Sicherheitsgründen findet die Verhandlung in Den Haag und nicht in Sierra Leone statt. Es wird damit gerechnet, dass sie etwa zwei Jahre dauert. (sda)

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